Biozentrum

Das könnte man sich mit den 100 Millionen Mehrkosten des Biozentrums leisten

Der Bau des Biozentrums kostet 21 Prozent mehr als budgetiert.

Der Bau des Biozentrums kostet 21 Prozent mehr als budgetiert.

Beim Bau des Biozentrums reihten sich die Pechsträhnen aneinander. Mit dem enormen Mehrkostenbetrag der dabei entstand, hätten andernorts Projekte gerettet werden können.

Ein unfähiger Generalunternehmer, vier Wasserschäden, technische Störungen, Vandalismus und eine Firma, die bankrott ging. Beim Bau des Basler Biozentrums jagt eine Hiobsbotschaft die nächste. Am Dienstag verkündigte die Bauherrschaft dann Mehrkosten von 70 bis 110 Millionen Franken. Eine gewaltige Summe, die wohl zum grossen Teil auf die Steuerzahler in beiden Basel zurückfallen wird.
Einige Projekte, deren Finanzierung lange umstritten war und die teilweise wegen zu hohen Kosten nicht umgesetzt wurden, hätten mit den Mehrkosten des Biozentrums mehrfach finanziert werden können. Und an manchen Stellen, an denen zurzeit gespart wird, könnte das Geld viel Gutes bewirken.

4,7 x Margarethenstich

Eine schnelle und direkte öV-Verbindung zwischen dem Leimental und dem Bahnhof SBB war geplant. 365 Meter neue Schienen wären verlegt worden. Doch bei der Volksabstimmung im September 2017 lehnte das Baselbieter Stimmvolk den 14-Millionen-Beitrag des Landkantons an den Margarethenstich mit 57 Prozent ab. Somit liegen die Baupläne vorerst auf Eis. Insgesamt hätte der Margarethenstich mit 21 Millionen zu Buche geschlagen. 4,7 Mal hätte das Geld, das beim Bau des Biozentrums zusätzlich anfällt, also für diese neue Tramverbindung gereicht. Die BVB-Grossbaustelle, die im vergangenen Oktober den Verkehr am Basler Bankverein für zehn Tage lahmlegte, hätte sogar 38,46 Mal finanziert werden können. Die Komplettsanierung kostete 2,6 Millionen Franken.

1,2 x Stadtcasino

Ein Erweiterungsbau, eine neue Lüftungsanlage, moderne Bestuhlung und eine grosse Garderobe im Untergeschoss: Die komplette Sanierung des Basler Stadtcasinos beläuft sich auf 77,5 Millionen Franken. Auch wenn der Kanton Basel-Stadt für die gesamten Kosten des Stadtcasinos aufkommen müsste – die 100 Millionen aus dem Biozentrum hätten locker gereicht. Der Kanton übernahm allerdings nur 38 Millionen, der Rest wurde von privaten Spendern finanziert. Somit decken die Mehrkosten des Biozentrums das Budget für die Sanierung des Stadtcasinos sogar 2,6 Mal.

Mit rund 105 Millionen Franken wurde ausserdem der gesamte Neubau des Kunstmuseums errichtet. Dabei wurden die Kosten je hälftig vom Kanton und der Mäzenin Maja Oeri übernommen. Die Kosteneinschätzung vor dem Baubeginn wurde mit «rund 100 Millionen» Franken im Gegensatz zum Biozentrum geradezu präzise eingehalten.

509 Professorenlöhne

Den finanziellen Mehraufwand am Biozentrum muss zunächst die Universität Basel im Sinne einer Vorfinanzierung tragen. Bei dem aktuellen Sparkurs, den die Uni fährt, fallen diese Mehrkosten besonders schwer ins Gewicht. 22,1 Millionen Franken will die Uni in der Leistungsperiode von 2018 bis 2021 einsparen, dies kündigte sie noch vor Jahresfrist an. Rund ein Fünftel der Einsparungen fallen dabei auf die Lehre und Forschung. Dabei werden an den verschiedenen Fakultäten auch Professuren gestrichen. An der Universität Basel verdienen Professorinnen und Professoren zwischen 142'064 und 250'190 Franken jährlich. Bei einem Durchschnittslohn von 196'127 Franken könnten somit rund 509 Jahreslöhne ausbezahlt werden.

2,9 x Augusta Raurica

In Augusta Raurica baut der Kanton Baselland derzeit ein neues Sammlungszentrum für 34,5 Millionen Franken. Im erwähnten Betrag inbegriffen ist zudem der Bau eines Funddepots, in welchem die wertvollen Artefakte aus römischer Zeit endlich fachgerecht gelagert werden können. Das neue Sammlungszentrum ist für den Erhalt und die Weiterentwicklung der kunsthistorisch bedeutendsten Stätte im Kanton Baselland von zentraler Bedeutung. Dennoch war es wegen der Kosten politisch lange Zeit umstritten. Die Diskussionen darüber erscheinen angesichts des Debakels beim Biozentrum fast schon skurril – alleine mit den Mehrkosten des Biozentrums hätte man die Römerstadt 2,9 Mal ausbauen können.

17 Jahre Lohnerhöhung

Im Baselbiet mussten die rund 5700 Kantonsangestellten in den letzten Jahren vor dem Hintergrund des Spardrucks eine Verschlechterung ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen hinnehmen. Unter anderem beschloss der Landrat 2015 eine generelle Lohnkürzung von einem Prozent. Damit konnte der Kanton jährlich rund 6 Millionen Franken einsparen. Mittlerweile ist diese Massnahme wieder rückgängig gemacht worden. Mit 100 Millionen Franken könnte der Kanton seinen Angestellten hingegen fast 17 Jahre lang eine einprozentige Lohnerhöhung finanzieren. Und selbst wenn Baselland als Uni-Partnerkanton das Geld mit Basel-Stadt teilen müsste, könnten die Baselbieter Kantonsangestellten noch immer mehrere Jahre von höheren Löhnen profitieren.

1,2 Millionen U-Abos

2,02 Millionen Monats-U-Abos (Jahres-Abos wurden umgerechnet) hat der Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) im vergangenen Jahr verkauft. Mit 100 Millionen Franken könnten zum Beispiel rund 1,25 Millionen Monats-U-Abos für Erwachsene (zu 80 Franken) abgegeben werden. Umgerechnet könnten so mehr als die Hälfte aller öV-Pendler im Tarifverbund ein ganzes Jahr lang gratis Bahn, Tram und Bus in der Region fahren. Die Abos werden von den TNW-Kantonen Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn jährlich mit rund 50 Millionen Franken subventioniert. Mit 100 Millionen Franken könnten somit zwei Jahre lang sämtliche Subventionen bezahlt werden, ohne dass die Kantone zur Kasse gebeten würden.

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