Der Kanton Basel-Stadt hat seine Einkünfte mit Aussenwerbungen durch die neue Konzessionsvergabe auf über neun Millionen Franken jährlich verdreifacht. Unter anderem, weil neu auch animierte Werbeanzeigen entlang viel befahrener Strassen erlaubt sind.

Damit die Werbung die Verkehrsteilnehmer nicht zu sehr ablenkt, hat der Kanton scharfe Richtlinien erlassen: Lediglich 20 Prozent der Bildschirmfläche darf animiert sein, steht schwarz auf weiss in den Richtlinien. Und es dürfe in keinem Fall der Eindruck eines «grossflächigen Films» entstehen, wie André Frauchiger, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD), sagt.

Animierte Werbesäule am Schützengraben

Animierte Werbesäule am Schützengraben

Die Werbung auf dieser Werbesäule dürfte höchstens zu 20 Prozent animiert und «keinesfalls den Eindruck eines grossflächigen Films» vermitteln.

Die Filmaufnahmen der bz von Mittwoch zeigen deutlich, dass gleich zwei Werbespots aus ganzflächigen Animationen bestehen, die den Eindruck erwecken, dass es sich um einen grossflächigen Film handelt. Die eine Werbung zeigt eine rotierende Glace einer grossen Fastfood-Kette, die andere zeigt eine Grossaufnahme des Komikers Beat Schlatter, der im Auftrag einer Bank mahnend den Finger zeigt.

Für Road Cross ein Unding

Das BVD hat die Werbespots, für die die werbenden Firmen bis zu 13'000 Franken pro Woche bezahlen, vorab genehmigt. Frauchiger sagt: «Die Spots verstossen gemäss erster Einschätzung nicht gegen die Konzession, sie reizen die Vorgaben jedoch aus.» Auch seitens Polizei seien ihnen diesbezüglich keine Bedenken bekannt.

Bei der Strassenopfer-Beratungsstelle «Road Cross» stossen die animierten Werbesäulen grundsätzlich auf Ablehnung. «Animierte Werbesäulen, die sich an Fahrzeuglenker richten, sind generell ein Unding», sagt Mediensprecher Stefan Krähenbühl, nachdem ihm die bz die Aufnahmen vorgelegt hat. «Die Animation lädt den Blick zum Verweilen ein, das kann im Verkehr fatale Folgen haben.» Für «Road Cross» ist es zudem «höchst fragwürdig», dass die Behörden eine solche Form der Werbung gutheissen würden. Und es sei stossend, wenn im Bereich Sicherheit «Vorgaben ausgereizt» würden.

Kanton will nun strenger sein

Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) ist ebenfalls kritisch. Sprecher Nicolas Kessler sagt: «Wir raten grundsätzlich von animierter Werbung am Strassenrand ab. Es gibt mehrere Studien, die zeigen, dass animierte Werbung mehr ablenkt und damit gefährlicher ist als traditionelle Plakatwerbung.»

Die Firma «Clear Channel», die in Basel insgesamt elf digitale Werbesäulen betreibt, war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Auf ihrer Website wird jedoch darauf hingewiesen, dass für die Werbetafeln in Basel besondere Bestimmungen gelten würden.

Auch der Kanton scheint seine grosszügige Auslegung der eigenen Richtlinien zu überdenken. Frauchiger sagt: «Wir nehmen die Beobachtung der bz zum Anlass, bei Spots, die uns künftig vorgelegt werden, mässigend zu wirken.» Zudem ziehe die Allmendverwaltung schon jetzt Fachinstanzen bei, wenn sie für die Bewertung nicht genügend kompetent sei. Es seien in der Vergangenheit bereits Eingaben abgelehnt worden, weil es sich um Filme handelte, was untersagt sei.