Wirtschaft
Das heikle Geschäft mit den grossen Daten: Warum ausgerechnet Basel zur Weltspitze gehören muss

Das Datengeschäft blüht. Basel soll in der obersten Liga mitspielen. Wirtschaftsvertreter regen Deregulierungen an, derweil der Kanton für sich eine Schlüsselrolle in Sachen Transparenz und Kontrolle in Anspruch nimmt.

Andreas Schwald
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Gewaltige Serverräume als Illustration für das neue Gold: Die unsichtbaren Daten sind ein Milliardengeschäft – und für Basel ein Standortfaktor. (Shutterstock)

Gewaltige Serverräume als Illustration für das neue Gold: Die unsichtbaren Daten sind ein Milliardengeschäft – und für Basel ein Standortfaktor. (Shutterstock)

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Das Debakel hatte einen Namen: Zolgensma, das teuerste Medikament der Welt und Stolz des Pharmariesen Novartis. Im August wurde bekannt, dass bei der Erforschung des Parademedikaments der Gentherapie Daten manipuliert wurden. Novartis hatte den Fall zwar intern bereits untersucht, wurde aber dennoch scharf kritisiert. Solche Fälle könnten das Vertrauen in die Pharma-Industrie in eine «tiefe Krise stürzen», sagte Ruth Baumann-Hölzle, Schweizer Ethikerin im Gesundheitswesen gegenüber der bz.

Kein Wunder, denn ohne Daten läuft in der Forschung nichts. So hat etwa das Universitätsspital diese Woche eine Stiftung gegründet, um ein Forschungszentrum für neuroimmunologische Krankheiten und spezifisch Multiple Sklerose zu erforschen – mittels Auswertung eines gewaltigen Datenfundus werden vielversprechende Ergebnisse erwartet.

«Daten sind das Erdöl des 21. Jahrhunderts», sagt Regula Ruetz, Direktorin des Basler Think Tanks metrobasel. Bereits am Wirtschaftsforum Fricktal sprach sie von einer «atemberaubenden Kadenz», mit der täglich neues Datenrohmaterial geschaffen wird. Nicht nur in der medizinischen Forschung, auch in der Werbeindustrie, der Automobilindustrie und natürlich bei den Internet-Giganten wie Google, Facebook und Amazon. Datenproduzent ist aber auch der Kanton, etwa beim Einsatz von Smart-City-Konzepten wie dem neuen Klima-Monitoring mit in Basel fein verteiltem Sensoren-Netz.

Ein Standortvorteil – aber eine Sache des Vertrauens

Am «Basel Economic Forum» von metrobasel, das heute Freitag stattfindet, will Ruetz entsprechend die Möglichkeiten der Daten-Industrie für Basel und die Schweiz hinterfragen. Dabei stellt sich auch die Frage: Wie viel Regulation darf es denn sein? Bereits am Donnerstag führten die Statistiker des Kantons ein ähnliches Forum in Basel durch.

Denn am Geschäft mit den Daten haben die Basler Standortförderer ein vitales Interesse. «Doch geht es auch um Vertrauen», sagt der Basler Kantonsentwickler Lukas Ott. «Mit der Schaffung eines offenen Datenraums geht zugleich die Verpflichtung einher, vertrauliche Daten der Bürgerinnen und Bürger niemals an Dritte weiterzugeben – weder verkauft noch verschenkt.» Dem Kanton komme deshalb bei der Gewährleistung von Transparenz und Kontrolle eine Schlüsselrolle zu: «Big Data und Algorithmen sollen zum Nutzen, nicht zum Schaden der Menschen eingesetzt werden.»

Der Datenskandal zu Zolgensma hat Novartis zumindest kurzfristig allerdings nicht geschadet. Anlässlich der Zahlen zum dritten Quartal 2019 gab der Pharmakonzern im Oktober bekannt, dass er mit dem im Mai in den USA zugelassenen Medikament innert Monaten bereits 160 Millionen US-Dollar umgesetzt hat.
Andreas Schwald