Bundesbeiträge

«Das ist ein Schlag in die Magengrube»: Basler Museen sind in ihrer Existenz bedroht

Das Schweizerische Sportmuseum kämpft schon länger ums Überleben. Nun könnte es vor dem definitiven Aus stehen.

Das Schweizerische Sportmuseum kämpft schon länger ums Überleben. Nun könnte es vor dem definitiven Aus stehen.

Der Bund zieht sich aus mehreren Museen in Basel zurück. Die sind nun teilweise in ihrer Existenz bedroht.

«Das ist ein Schlag in die Magengrube», sagt Lumir Kunovits. Für das Sportmuseum sei die Situation existenzbedrohend, stellt der interimistische Co-Leiter klar. Denn vom Bund werden künftig keine Gelder mehr fliessen.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) hat die Regeln verschärft und das Förderkonzept für Museen und Sammlungen geändert. Neu werden Betriebsbeiträge in einer offenen Ausschreibung vergeben – und Kantone und Gemeinden verstärkt in die Pflicht genommen. Nun hat das BAK bekannt gegeben, welche Häuser noch Geld erhalten. Von 35 Einrichtungen, die Subventionen beantragt haben, wurden 13 berücksichtigt. Grosser Leidtragender ist Basel-Stadt.

Des einen Leid...

Betroffen sind vorab das Schweizerische Architekturmuseum sowie das Sportmuseum. Sie werden beide vom Bund künftig nicht mehr berücksichtigt. «Die beiden Häuser erfüllen die neuen Kriterien nicht», erklärt BAK-Sprecher Daniel Menna. Die Museen könnten aber noch eine beschwerdefähige Begründung verlangen. «Solange gehen wir in Einzelfällen nicht auf Details ein.»

Bisher erhielt das Architekturmuseum von Basel-Stadt 80 000 Franken im Jahr und vom Bund 300 000 Franken. Der Einschnitt ist entsprechend drastisch – allerdings nicht per sofort: Für eine Übergangszeit bis Ende 2018 erhalten die zwei Häuser noch 70 Prozent der bisherigen Beiträge, um ihre Zukunft planen zu können. Dennoch spricht Andreas Ruby von einem sehr enttäuschenden Entscheid. Er sei umso schwerer nachvollziehbar, als dass sich das Architekturmuseum national und international etabliert habe, meint dessen Direktor.

Auch das Sportmuseum muss künftig mit 150 000 Franken weniger auskommen. «Wir sind von diesem Entscheid überrascht worden», sagt Kunovits. Offensichtlich habe man beim Bund kein Verständnis dafür, dass der Sport ein zentraler Teil der Schweizer Kultur sei. «Ich will noch kein Untergangsszenario heraufbeschwören, aber es stellt sich natürlich die Existenzfrage.» Das Museum sei schon heute unterfinanziert. Und mit dieser neuen Ausgangslage werde es nicht einfacher, weiterhin kantonale Gelder zu erhalten.

Basel-Stadt zahlt noch bis Ende Jahr, Baselland wollte den Entscheid des Bundes abwarten. Einzig Swiss Olympic subventioniert das Museum noch bis Ende 2020. «Aber das reicht noch nicht mal für die Miete», sagt Kunovits. «Wir sind nun selber am Rätseln, wie es weitergehen soll.»

Enttäuschend fällt der Entscheid des Bundesamts auch für das Haus der elektronischen Künste (HEK) aus. Es verbleibt zwar auf der Liste der subventionierten Museen, muss aber ebenfalls mit deutlich weniger Bundesgeldern auskommen. Neben den Beiträgen von Basel-Stadt und Baselland mit 220 000 beziehungsweise 100 000 Franken erhielt das HEK bisher vom Bund 420 000 Franken pro Jahr. Schon ab 2018 wird dieser Betrag deutlich gekürzt. Ab 2020 bis 2022 bleibt mit 250 000 Franken noch gut die Hälfte. «Wir sind schon enttäuscht, dass
so drastisch um 40 Prozent gekürzt wird» sagt Jörn Strücker. Der kaufmännische Leiter des HEK hätte sich «ein klareres Statement für die digitale Kunst erhofft». Die Auswirkungen der Streichung würden nun intern diskutiert.

... ist des anderen Freud’

Mit dem neuen Förderkonzept des Bundes müssen neu selbst angestammte Museen ihre Daseinsberechtigung nachweisen. Dies betrifft nicht nur inhaltliche Punkte wie eine national bedeutsame Ausstrahlung und Qualität oder eine innovative und vielfältige Vermittlungsarbeit. Auch strenge finanzielle Kriterien sind zu erfüllen. Der Bund zahlt nur noch, wenn sich Stadt oder Kanton in gleicher Höhe beteiligen – mit mindestens 250 000 Franken. Mit einem kantonalen Beitrag von 80 000 Franken entspricht das Architekturmuseum diesen Vorgaben also bei weitem nicht.

Die Basler Behörden dürften von dem Entscheid denn auch nicht überrascht sein: «Wir müssen damit rechnen, dass künftig nicht mehr so viele Bundesgelder nach Basel fliessen», hatte Kulturchef Philippe Bischof schon zum Start der Ausschreibung festgehalten. Ob nun der Kanton in die Bresche springt, ist aber noch völlig offen.

Mehr Grund zur Freude hatte die Römerstadt Augusta Raurica. Bisher hatte sie vom Bund gar keine Betriebsbeiträge erhalten. Dani Suter spricht denn auch von einer tollen Überraschung: «Wir haben den Entscheid mit Spannung erwartet, aber eigentlich nicht mit einem Zuschlag gerechnet», sagt der Museumsleiter.

«Wir hatten uns einfach mal auf gut Glück beworben.» Nach einer ersten Tranche von 250 000 Franken im kommenden Jahr darf die Römerstadt ab 2020 mit 400 000 Franken rechnen. «Das hilft uns natürlich sehr, Projekte zu realisieren, die unmittelbar dem Publikum zugutekommen sollen», sagt Suter. Erst aber gelte es, mit dem Bund eine entsprechende Leistungsvereinbarung abzuschliessen. Vorher lasse sich noch nichts Konkretes sagen.

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