Im 18. Jahrhundert war es üblich, den verschiedenen Tonarten eigene Charakterisierungen zuzuschreiben. So ist zum Beispiel die Tonart D-Dur laut Johann Mattheson von Natur aus etwas scharf und eigensinnig, zum Lärmen geeignet, oder für lustige, kriegerische Stücke. Und sein Kollege und Zeitgenosse Schubart hält zu D-Dur fest: Dies sei der Ton des Triumphes, des Hallelujas, des Kriegsgeschreis, des Siegesjubels. Daher sollten einladende Symphonien, Märsche, Festtagsgesänge und himmelaufjauchzende Chöre von Vorteil in D-Dur gesetzt werden.

Nun spielt das Barockorchester Capriccio ein ganzes Konzert in genau dieser Tonart. Auf dem Programm stehen spätbarocke und frühklassische Werke: eine Musik zur abendlichen Festtafel mit einer Ouvertüre von Georg Friedrich Telemann, abendliche Unterhaltung mit der berühmten Wassermusik von Georg Friedrich Händel, eine Sinfonia von Johann Christian Bach, die später sogar in eine Oper integriert wurde, und Märsche und Bälle aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper «Idomeneo. Sie alle stehen im jubilierenden D-Dur und könnten für ausgelassene Stimmung suchen.

Nur Johann Joseph Fux macht mit seiner Serenada einen Ausflug in C-Dur. Dass sich alle anderen in der Tonartencharakteristik so einig waren, hat einen simplen Grund: Für diese Stimmungen wurden zu jener Zeit fast immer Trompeten eingesetzt. Ihr heller, strahlender Klang sorgte für Feststimmung. Und damals waren diese Instrumente fast stets in D gebaut. (JEB)

«Barock erhaben»: Sa, 22. 10., 19.30 Uhr, Peterskirche Basel. So, 23. 10., 17.00 Uhr, Kirche St. Peter, Zürich.

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