Der Basler Schauspieler und Gastronom Heinz Margot ist einer von tausenden Verkehrssündern, deren Bussenzettel bis am Montag frei zugänglich auf der Polizei-Internetseite aufgeführt waren. Damit konfrontiert, spricht Margot Klartext: «Dass die Leute wissen, dass ich eine Parkbusse hatte, das ist mir so lang wie breit. Dazu wird man heutzutage in dieser Stadt ja fast gezwungen. Aber dass die Polizei veröffentlicht, wann und wo ich gebüsst wurde, das ist jenseits von Gut und Böse. Denn das geht wirklich niemanden etwas an.»

Ähnlich wie der prominente Direkt-Betroffene reagieren auch Leser. Auf Online-Portalen, die die bz-Recherche aufgenommen haben, lassen sie ihrer Wut freien Lauf. «Da ist man wirklich sprachlos und es bleibt einem die Spucke weg und das noch von einem staatlichen Organ. Einfach eine Sauerei», schreibt besonders pointiert ein «20 Minuten»-Leser.

Privatbusse mit Feuerwehrauto

Zu den veröffentlichten Verkehrssündern gehört auch ein Angehöriger der Stützpunktfeuerwehr Muttenz. Feuerwehrkommandant und SVP-Landrat Dominik Straumann hat Kenntnis vom Fall, der von einer Privatperson mit dem Piket-Fahrzeug begangen und, wie immer in solchen Fällen, auch privat beglichen wurde. Dennoch findet er, dass solche Daten auf dem Internet nichts verloren haben. «Es geht darum, dass durch die Veröffentlichung von Zeit und Ort ein Bewegungsbild entsteht, das durchaus brisant sein kann.»

Ein Beispiel dafür könnte ein Fahrzeughalter sein, der eine Affäre hat und am Wohnort seiner Geliebten gebüsst wird. Stehen Ort und Zeit im Internet, können sich für ihn Probleme ergeben, die gar nichts mit dem eigentlichen Vergehen – zum Beispiel falsches Parkieren – zu tun haben. Straumann sagt: «Alles, was Ort und Zeit einer Person eruierbar macht, gehört nicht in die Öffentlichkeit.»

Ein Pöstler am Telefonieren

Auf der Namensliste der Gebüssten sind nicht nur Privatpersonen, sondern auch zahlreiche Firmen aufgeführt. Ein IWB-Angestellter wurde vor dem Hauptsitz an der Margarethenstrasse ohne Sicherheitsgurte erwischt: 60 Franken. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter des Bürgerspitals hat auf einer Halteverbotslinie parkiert: 120 Franken. Und sogar zwei Pöstler wurden gebüsst – einer am 4. Januar im Gundeli: 40 Franken wegen «Nichtingangsetzens der Parkuhr». Und ein anderer wurde Mitte Februar beim Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung am Dorenbach-Kreisel erwischt: 100 Franken.

Gegenüber dem Regionaljournal von Radio SRF, das gestern die bz-Recherche aufnahm, sagte Bernhard Frey Jäggi, Leiter Abteilung Verkehr bei der Kantonspolizei, dass nun die ganze Kantonswebsite nochmals auf Datenlecks überprüft werde. Für den Online-Bussenschalter sei das Ziel, nach Einführung einer zusätzlichen Sicherheitsstufe die Halterdaten wieder zu publizieren.

Gestern, am Tag zwei nach Bekanntwerden des Sicherheitslecks, waren sämtliche Bussen inklusive Nummernschildern online. Einzig die Halterauskunft, also Name und Wohnadresse des Fahrzeugeigentümers, wurden nicht mehr angezeigt. Dies wurde gemäss Polizeiangaben vom Datenschützer als provisorische Massnahme gutgeheissen. Ein Abwehrmechanismus gegen maschinelle Abfragen war bis gestern Abend nicht implementiert.