Stadtentwicklung

Das Klybeck steuert in neue Ära: Auf den heutigen Industriebrachen soll ein komplett neuer Stadtteil entstehen

Wo einst Züge Richtung Hafen bretterten, soll ein Park entstehen: So sehen die Pläne für das Klybeckquai aus.

Wo einst Züge Richtung Hafen bretterten, soll ein Park entstehen: So sehen die Pläne für das Klybeckquai aus.

Im Jahr 2020 geht es los. Im heutigen Industrieareal soll ein Mix aus Gastro, Gewerbe und Wohnraum entstehen. Bald kann man auf den ehemaligen Geleisen picknicken.

Auf den ehemaligen Bahngleisen im Klybeck picknicken. Auf der Westquai-Insel essen gehen. Eine coole Dachwohnung am Rheinufer des Klybeckquais beziehen. Heute ist dies inmitten des Hafenareals undenkbar, doch heute gab der zuständige Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) den symbolischen Startschuss zu einer grossen Transformation im nördlichen Kleinbasel. 5,8 Millionen Franken will die Regierung dem Grossen Rat für einen Stadtteilrichtplan beantragen, der die Grundlage zur Entwicklung des Quartiers bilden soll.

Die Planung des neuen Stadtteils läuft seit Jahren. Das Architekturbüro Baukontor hat nun einen Rahmenplan erstellt, der gestern den Medien präsentiert wurde. Nach der gescheiterten Hochhaus-Vision «Rheinhattan» auf dem Westquai soll die neue Nutzung einen besseren Mix beinhalten. Architekt Vittorio Lampugnani betonte zudem, dass beim nördlicher gelegenen Westquai eine andere Nutzung angepeilt werde als beim Klybeckquai. Nur Letzteres soll Wohnraum bieten.

Die Getreidesilos auf dem Westquai sollen bestehen bleiben

Lampugnani präsentierte eine Idee, zu der er sich während seinen täglichen Spaziergängen in seiner Heimat in Mailand habe inspirieren lassen. Am Klybeckquai sollen zum Rheinufer hin Gebäude mit einer Höhe von bis zu 30 Metern entstehen, entlang der neuen Plätze Inselplatz, Wiesenkopf und Uferplatz Hochhäuser mit bis zu 65 Metern Höhe. Wo heute die Hafengleise brachliegen, soll künftig das Herzstück des neuen Quartiers sein, eine Grünanlage, der sogenannte Gleispark. Ziel, so Lampugnani, sei es, das Quartier wieder «näher an den Fluss» zu bauen. Auch sollen die Querstrassen über die heutigen Hafengleise bis hin zum Rhein durchgehen, wo Sitztreppen – ähnlich des Kleinbasler Abschnitts zwischen Johanniterbrücke und Mittlerer Brücke – zum Verweilen einladen werden.

Auf dem Westquai soll hingegen die Hafenatmosphäre beibehalten werden. Hier soll gemäss Lampugnani ein «Kontrast» entstehen zwischen loftartigen Gebilden, den schützenswerten Getreidesilos und Kranen sowie höheren Häusern. Wohnraum entsteht hier nicht. Der Basler Kantonsbaumeister Beat Aeberhardt sagte, es sei eine Mischung aus «Gastro, Freizeit, Kultur und Gewerbe» vorgesehen.

Braucht es ein Hallenbad oder eine Kunsteisbahn?

Insgesamt werden im Norden Kleinbasels künftig 20'000 Menschen mehr wohnen als heute, 30 000 zusätzliche Arbeitsplätze sollen geschaffen werden. Während die ehemaligen Transformationsareale von Novartis und BASF an private Investoren verkauft wurden, gehören das Klybeckquai und das Westquai dem Kanton Basel-Stadt. Insgesamt sind hier 4'000 Arbeitsplätze geplant, es soll Wohnraum für 4'000 Einwohner entstehen. Das wird zur städteplanerischen Herausforderung. Der Kanton rechnet mit einem neuen Schulhaus sowie neuen Tramlinien – sogar eine neue Fähre ist geplant, mit der man auf die Grossbasler Seite rüberfahren kann.

Wann das neue Quartier Basels fertig sein wird, ist unklar. Wessels sagte, in der Stadtplanung plane man nicht in Jahren, sondern vielmehr in Jahrzehnten. Zusätzlich erschwert wird die Planung dadurch, dass die Transformation nur in Abstimmung mit der Hafenentwicklung möglich ist – das geplante Projekt Gateway Basel Nord liegt auf Eis, nachdem ein Bundesverwaltungsgerichtsentscheid eine Beschwerde gegen die Bundessubventionierung gutgeheissen hat.

Architekt Lampugnani sieht nun aber den Moment gekommen, nicht mehr von einer «Vision» zu sprechen, sondern von einer «Perspektive». Die erste Etappe wird nicht lange auf sich warten lassen. Bereits 2021 soll der Stadtteilrichtplan verabschiedet werden, bei dem die lokalen Bedürfnisse des Quartiers verankert werden – denkbar ist etwa ein Hallenbad oder eine Kunsteisbahn. Die heutigen Baurechtverträge für das Klybeckquai und das Westquai laufen spätestens 2029 aus, doch für die ersten Ideen zur Stadtteilentwicklung sollen bereits im nächsten Jahr erste Pilotparzellen ausgeschrieben werden.

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