Der Trompeter Tassos Tataroglou war früher kein besonders experimentierfreudiger Mensch. Und ein Tüftler schon gar nicht. Das hat sich geändert. Jetzt hat er hat eine völlig neuartige Trompete entwickelt. Auf diese Idee ist er während seines zweijährigen Zusatzstudiums «Freie Improvisation» an der Musik-Akademie Basel gekommen.

«Mich begannen während des Studiums die historischen Trompeten und vor allem ihre Klangfarben zu interessieren», sagt Tataroglou, der in Athen vor mehreren Jahren das Diplom für klassische Trompete absolviert hatte. «Es reizte mich, ein modernes Instrument zu spielen, erweitert um neue Möglichkeiten und Stimmungen.»

Historisches und Neues vereint

Entstanden ist eine Doppeltrompete, die alt und neu vereint. Ein Umlenkventil sorgt dafür, dass entweder das eine oder das andere Schallstück zum Einsatz kommt. «Als Basis diente meine Bach-B-Trompete», erklärt der aus Thessaloniki stammende Grieche.

Das Instrument klingt genau so, wie es aussieht: Ungewöhnlich. Manchmal gleiten die Töne ins Sphärische, fast ins Übernatürliche ab. Das liegt an den Klappen, mit denen das zweite Schallstück versehen ist. Sie sind so platziert, dass Tataroglou Drittelstöne oder Dreivierteltöne spielen kann. In unseren Ohren klingt das zugegebenermassen etwas fremd. Vor einer Woche hat der Grieche die Masterarbeit zu seiner «Microtone-Duplex-Trompete» abgeliefert.

Gebaut von Egger Instruments

«Ich knüpfe hier an ein historisches Instrument von Ende des 18. Jahrhunderts an.» Die ersten Trompeten, die chromatisch, des heisst mit allen Halbtonintervallen, spielbar waren, hatten Klappen. Das berühmte Trompetenkonzert von Joseph Haydn wurde auf einem solchen Instrument gespielt. «Klappeninstrumente haben eine andere, etwas dumpfere Klangfarbe. Das ist für mich, wenn ich improvisiere, sehr wichtig.» Nach seinem Dafürhalten klingen Klappentrompeten klarinettenähnlich. Sie erfordern ordentlich Puste, sagt er. Da Tataroglou selber nicht Instrumentenbauer ist, hat er sich an die ebenso experimentierfreudigen Blech-Spezialisten von Rainer Egger auf dem Dreispitz-Areal gewendet. Ob das Instrument die erwarteten Resultate liefert, war nämlich zu Beginn ganz und gar nicht sicher. Es brauchte auch verschiedene Anläufe. Beispielsweise mussten die Bohrungen der Klappenlöcher um einen Millimeter vergrössert werden.

An die Grenze stiessen die Instrumentenbauer auch, als sie feststellen mussten, dass die Umbauten an der ursprünglichen Trompete dem Klang nicht förderlich waren. «Eigentlich wäre ich jetzt bereit, eine zweite Trompete zu bauen, aber das wäre eine vollständige Neuentwicklung und zu teuer.» Das aktuelle Projekt, welches 5000 Franken kostete, konnte er zu einem guten Teil über die Croudfunding-Plattform Wemakeit finanzieren.

Den Doppeltrompeten und andern «Spezialitäten» war nie ein grosser Erfolg beschert. Bekannt ist allenfalls das Echo-Kornett vom Ende des 19. Jahrhunderts: Das zweite Schallstück ist mit Dämpfer versehen. Dank dem Umlenkventil kann während des Spiels nahtlos zwischen gedämpftem und ungedämpftem Ton gewechselt werden, was hübsche Echo-Effekte ergibt. Ein anderes Hybrid-Instrument war der «Firebird» des Jazzers Maynard Ferguson, eine Mischung aus Trompete und Zugposaune. Der Jazzmusiker Don Ellis machte in den 1970er-Jahren die Viertelton-Trompete bekannt. Sie ist aber eine relativ simple Konstruktion: Sie hat einfach ein viertes Ventil, welches das Instrument einen Viertelton tiefer stimmt.

Nicht ganz einfach zu spielen

Tataroglous Instrument ist komplex und anspruchsvoll zu spielen. Neben den drei herkömmlichen Ventilen gilt es, das Umstellventil, drei Klappen sowie einen mit dem Finger bedienbaren Stimmzug zu bedienen. Damit kann er schleifende Töne (Glissandi) erzeugen. Diese Mini-Posaune ist eigentlich fast ein drittes Instrument innerhalb der beiden anderen.

Jetzt ist Tataroglou kräftig am üben. Das macht er am liebsten in den Langen Erlen. Dann schaut er den Fischen in der Wiese zu. «Diese haben mich atmen gelernt», sagt er. Er meint es nicht ironisch: «Sie schwimmen gegen den Strom, bewegen sich in einem Rhythmus.» Das beruhige und stärke die Konzentration.

Live Tassos Tataroglou ist anlässlich seiner Masterkonzerte mit seinem Duplex-Instrument am 30. und 31. Mai im Jazzcampus in Basel zu hören, am 30. Mai im Rahmen einer audiovisuellen Performance mit seinem Bruder Anastasios.