Stadtentwicklung
Das Gundeli – ein Quartier von Kämpfern

Kanton und Bevölkerung blicken auf sechs Jahre Zusammenarbeit zurück.

Delphine Conzelmann
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Zwischen Verkehrschaos und Boulevard: Im Gundeli tobt das Leben.
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Gundeli
Gundeli Blick der Güterstrasse entlang in Richtung Heiliggeistkirche
Gundeli Tellplatz
Gundeli

Zwischen Verkehrschaos und Boulevard: Im Gundeli tobt das Leben.

Kenneth Nars

Das Vokabular staatlicher Konzepte und Strategien klingt für die Bevölkerung oft wie eine gänzlich unverständliche Sprache. Diese zu übersetzen und dialogfähiger zu machen, das hat die kantonale Stadtentwicklung in den letzten sechs Jahren mit dem Projekt «Gundeli+» versucht. Eine Wanderausstellung blickt im Juni auf die Zusammenarbeit von Quartier und Stadt zurück. Damals verlagerte sich die Aufmerksamkeit von Basel Nord in den Süden, ins Gundeli. Die hiesigen Anwohner gelten seit je als engagiert, ja gar kämpferisch.

Unzählige Vereine, Aktionsgruppen und Freiwillige setzen sich politisch für das Gedeihen «ihres» Gundeli ein. Etwas, das Olivier Wyss, Projektleiter der Kantons- und Stadtentwicklung, immer beeindruckt hat: «Als wir unseren Fokus auf das Gundeli gesetzt haben, sind wir auf 150 laufende Projekte gestossen.» Bei «Gundeli+» sei es darum gegangen, bereits existierende Synergien zu nutzen. Doch was hat sich mit «Gundeli+» wirklich getan?

Verkehr bleibt Problem-Thema

Die Erwartung, dass das Gundeli heute ein sichtbar anderes ist als 2012, ist möglicherweise zu hoch gesteckt. Vieles, worauf die Beteiligten positiv zurückblicken, ist für einen Besucher des Quartiers kaum wahrnehmbar. Gabriele Frank von der Quartierkoordination Gundeli meint: «Was für mich den Erfolg ausmacht, ist, dass Brücken zur Verwaltung geschlagen sind». Jetzt sei beiderseits Vertrauen etabliert und auch kontroverse Themen könnten angegangen werden.

Solch ein Thema ist der Verkehr: Ein «Dauerbrenner», meint Wyss. Auch heute noch tragen offene Fragen zur Mobilität zur Unzufriedenheit im Quartier bei. Die Einrichtung einer 30er-Zone in der Güterstrasse sei, so Frank, ein guter Anfang. Schlechte Anbindung für Fussgänger, Veloparkplätze und «Wildparker» sind noch immer Aufregerthemen. Enttäuscht von «Gundeli+» sind die Anwohner aber nicht: «Gerade beim Verkehr gehen die Meinungen stark auseinander und gewisse Probleme sind schlicht nicht lösbar», zeigt sich Willy Spinnler vom Neutralen Quartierverein Gundeldingen verständnisvoll. Auch wenn sie manchmal klar gegen Massnahmen der Stadt halten mussten, seien die Anwohner immer zu Wort gekommen.

Geduld ist gefragt

Gerade weil das Gundeli ein so engagiertes Quartier sei, habe es mehr Anregungen gegeben, als umsetzbar seien. Frank meint: «Es wurde versucht, viele Wünsche niederschwellig und schnell zu erfüllen, aber andere haben einen langfristigen Planungshorizont». So beispielsweise die Hoffnung auf einen Park beim Dreispitz, oder die bevorstehende Neugestaltung des Meret Oppenheim Platzes.

Die Erkenntnisse der letzten sechs Jahre, besonders die Anliegen, die noch nicht erfüllt werden können, fliessen nun in einen Stadtteilrichtplan. Dieser gibt der Bevölkerung auch die Möglichkeit, gewisse Versprechen der Stadt einzufordern. Das ist oftmals eine Gratwanderung. So zum Beispiel, wenn zwar die Aufwertung des Quartiers mit mehr Grünraum gefordert wird, gleichzeitig aber eine Verdrängung zulasten günstigen Wohnraums vermieden werden muss, oder die Güterstrasse zum «Boulevard», nicht aber zur «Fressmeile» werden soll. Wichtig, so Gabriele Frank, sei es deshalb, dass das Quartier auch nach «Gundeli+» involviert bleibe. Das begrüsst auch die Stadt selbst: «Mein Wunsch für das Gundeli ist, dass es seinen Kampfgeist beibehält», meint Wyss.

Die aktuelle Wanderausstellung, soll der Bevölkerung deshalb bis zum 21. Juni die Möglichkeit geben, sich ein aktuelles Bild des Quartiers und der bisherigen Arbeit zu machen, und sich über künftige Partizipationsmöglichkeiten zu informieren.
Mehr zur Ausstellung: www.entwicklung. bs.ch/wanderausstellung

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