So läuft das doch in Hollywoodfilmen: Alles, auch das Unmögliche, gelingt gerade noch im allerletzten Augenblick. Der Held, er wäre fast verzweifelt, steht erschöpft, aber strahlend da; das Publikum kann sich aus der Umkrallung des Nachbarn lösen. So lief das beim Umbau des Kultkinos Atelier: Am Mittwochnachmittag waren die Räume noch eine Baustelle; die neuen Riesensofas in Plastik verpackt, einige Wände ungestrichen, überall Abfall, Leitern, Kabel. Und hier sollte 28 Stunden später Eröffnung gefeiert werden? Bei Geschäftsführerin Suzanne Schweizer muss leise Panik aufgekommen sein, doch sie sagte tapfer lächelnd: Es wird klappen müssen. Und es klappte. Im allerletzten Augenblick.

«Die Farbe ist noch feucht. Aber da sind wir», begrüsste am Donnerstagabend die Co-Geschäftsführerin Romy Gysin die rund 300 Gäste. Da, im renovierten Kultkino Atelier. Mit fünf – statt bisher drei – Kinosälen in allen Grössen und Farben. Mit verlängerter Bar. Mit neuster Technik. Mit lindgrünen Sofas im Foyer. Mit bequemeren Filmsesseln. Nichts ist ab Stange. Alles ist hausgemacht, made in Switzerland: Von den handgeformten Tonlämpchen im kleinsten Saal (von Geri Michel) bis zu den Linzertörtchen (von Wencke Schmid).

Dank mehr Sälen flexibler

Rund 3,7 Millionen Franken waren für den Umbau veranschlagt – wahrscheinlich fällt er wegen Verzögerungen teurer aus. Davon trägt der Eigentümer, Basel-Stadt, gemäss ursprünglicher Abmachung
2,5 Millionen, für den Rest hat das Kultkino die letzten Reserven zusammengekratzt. Von Subvention könne man keineswegs sprechen, betont Schweizer. Wie immer, wenn der Vermieter das Haus renoviert, steigen die Mietkosten – auch fürs Kultkino.

Seit Monaten lautet die erste Frage: Wie ist es möglich, dass es in Zeiten des Kinosterbens jemand wagt, neue Kinosäle zu bauen? «Unterm Strich haben wir jetzt nicht mehr Plätze», betont Schweizer. Denn im Gegenzug ist vor kurzem das zur Kultkino AG gehörende Club am Marktplatz geschlossen worden – das «Movie» ist bereits seit 2010 zu, weiterhin in Betrieb ist das Duplex Camera – «das letzte von einst sechs regulären Kinos im Kleinbasel», sagt Schweizer.

Das Atelier ist bei den Verleihern schon lange das beliebteste Kultkino. Dank mehr Sälen verspricht sich die Leitung, flexibler auf den Publikumszuspruch reagieren zu können: Was überraschend gut läuft, kann in einen grösseren Saal hinüberwechseln – und umgekehrt. So mancher Film soll eine längere Anlaufzeit bekommen.

Chance für Nachwuchsfilmer?

Mehr Filme sind nicht geplant. Mit 200 jährlich sei man bereits am obersten Limit. Im Fokus stehen unabhängige Filmschaffende. Doch wer will, kann etwa den kleinsten Saal für private Vorführungen mieten. Dieser sei der heimliche Star des Multiplexes, tönt Verwaltungsrat Hans-Martin Siegrist an.

Einen solchen Raum haben die grossen Ketten kaum. «Man muss gross sein, um klein sein zu können.» Die regionalen Filmfördergelder werden demnächst verdreifacht; dazu hat der Grosse Rat im Frühling Ja gesagt. Böte der neue, kleine Saal nicht auch die Chance, die Werke regionaler Filmemacher öfter der Öffentlichkeit zu zeigen?

Schweizer würde es begrüssen, das Schaffen hiesiger Nachwuchsfilmer regelmässig zu zeigen. «Aber allein mit den Eintritten könnten wir das schwer bestreiten.» Um das professionell aufzugleisen, bräuchte das Kino zusätzliche 50 000 bis 100 000 Franken. Auch bei Verwaltungsrat Siegrist rennt man mit dieser Idee offene Türen ein: «Die Jungen wollen, dass ihre Filme gezeigt werden. Und es nützt nichts, Filme zu fördern, die später niemand je sieht.»

Das umgebaute Kultkino ist fertig. Die Debatte über seine Nutzung noch nicht.

Noch bis Sonntag feiert das Kultkino mit vielen Filmen und mehr: www.kultkino.ch