Beste Freunde werden die beiden wohl nicht mehr. Dennoch: «Die Sache ist für mich erledigt», sagt der Basler SVP Präsident Sebastian Frehner, nachdem Christoph Blocher vor einem Monat öffentlich eine verbale Breitseite auf ihn abgefeuert hatte. «Ich habe Sebastian Frehner gesagt, dass er als Präsident der Basler SVP eigentlich zurücktreten sollte», hatte der SVP-Parteistratege Mitte August auf seinem Sender «Teleblocher» erklärt. Für ihn sei klar: Nationalrat Frehner besetze schlicht zu viele Ämter. Mittlerweile sei er ein eigentlicher Berufspolitiker – was für Blocher kein Kompliment ist. Für die Basler SVP bleibe da unter dem Strich zu wenig Zeit.

Die Auseinandersetzung drohte zu eskalieren – bis sich sogar Parteipräsident Albert Rösti bemüssigt sah, einzugreifen und die beiden Streithähne an einen Tisch zu bringen. Auf keinen Fall sollte öffentlich schmutzige Wäsche gewaschen werden. Auf keinen Fall sollte die Partei Schaden nehmen. Diese Woche nun hat am Rande der laufenden Herbstsession eine interne Aussprache stattgefunden. Im SVP-Sekretariatszimmer im Bundeshaus trafen sich Parteipräsident Rösti, die Kontrahenten Blocher und Frehner sowie der neue Generalsekretär Gabriel Lüchinger.

«Direkt, aber konstruktiv»

Natürlich ist nun nicht plötzlich alles wieder gut. Die Gemüter aber sollen sich wieder etwas beruhigt haben: «Es war ein konstruktives Gespräch», sagt Parteipräsident Rösti, «sehr direkt, wie wir es in der SVP gewohnt sind.» Blocher habe sich auf den Standpunkt gestellt, dass die Meinungsverschiedenheiten ja ohnehin bereits öffentlich bekannt gewesen seien. Auf «Teleblocher» habe er einzig präzisiert, worum es konkret gehe. Frehner wiederum habe seine Sicht der Dinge dargelegt. «Natürlich bleiben die Meinungsverschiedenheiten», ist sich auch Rösti bewusst. «Zumindest aber hat man sich nun einmal ausgesprochen.» Beschlüsse seien ohnehin keine zu fällen gewesen. Rösti: «Die Frage zum Kantonalpräsidium ist sowieso Sache der Basler SVP.» Für die Mutterpartei sei die Angelegenheit damit erledigt, ergänzt Generalsekretär Lüchinger. «Nun geht es darum, sich auf die Basler Wahlen zu konzentrieren.»

Schon seit Wochen und Monaten hatte sich Blocher enttäuscht über die Situation in Basel geäussert. Im nationalen Vergleich verharrt der Wähleranteil bei mageren 15 Prozent. Allerdings: In den Städten Bern oder Zürich bewegt er sich in einem ähnlichen Rahmen. Gleichzeitig aber ärgert sich der alt Bundesrat darüber, dass die Kantonalsektion immer wieder von internen Querelen durchgeschüttelt wird. Frehner selber musste sich bereits mehrerer Putschversuche erwehren. Es kam zu Rücktritten und Ausschlüssen. Gerade in einer solchen Situation müsse man sich die nötige Zeit nehmen und sich voll und ganz für die Partei einsetzen und nicht für sich selber, hatte Blocher argumentiert. Frehner solle deshalb zurücktreten.

Partei zeigt sich gespalten

Auch Präsident Rösti hatte in den vergangenen Wochen nicht immer den Eindruck erweckt, voll und ganz hinter Frehner zu stehen. Wiederholt hatte er ebenfalls den Wähleranteil in Basel kritisiert: «Ich erwarte, dass wir bei den Wahlen im Oktober den Stimmenanteil steigern», betonte er zum Wahlkampfauftakt von Ende August, für den er eigens nach Basel gereist war. Dabei monierte er auch die Existenz von Eric Webers Volksaktion. Am rechten Rand dürfe die SVP keine weiteren Parteien zulassen. Die öffentliche Attacke Blochers dagegen mochte er nicht verurteilen: «Wer Christoph Blocher kennt, weiss, dass er damit versucht, jemandem einen Kick zu geben und damit etwas auszulösen.»

Weniger gut angekommen ist Blochers öffentliche Tirade bei der Parteibasis – und das ausgerechnet zum Auftakt des Wahlkampfs zu den Basler Regierungs- und Grossratswahlen. In einer Umfrage zeigten sich diverse kantonale Parteikader irritiert. Mehrere SVP-Kantonalpräsidenten kritisierten generell Blochers Einmischung in Basel. Personalentscheide seien Sache der Kantonalparteien. Andere Kantonalpräsidenten vertraten zwar die Meinung, Blochers Intervention sei legitim gewesen. Gleichzeitig aber kritisierten sie, dass der SVP-Stratege Frehner öffentlich blossgestellt hat: «Ich wünschte mir, dass diese Auseinandersetzung parteiintern ausdiskutiert worden wäre.» Das haben die Beteiligten nun versucht – nachträglich.