Münsterjubiläum

«Das ist Basel»: Das Münster erforscht seine 1000-jährige Vergangenheit

Am Freitag war die Premiere des «Theaters im Münster», das die Geschichte des tausendjährigen Bauwerks zelebriert.

"Das ist Basel. Ihr seid das Licht der Welt." Starke Worte schallten gegen die Wände des Heinrichmünsters, als Bischof Adalbero II das Münster in Anwesenheit des deutschen Kaisers einweihte. Seither erklangen unzählige Predigten, liturgische Lieder und Gebete in den Gewölben des Gotteshauses.

Aber auch andere Worte prägten die Geschichte des Bauwerks, die 1019 auf dem Münsterhügel begann: Als im November 1912 die Genossen des Sozialistenkongresses "Die Internationale" sangen. Oder als 1439 das Konzil einen Gegenpapst zu Eugen den Vierten wählte. Knapp hundert Jahre später stürmten die Reformatoren das Münster und erklärten die Verehrung der Heiligen und der Mutter Jesu als Götzenverehrung. Und immer wieder das Leitmotiv: "Das ist Basel. Ihr seid das Licht der Welt."

Diese Worte, Ereignisse und Schicksale bringt das Jubiläumsstück «Theater im Münster» wieder zum Leben. Dabei dient das ganze Gebäude als Bühnenbild, von der Orgel über die Travée bis hin zu den Altären.

Das von Matthias Zehnder und Sandra Rudin-Förnbacher geschriebene Stück erforscht die Vergangenheit der Basler Kirche und stellt auch philosophische Fragen zum Glauben. Zum Beispiel, als der Schauspieler Helmut Förnbacher, der die Rollen der jeweiligen Kirchenvertreter verkörpert, das Schiff des Münsters durchquert und sich fragt: "Wieso gehen die Leute in die Kirche?" Oder als ein Kind seine Mutter fragt: "Ist das Münster heilig?"

Humor und Historisches

Die vier historischen Epochen sind in einer Theaterprobe verpackt: Die Regisseurin, gespielt von Dominique Lüdi, bereitet ihre Schauspieler auf die kommende Aufführung des Theaterstücks zum Münsterjubiläum vor. Dabei wird sie immer wieder unterbrochen: von einem Kirchenangestellten, den das Erklingen "Der Internationalen" in der Kirche stört, vom Organisten, der gerne wieder die Räumlichkeiten für sich alleine hätte oder von einem österreichischen Touristen, der das Grab der Anna von Habsburg besichtigen will. Das ermöglicht dem Stück, neben dem Pathos der einzelnen historischen Ereignisse auch reichlich Humor reinzubringen. Auf die Frage, weshalb das Erdbeben von 1356 nicht auch im Stück vorkommt, antwortet die Regisseurin, dass die Szene aus Budgetgründen nicht aufgeführt werden könne – die Verwüstung des Münsters hätte den Rahmen wohl gesprengt.

Somit fliessen auch viele geschichtliche Anekdoten in das Stück ein. Musikalisch wird das Stück von vielfältiger Chormusik umrahmt, begleitet von einem Instrumentenensemble mit Originalinstrumenten aus der damaligen Zeit. Dabei sorgt besonders die ausgezeichnete Knabenkantorei Basel für Gänsehaut, als die jungen, gut geführten Stimmen den Raum des Münsters füllen. An der Premiere wurden sie unterstützt durch den Basler Gesangverein.

Bei der Musik wie auch bei den Schauspielern erwies sich die Akustik als eine Herausforderung: Das Echo zwang die Schauspieler langsam und deutlich zu sprechen, was einige besser meisterten als andere. Die routinierten Helmut Förnbacher und Urs Schaub schafften es insbesondere, die klare, aber starke Sprache des Stücks deutlich in den Raum zu werfen und die schönen Worte wirken zu lassen. "Das ist Basel. Ihr seid das Licht der Welt."

Die Kirche ist revolutionär

Das Theater stellt den Höhepunkt der Jubiläumsfeier zum Tausendjährigen des Basler Münsters dar. Für die evangelisch-reformierte Kirche ist es Anlass, sich politisch zu positionieren: Im Stück wird gefordert, dass die Kirche ein bisschen revolutionär sein müsse. Sie soll sozialistisch und feministisch sein. Die Frauenfrage wird thematisiert, als sich die Schauspielerinnen bei den Proben darüber aufregen, dass die Reformation den Status der Frauen nur wenig verändert habe.

Das Singen der "Der Internationalen" wird verteidigt. Schliesslich war der Pfarrer Leonhard Ragaz zur Zeit des Kongresses 1912 der Begründer des religiösen Sozialismus in der Schweiz. Was die heutige Pfarrerin, die am Schluss erscheint, auch veranlasst, zu unterzeichnen, dass Solidarität im Zentrum des Glaubens stehen soll. «Die Internationale erkämpft das Menschenrecht.»

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