Liebesschlösser

Das Käppelijoch bleibt beliebte Pilgerstätte für Verliebte - vorerst

Hunderte Ja-Wörter in Form von Schlössern zieren das Käppelijoch.

Hunderte Ja-Wörter in Form von Schlössern zieren das Käppelijoch.

Das Tor vor der Brückenkapelle ist wegen der vielen Schlösser kaum mehr sichtbar. Das stört einige Bürger

Sie sehen aus, als würden sie sich nicht erst seit gestern kennen. Und als wäre es sonst nicht ihr Ding, sich in der Öffentlichkeit zu küssen. Doch hier überkommt es sie – der Kuss ist innig, die Umarmung auch. Was sie sich zuflüstern, ist auf die Distanz nicht zu hören. Es wird etwas in der Art sein: «Schade, dass wir kein Schlössli dabei haben.»

Das Paar ist nicht das einzige, das in der Hälfte der Mittleren Brücke stehen bleibt und sich die Kapelle, das «Käppelijoch», genau anschaut. Auch Einzelpersonen tun es, Gruppen, Touristen. Denn der Anblick, der ist ungewohnt. Wo ein schlichtes Eisentor zu erwarten wäre, hängen Hunderte Schlösser. Viele sind rot angemalt.

Schlösser hängen immer dichter

Liebes-Schlösser am Gitter des Käppelijochs (Mittlere Brücke).

Liebes-Schlösser am Gitter des Käppelijochs (Mittlere Brücke).

Auf allen stehen Namen oder Buchstaben und Zusätze wie «forever» und «I love you». «J&S» haben 2007 das erste Liebesschloss ans Tor gehängt; und es scheint, als wären sie jahrelang allein gewesen und hätten erst im Jahr 2010 mit «E&F» Gesellschaft erhalten.

Dann ging es plötzlich ganz schnell, vor allem 2013 und dieses Jahr kamen etliche neue Schlösser dazu. Und es sieht danach aus, als hörte es nicht auf. Am begehrtesten ist die Mitte des Tores. Doch der Platz am denkmalgeschützten Gebäude ist langsam rar.

Die Verwaltung nimmt es locker

Als die Medien zuletzt über die Liebesschlösser auf der Mittleren Brücke berichteten, gab es noch keinen Widerstand. Im Gegenteil. Alle schienen glücklich zu sein, ob so viel Liebe im öffentlichen Raum. Dass in anderen Städten ein striktes Verbot für Liebesschlösser gilt, wurde in Basel zwar zur Kenntnis genommen – mehr aber nicht.

Selbst die Denkmalpflege hatte nichts gegen die moderne Form der Liebesbekundungen einzuwenden, da die Erhaltung des Bauwerks dadurch nicht gefährdet werde. An diesem Urteil habe sich nichts geändert, sagt der kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller Gegenüber der bz: «Solange das Eisentor nicht zusammenbricht oder die Kapelle vom Gewicht der Schlösser in den Rhein stürzt, ist nichts dagegen einzuwenden.» Er sei aber nicht Eigner des Gebäudes und könne daher nicht bestimmen, ob man das darf oder nicht.

Streng genommen darf man nicht, sagt Niklaus Hofmann von der Allmendverwaltung. Beim Anbringen der Schlösser am Käppelijoch-Tor handle es sich um unsachgemässe Verwendung öffentlicher Güter. «Die Verliebten haben aber einen Sympathiebonus – und Passanten freuen sich über die bunten Schlösser», sagt Hofmann. Er weiss aber: Die Freude ist nicht überall. Denn inzwischen gibt es vonseiten Privater Widerstand gegen die Schlösser. Mehrfach gingen bei der Allmendverwaltung Reklamationen wegen der bunten Schlösschen ein. So werde etwa moniert, dass am Käppelijoch ein Wildwuchs herrsche, während sonst so viele Regeln befolgt werden müssten. «Es gibt auch Menschen, die in den Liebesschlössern eine neumodische Unsitte sehen», sagt Niklaus Hofmann.

Dennoch habe man beim Bau- und Verkehrsdepartement beschlossen, vorerst nicht zum Bolzenschneider zu greifen. Zumindest in nächster Zeit nicht. Das Tor wurde nach 1990 im Jahr 2010 erneut saniert. «Wir gehen von einem Turnus von 15 bis 20 Jahren aus», sagt Hofmann, was bedeutet: Die nächste Sanierung steht frühstens 2025 an. Bis dahin können sich Verliebte fröhlich weiterverewigen. Mit einem kleinen Vorbehalt: «Solange die Schlösser einreihig bleiben, macht es der Stahlkonstruktion des Tores nichts aus. Sobald aber zwei bis drei Reihen Schlösser montiert werden, besteht die Gefahr, dass sich das Tor verzieht», sagt Hofmann. Fazit: Vernunft walten lassen beim Lieben – was zugegebenermassen nicht ganz einfach sein dürfte.

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