Wer im Historischen Museum (HMB) in der Barfüsserkirche rasch das WC benutzte, gilt in der Museumsstatistik bereits als Besucher. Ebenso ein- und ausgehende Bauarbeiter, Gäste des Museums-Cafés oder Menschen, die sich kurz im vorderen Bereich der Kirche aufgewärmt haben. Das bestätigte der neue HMB-Direktor Marc Fehlmann gegenüber der «Tageswoche».

Erstmals vom HMB erwähnt wurde diese beschönigende Zählweise bereits vor einem Jahr. Sie ist im Mitbericht der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission zum Budget 2017 aufgeführt. Schon damals wurde versprochen, die Zählweise anzupassen, wie Martin Lüchinger, langjähriges Kommissionsmitglied, bestätigt. Doch umgestellt wurde die Zählweise erst diesen Juli.

Im diesjährigen Bericht der Kommission, der am Donnerstag erschienen war, wird deutlich: Die Zahlen waren nicht nur beschönigt, sondern wurden massiv frisiert: Ohne die durch einen Bewegungsmelder mitgezählten Passanten fällt die Anzahl Eintritte auf 42'000 im Jahr – ein Drittel der bisher ausgewiesenen 136'000. Damit verliert das HMB nicht nur den Rang als zweitbestbesuchtes Museum des Kantons (hinter der Fondation Beyeler), sondern rutscht auf Position elf ab.

Und auch auf das Verhältnis zwischen Eintritten und Subventionen haben die neuen Zahlen einen massiven Einfluss: Das HMB bewegt sich nicht mehr im Durchschnitt der kantonseigenen Museen, bei denen jeder Eintritt mit 63 Franken (Naturhistorisches) bis 116 Franken (Museum der Kulturen) subventioniert wird, sondern setzt mit 236 Franken Subventionen pro Eintritt neue Massstäbe. Werden die 10'388 Kurz-Eintritte während der letzten Museumsnacht nicht mitgezählt, sind es sogar 313 Franken pro Eintritt.

Seit wann genau WC-Benutzer und Café-Gäste als Museumsbesucher gezählt werden, ist nicht mehr zu eruieren. Sicher ist, dass dies in der Zeit des langjährigen Direktors Burkhard von Roda so eingerichtet wurde, der bis 2012 tätig war. Dies geht aus dem internen Bericht des neuen Direktors Marc Fehlmann hervor.

Die jährlichen Eintrittszahlen des Statistischen Amts legen den Schluss nahe, dass der die Passanten zählende Bewegungsmelder bereits 2004 installiert worden sein dürfte: Damals sprangen die Besucher in der Barfüsserkirche sprunghaft an, von 47'450 auf 102'382.