Paprika, Nelken und der Duft von exotischen Gewürzen erfüllen gegen 11 Uhr morgens das Bistrot Crescenda. Tulpen auf den Tischen und farbenfrohe Bilder an den Wänden machen den Winter vergessen. Das passt zu Sine Diagne Jeannau. Die 37-jährige Senegalesin leitet das Bistrot und sie mag die Kälte nicht. «Am liebsten hätte ich keinen Winter», sagt sie und lacht mitreissend. «Das Lachen wieder finden ist ein ganz wichtiger Teil unserer Arbeit», sagt Béatrice Speiser, Präsidentin des Vereins Crescenda.

Gegen die Abwärtsspirale

Wer denkt, dies sei der Anfang einer blossen Wohlfühlgeschichte, irrt. Speiser ist Anwältin und hat vor zehn Jahren das Gründungszentrum Crescenda ins Leben gerufen, weil sie genug hatte. Genug davon, zuzuschauen, wie Migrantinnen in der Schweiz in eine Abwärtsspirale geraten. «Viele Frauen kommen mit dem Gefühl zu uns, in der Schweiz gegen eine Wand zu rennen.» Von Thailand bis Deutschland, von Osteuropa bis Afrika sind bei «Crescenda» alle Nationalitäten vertreten. Einige kommen mit guter Ausbildung, aber die Diplome werden nicht anerkannt. So ging es Sine Diagne Jeannau: Sie hat Soziologie studiert und hat im Personalfachbereich ausgebildet. Seit zehn Jahren ist sie in der Schweiz, spricht fliessend Französisch, Englisch und mittlerweile auch Deutsch. Doch einen Job hat sie nie gefunden. «In den Absagen gab es nie eine Begründung.»

Andere Frauen kommen ohne Diplome, finden aber auch keine Stelle. «Sie fühlen sich nutzlos und manche werden deswegen auch krank», sagt Speiser. Mit der Idee, den Frauen das Rüstzeug für den Weg in die Selbstständigkeit mitzugeben, begann sie, «Crescenda» aufzubauen. Nur mit Geld, aber ohne Wissen, wäre das Scheitern fast sicher.

Zu Beginn organisierte «Crescenda» ausschliesslich Kurse in Unternehmensgründung. Die Frauen lernen dort ihre Kompetenzen besser kennen und die Gründung eines Geschäftes vorzubereiten. Dazu gehören Kursmodule wie Recht, Marketing und Finanzen. Weil viele mit dem Traum eines eigenen Restaurants kamen, eröffnete das Gründungszentrum vor fünf Jahren ein eigenes Bistrot im Gartengeschoss der grosszügigen Villa an der Bundesstrasse. Die Liegenschaft steht dem Verein gratis zur Verfügung – das Budget aus Spenden und privaten Zuwendungen würde für eine marktübliche Miete niemals ausreichen.

Speiser tut sich schwer mit Zahlen. Sicher ist aber, dass seit dem ersten Pilotkurs vor zehn Jahren «Crescenda»-Absolventinnen über 60 Unternehmen gegründet haben. Und es gibt auch andere Erfolgsgeschichten. Einige Frauen fanden eine Stelle oder wurden befördert. «Alleine über die eigenen Ressourcen, die Fähigkeiten nachzudenken, kann helfen, den Selbstwert wiederzufinden», sagt Speiser. Viele Frauen kämen nach einer gescheiterten Ehe mit einem Schweizer zu «Crescenda». Weil viele kein Geld haben, wird der Preis für die Kurse den «individuellen Möglichkeiten» angepasst.

Anerkannte Kurse

Mittlerweile sind die Kurse als Weiterbildung anerkannt. Das Unternehmen hat 2007 den Schweizer Integrationspreis erhalten. Ausserdem wurde die Wirksamkeit des Projekts zweimal von der Fachhochschule Nordwestschweiz untersucht. «Wir haben sehr positive Resultate», so Speiser. Nun will sich das Gründungszentrum weiterentwickeln. Seit dem letzten Jahr gibt es einen Gastronomiekurs – mit Einsätzen im eigenen Bistrot. «Dort können die Frauen lernen, was es braucht für ein eigenes Restaurant», erklärt Speiser. Ein Sprungbrett quasi, wie das ganze Gründungszentrum.

Und das ist es auch für Sine Diagne Jeannau. Den Sprung zur Hospitality-Chefin bei «Crescenda» hat sie schon geschafft. Vielleicht geht ihr Weg weiter wie der ihrer Vorgängerin. Diese hat vor kurzem das erste haitianische Restaurant in Basel an der Güterstrasse eröffnet.

www.crescenda.ch