Ein Gutsch Teig fällt auf die heisse Platte. Yvette Walder verteilt ihn gleichmässig. Das tut sie bereits seit zehn Jahren. 2008 eröffnete sie gemeinsam mit ihrer Tochter ein Lokal im Schmiedenhof. Eigentlich nur ein einmaliges Projekt, das die hungrigen Bäuche der EM-Besucher füllen sollte. Es kam an. Deshalb blieb die Crêperie dort, wo sie war und Cosima und Yvette Walder blieben auch. Bis man die GGG umbaute, der Laden dadurch noch kleiner wurde und Yvette das Geschäft in Barfi-Nähe entdeckte. Also zog sie samt Inventar in die Innenstadt und richtete sich dort ihre süsse Welt ein. In Rot- Rosa- und Gelbtönen, mit blumigen Geschirr und einer Gästewand, auf der herzliche Grussbotschaften zu finden sind, verziert mit Herzchen und Sternchen.

Im Laden scheint die Welt in Ordnung und der Kaffee cremiger und süsser als irgendwo sonst. Die Crêpe auf der Platte wird langsam warm. Nichts aufregendes, nur ein Teig, der Form annimmt. «Ich denke nicht an die Zukunft. Ich lebe eher im Moment», sagt Yvette. In ihrem Leben sei immer alles so gekommen, wie es sollte. «Ich sage immer, etwas Gutes geht und etwas Besseres kommt.» Bevor sie die erste Crêperie Basels eröffnete, hatte sie in den 80ern sieben Geschäfte für Geschenkartikel in ganz Basel. Schnell wendet sie die Crêpe, die langsam dunkler wird. Als 1990 und 1991 ihr Sohn und ihre Tochter zur Welt kamen, gab sie die Geschäfte, die sich meist in grossen Einkaufszentren befanden, auf. Sie wollte sich auf etwas konzentrieren und die Sache zu Ende bringen. Mit ihren Kindern hat Walde eine sehr enge Beziehung. Die Crêperie am Kohlenberg gehört der Tochter. Sie stehen täglich zusammen hinter dem Tresen.

Die Crêperie geben sie nun auf. «Wir hatten eine schöne Zeit hier. Jetzt soll jemand anderes die Chance haben.» Um ihre kleine Welt aus Zucker und Crêpeteig trotzdem zu bewahren, haben sich die beiden Frauen etwas Besonderes überlegt. Anfang der Woche berichtete die bz über den ausgefallenen Wettbewerb. Für 9.50 Franken kann jeder Mutige ein Ticket kaufen. Darauf errät er das Gewicht einer Crêpe und kann die gesamte Crêperie gewinnen. Rechtlich haben die Waldes während des letzten Jahres alles abgeklärt. Mit den Ticketkosten möchten sie zudem den Mietzins bis 2023 bezahlen. Für die Erhaltung ihrer Crêpe-Galaxie nehmen sie das alles auf sich. Die Finanzen sollen niemandem im Weg stehen.

Walde faltet die Crêpe und beschmiert sie mit Nutella. Aus einer Schüssel nimmt sie frisch geschnittene Früchte und drapiert sie sorgfältig. Die Crêpe legt sie auf einen ausgefallenen Teller, der keinem der anderen Stücke ähnlich sieht. Das ausgefallene, niedliche Innere des Ladens passt zu Walde. Mit ihrem besonderen Stil fällt die Frau auf. Auch ihre helle, fröhliche Stimme ist im Ladenlokal immer zu hören. Sie plaudert und lacht mit den Kunden. «Wir haben auch Stammkunden. Gewisse kommen mehrmals die Woche.» Trotzdem betonen die beiden Frauen: Sie sind nicht traurig, den Laden aufzugeben. «Es ist ein langsamer Abschied», sagt die Tochter.  Die fertige Crêpe dampft. «Entschuldigen Sie mich kurz.» Yvette richtet ihre Schürze und die Bluse, schnappt sich den Kaffee und die Crêpe und geht raus. «En Guete» tönt es und laut von aussen. Dann kommt sie zurück in ihre Zuckerwelt und macht sich an die nächste Crêpe.