Verkehrsberuhigung
Das Gundeli hat ein Kapazitätsproblem auf seinen Strassen

Die Güter-, Dornacher- und Gundeldingerstrasse sind wichtige Verkehrsachsen durch Basel. Dies obwohl das Gundeli eigentlich ein Wohnquartier ist. Der Grosse Rat will mit Tempo-30-Zonen die Situation entschärfen. Doch es regt sich bereits Widerstand.

Nicolas Drechsler
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Zündstoff für Konflikte: Das Zusammentreffen von ÖV, Autos und Langsamverkehr.

Zündstoff für Konflikte: Das Zusammentreffen von ÖV, Autos und Langsamverkehr.

Kenneth Nars

Verkehrspolitisch betrachtet ist das Gundeli ein Wohnquartier. Seine drei Längsstrassen dienen aber auch als Verkehrsachsen. Dazu kommt, dass ein Teil des Verkehrs ins und vom Industrieareal Dreispitz durch die Güter-, Dornacher- und Gundeldingerstrasse fliesst. Mal ganz abgesehen vom Stadion St. Jakob, das durch das Gundeli bei Grossveranstaltungen oft rascher erreichbar ist, als durch die Nauenstrasse.

Genau diese Durchgangsstrassen will der Grosse Rat nun entlasten, indem er für das Gundeli die flächendeckende Einführung von Tempo 30 beschlossen hat. In dieselbe Richtung zielt auch die Vision des Gundeli-Tunnels, der den Verkehr von der Autobahn nach Grossbasel-West, Allschwil und ins Leimental unter dem Quartier durchführen soll.

Gundeli-Tunnel: Idee ist 50 Jahre alt

Im grossen Nationalstrassenplan des Bundesrates aus den 1960er-Jahren taucht der Gundeli-Tunnel prominent auf: eine unterirdische Hochleistungsstrasse, als Verbindung zwischen der Autobahn und den südwestlichen Stadtteilen und Vororten Basels, das zudem das Gebiet rund um den Bahnhof besser erschliessen soll.

Vor einem Jahr brachte das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) die Idee zusammen mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) wieder auf das Tapet. Das Astra segnete ein Vorprojekt ab: Der Gundeldinger Tunnel soll demnach den Verkehr am Autobahnanschluss Basel-City der A2 abnehmen und unter dem Gundeli durchführen. So soll er von der St.Jakobs-Strasse zu Ausfahrten in der Binningerstrasse im Birsigtal sowie auf die Ebene des Dorenbachviadukts führen.

Dadurch soll der Durchgangsverkehr, der laut älteren Zahlen des BVD heute rund ein Drittel des Gesamtverkehrs im Quartier ausmacht, möglichst vom Gundeli ferngehalten werden. Ob allerdings ein Tunnel je realisiert wird, ist noch offen: Das Astra hat nur grünes Licht für das generelle Projekt gegeben.

Widerstand ist garantiert

Der Widerstand gegen den Tunnel ist bereits in Stellung gegangen, noch bevor klar ist, wo genau die Zu- und Ausfahrten zu liegen kommen sollen. Grüne und VCS sind gegen den Tunnel. Sie lehnen neue Strassen und vor allem Autobahnen generell ab.

Aber auch die Quartierverbände lassen sich - zumindest noch nicht - durch die zugesagten flankierenden Massnahmen überzeugen. Und die Gemeinde Binningen ist ebenfalls gegen den Tunnel, weil sie mehr Verkehr durchs Dorf befürchtet.

Langsamer voran

Die Einführung von Tempo 30 im Gundeli ist derzeit ein heiss umstrittenes Geschäft. Vor zehn Tagen verkündete Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels, welche Strecken mit einer Temporeduktion versehen werden sollen: Prompt regte sich Widerstand dagegen, und zwar sowohl vonseiten der Automobilverbände als auch vonseiten der Grünen: Ersteren geht die Verkehrsberuhigung zu weit, den Grünen nicht weit genug.

Fussgänger haben Angst

Das neue Verkehrsregime im Gundeli löst nicht nur bei den Automobilverbänden Kritik aus, sondern auch bei vielen Fussgängerinnen und Fussgängern. Nicht, weil sie gegen Tempo 30 wären, sondern, weil sie Angst haben im künftig noch dichter gedrängten Verkehr auf den verengten Strassen den Kürzeren zu ziehen.

Beschwerden wegen Veloverkehr

«Am Dienstagabend hat der Kanton die Quartierbewohner an einer Veranstaltung informiert. Am Mittwoch um halb neun am Morgen hatte ich schon die erste Beschwerde auf dem Tisch», sagte Beatrice Isler, die Präsidentin des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen am Tag nach der Information über das neue Verkehrskonzept der bz.

Obwohl drei Quartierbewohner in einer Begleitgruppe zum Projekt einbezogen waren, gelang es offenbar nicht, alle Wünsche zu erfüllen. Die Befürchtung: Velofahrer würden vermehrt auf das Trottoir ausweichen. Dies, weil die Bushaltestellen in die Strasse hinaus verlegt und die Bordsteine höher werden. So sollen die Busse für Rollstuhlfahrer einfacher zu besteigen sein.

Ausserdem werde der geplante Gegenverkehr für Velos in den heutigen Einbahnstrassen die Lage noch verschärfen. Der Tellplatz wird hier immer wieder als Hauptgefahr genannt. Dort werde mit dem zusätzlichen Busverkehr durch die neue Linienführung und den Velo-Gegenverkehr auf den Strassen eine gefährliche Situation entstehen.

Dieser Einschätzung schliesst sich auch der Präsident des Touringclubs beider Basel, Christophe Haller an. Der Kanton sagte zu diesen Klagen bisher nur, alle Beteiligten würden sich an die neue Situation gewöhnen.

Wessels betont, der Entscheid des Grossen Rates werde buchstabengetreu umgesetzt, allerdings in Etappen. Weitere Tempo-30-Zonen werden also folgen.

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