Dachstockbrand

Das Inferno in der Basler Rheingasse beim «Grenzwert»

Eine Polizeipatrouille wurde auf den Brand aufmerksam – und konnte verhindern, dass es Schwerverletzte oder Tote gab.

Zwölf Stunden nach Ausbruch des Feuers in der Nacht auf Freitag hängt immer noch Rauchgeruch in der Luft. Die Feuerwehrleute pumpen Wasser durch die Schläuche, um einen weiteren Brandausbruch zu verhindern. Vor den Abschrankungen zum Schwarzen-Bären-Haus an der Rheingasse 17 stehen Jugendliche, die dem beliebten Ausgangsort «Grenzwert» nachtrauern.

Möglicherweise war es nur dem Zufall geschuldet, dass sich keine Katastrophe ereignete und «nur» zwei Personen mit Rauchvergiftungen ins Spital mussten. Eine Polizeipatrouille bemerkte den Brand und konnte die Feuerwehr alarmieren. Die Bewohner der angrenzenden Häuser in der Rheingasse und des Schafgässleins, die aufgewacht waren, klingelten bei all jenen an der Tür, die durch die Sirenen nicht geweckt worden waren.

Unsanft aus dem Schlaf geholt wurde auch der Anwohner Otto Böhne. «Ich habe mir meinen Hund und die Kamera gekrallt und bin rausgerannt», sagt der Fotograf. «Es sah aus wie in einem Kriegsgebiet», beschreibt er die nächtlichen Szenen. Die Feuerwehrleute hätten sich abgewechselt und sich nach ihren Einsätzen völlig durchnässt «aus den Kleidern gepellt», wie Böhne sagt. Neben ihm sei ein Russe gestanden, der in Tränen ausgebrochen sei. «Er hat mir gesagt, dass sein Grossvater beim Unglück in Tschernobyl im Einsatz gestanden sei und das Leben gelassen habe.»

«Grenzwert»-Betreiberin sucht einen neuen Ort

Gefasster, wenngleich traurig, wirkt Cécile Grieder, die Betreiberin des «Grenzwerts». Das Feuer sei ausgebrochen, als die letzten Gäste das Lokal verlassen hatten. Weil das ganze Gebäude aus statischen Gründen gesperrt wurde, konnten weder sie noch ihre Mitarbeiter gestern Freitag die Bar betreten, um ihre Jacken und sonstigen persönlichen Gegenstände zu holen. «Ich nehme nicht an, dass ich bald wieder rein kann», sagt Grieder. «Sie dürfen gerne schreiben, dass ich ab jetzt auf der Suche nach einem Platz für ein Pop-up-Restaurant bin.»

Zwei Verletzte bei Dachstockbrand an der Rheingasse in Kleinbasel

Zwei Verletzte bei Dachstockbrand an der Rheingasse in Kleinbasel

Der «Schwarze Bären» brannte lichterloh. Die Löscharbeiten dauerten bis in den Vormittag hinein.

Ursache für den Brand ist unbekannt

Das Ausmass des Brandes lässt tatsächlich den Schluss zu, dass die Liegenschaft ganz abgerissen werden muss. Es handelt sich um ein Haus, das sich schon vor dem Brand in einem erbärmlichen Zustand befunden hatte. Die «Tageswoche» hatte im vergangenen Jahr über die Zustände in den Sozialwohnungen oberhalb des «Grenzwerts» berichtet. Decken und Wände seien verschimmelt, hinter manchen WC-Türen befänden sich wahre Müllberge. In den letzten drei Jahren seien an der Rheingasse 17 drei Menschen gestorben – keiner sei älter als 60 Jahre geworden.

Michel Steiner vom Gassenverein Schwarzer Peter sagt, die Liegenschaft sei bekannt gewesen als «reines Gassenhaus». «Es ist etwas vom Unterschwelligsten, was es in Basel gibt», sagt er. Der Hausbesitzer war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Immerhin: Für die nächste Zeit hat das Basler Gesundheitsdepartement eine Lösung für die Bewohner der abgebrannten Liegenschaft. René Gsell, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, sagt, der Kanton sei besorgt, ihnen Unterkünfte in Hotels oder bei Privatpersonen zur Verfügung zu stellen. Über die Brandursache herrschte bis Redaktionsschluss Unklarheit – mit Ergebnissen ist frühestens kommende Woche zu rechnen.

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