Basel

Das Historische Museum schmeisst ein Fussballfest

Das «Fussballfest» im Historischen Museum belegte die Basler Liebe zum Sport. Die Besucher entsprachen optisch nicht dem typischen Museumsvolk.

Basel ist eine Fussballstadt. Trotz Sommerpause scheint das Spiel mit dem runden Leder aufgrund der Verpflichtung von Urs Fischer als FCB-Cheftrainer Thema Nummer 1 zu sein. Da passt es, dass das Historische Museum am Samstag im Rahmen seiner internationalen Ausstellung «Fussball – Glaube. Liebe. Hoffnung.» sein «Fussballfest» durchführte. Der via Crowdfunding finanzierte Anlass bot an diesem Tag neben Führungen durch die Ausstellung diverse andere Attraktionen an.

Wie viele Menschen aus diesem Grund in der Barfüsserkirche vorbeikamen, ist schwer abzuschätzen. Optisch entsprachen die Besucher jedenfalls nicht dem typischen Museumsvolk. Die Kinder in Fussballtrikots oder Erwachsenen mit Fanschals erweckten aufgrund ihrer Utensilien irgendwie den Eindruck, Teil der Ausstellung zu sein.

Schwarzer Sarg als alter Brauch

Fasziniert schauten sie auf Monitore, auf denen Fussballer nach geschossenen Toren ihre Blicke nach oben richten, um sich für den göttlichen Beistand zu bedanken. Oder in Glaskästen mit Bildern und Zeitungsausschnitten von FCB-Fussballidolen wie Seppe Hügi, Karli Odermatt oder Massimo Ceccaroni. Was es mit dem schwarzen Sarg auf sich hat, wurde dagegen nicht allen auf den ersten Blick klar. «Diesen Brauch haben die Fans des FC Twente Enschede eingeführt, um einem Fan den letzten Marsch zu ermöglichen», erklärt Thomas Hofmeier im Verlauf einer Führung. Der Angestellte des Historischen Museums hat praktisch zu jedem Foto und jedem Ausstellungsstück interessante Details auf Lager.

Bei so viel Kompetenz überrascht es, dass Hofmeier gesteht, mit Fussball gar nichts am Hut zu haben. «Wie bei allen anderen Sonderausstellungen habe ich mich sorgfältig ins Thema eingearbeitet.» Trotzdem sei es vorgekommen, dass er im Laufe einer Führung schon mal korrigiert wurde. «Die Leute hier wissen wirklich viel über Fussball.»

Ihr Wissen über die schönste Nebensache der Welt konnten die Besucher beim Quiz unter Beweis stellen, das wie die elektronische Torwand, der Malwettbewerb für Kinder oder der Fussball-Poetry-Slam mit den besten Wortakrobaten des Landes im Rahmen des «Fussballfests» die Ausstellung ergänzte. Wolfgang Bortlik pflasterte den Weg zwischen zwei Fragen stets mit Fussballer-Sprüchen und Anekdoten aus seiner Zeit als Juniorentrainer beim BSC Old Boys und sorgte für Kurzweil. Doch keine Frage des bekannten Schriftstellers war so knifflig, als dass sie alle knapp 30 Teilnehmenden an die Grenzen ihrer Kompetenz brachte. Ein paar Hände gingen stets nach oben. Ob es an der Motivation lag, eine der Fussballlieder-Sammlungen in Form eines Kirchengesangsbuches zu gewinnen?

Ausstellung noch bis 16. August

Als zwei der grössten Experten erwiesen sich Angelo und Basil. Kein Wunder, die beiden jungen Männer sind in der Muttenzerkurve zu Hause. «Wir sind ein wenig vorbelastet», schmunzelt Basil. Obwohl die beiden praktisch nichts Neues gelernt haben, attestieren sie der Ausstellung, «gut gemacht» zu sein.

«Jeder, der sich für Fussball interessiert, dürfte hier vorbeischauen», glaubt Angelo. Da die Ausstellung noch bis zum 16. August dauert, darf sich das Historische Museum wohl noch auf viele weitere Besucher freuen. Basel ist eben eine Fussballstadt.

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