Die Fasnacht ist der Inbegriff des Traditionellen in dieser Stadt. Da mag es auf den ersten Blick nicht erstaunen, vertraut das Comité als institutioneller Sitten- und Gebräuchewächter auf Bewährtes: Der «Kinschtler» der letzten «Blaggedde» ist auch der diesjährige. Guido Happle hat sich gegen 46 andere Künstler und knappe zwei Hampfle Künstlerinnen (das entspricht dem Gender-Durchschnitt der letzten Jahre) durchgesetzt. Aber eigentlich ist doch ziemlich vieles neu an diesen Schmuckstücken. Zum Beispiel zieren unterschiedliche Motive die verschiedenen Preisklassen. Gold gehört den Kindern, Silber den Guggen. Dass Pauken und Trompeten in den Fokus rücken, ist schon ein Novum an sich – bisher fristeten die Guggenmusiker ein Dasein im Hintergrund.

Den Aufwand geehrt

Die Kupfer-Blaggedde wiederum spielt am stärksten mit dem Motto. Dieses lautet «Mer spränge dr Raame». Gemeint ist zum einen das «Entfliehen aus dem Alltag», wie Happle sagt. Eine zweite Bedeutung erhält das Motto durch das «Übermass an Kreativität, Ideenreichtum und Arbeitsaufwand», das diese Freizeitbeschäftigung verlange. Eine Mühe, die für manchen Fasnächtler eigentlich den Rahmen sprenge. Das Wortbild ist bewusst gewählt, denn eine dritte Ebene kommt hinzu: Die Verneigung vor der Kunst, auch vor dem neuen Kunstmuseum. L’art pour l’art, Kunst um der Kunst willen. Und die Kupfer-Version ehrt mit den drei Harlekinen eines der berühmtesten Bilder: den «Sitzenden Harlekin» von Pablo Picasso. Die beliebtesten Vorschläge der Konkurrenz lassen indes schon erste Schlüsse zu, was Passive während der «Drey scheenschte Dääg» so in den Gassen als Cliquensujet antreffen könnten: Der Handy-Selfie-Wahn und die grün eingezeichnete Toleranzzone im Kleinbasel gehörten zu den Spitzenreitern unter den Entwürfen. Die Idee zu seinem Wurf kam Happle schon an der letzten Fasnacht, was den Zirkelbezug zu seinem Motto gewissermassen erklärt. «Keine Routine» habe er, obwohl der 43-Jährige schon im vergangenen Jahr die Nase vor den anderen Mitbewerbern hatte.

Pfeifer, Tambouren, ein Wagen mit ein wenig Chaisen-Charme und als Bijou ein Schnitzelbangg – Happle hat sich für seine Zeichnungen bei der Breite der Fasnachtspalette bedient. Als Tambour und Lampemooler – zurzeit arbeitet er an seiner zwanzigsten Stammlaterne – kennt der Grafiker sein Metier durch und durch. «Mehr Fasnacht kann man nicht auf die Plaketten packen», sagte denn auch Adrian Kunz, der aus dem Comité für das Projekt verantwortlich zeichnet. In einem Vers brünzelte sein Kollege Alexander Sarasin:

Nimmsch du aini, heersch

scho s Gschrei

Loos, Dir fääle jetz no drei

S Fasnachts-Comité sait salli

Kaufet bitti das Joor alli

Noch müssen sich die Kaufwilligen allerdings ein bisschen gedulden. Am 7. Januar startet der Vorverkauf. Für die billigeren Schmuckstücke muss man tiefer als bisher ins Portemonnaie greifen: Kupfer- (neu neun Franken) und Silber-Ausgabe (neu 18 Franken) steigen leicht im Preis, was aber bereits bekannt war (die bz berichtete) – die höheren Kosten rund um die Organisation der Fasnacht seien schuld, wie es heisst.

«Eintrittsbillett zur Fasnacht»

Zumindest für die Comité-Mitglieder ist dennoch klar: Das Tragen der Plakette ist weniger Ehrensache denn vielmehr Pflicht. «Die Plakette ist das Eintrittsbillett für die Strassenfasnacht», sagte Kunz gestern an der Präsentation vor den Medien. Das Geld kommt den Aktiven zugute. 30 Prozent des Erlöses fliessen direkt in die Cliquenkassen. Der Rest kommt in einen Subventionentopf, den das Comité jeweils nach der Fasnacht ausschöpft. Zumindest in dieser Hinsicht bleibt alles beim Alten.