Es sind nur noch wenige Stunden. Der Fasnachtscountdown läuft unaufhaltsam und ich, der Fasnachts-Neuling, mittendrin beim Ladäärne-Ypfiffe. Während mein Fussball-Ticker mich über die Sonntagsergebnisse auf dem Laufenden hält, befinde ich mich auf dem Marktplatz. Es ist noch schwer vorstellbar, dass die Strassen bald vom bunten Treiben überrollt werden. Das graue Wetter drückt, wie mir scheint, noch ein wenig auf die Euphorie-Bremse der Leute.

Mein Weg führt mich ins Zentrum des Spalenbergs. Ich lausche den Piccolo-Klängen der noch unkostümierten Pfeifer, die einem plötzlich aus allen Gassen entgegenkommen. Die meisten Laternen sind bedeckt. Ich denke an deren Künstler, die sicherlich dem Moment entgegenfiebern, wenn das Licht ihre Arbeiten in voller Pracht erstrahlen lässt. Trotz nassem Wetter haben es dann doch zahlreiche Leute auf die Strassen geschafft.

Die praktische Erfahrung zählt

Doch wieso sollte man sich an einem solch regnerischen Tag, während der FCB spielt und der Valentinstag romantischere Orte zum Verweilen empfiehlt, draussen in der Innenstadt zusammenfinden? Das muss wohl wahre Liebe zur Basler Fasnacht sein. Vergleichbar mit dem Wiedersehen nach einer unfreiwilligen, einjährigen Trennung von der Liebsten. Das Ypfiffe ist das Vorspiel, die drey scheenschte Dääg der Höhepunkt. Mir ist nun klar, warum diese kurze Zeitspanne von vielen so intensiv gelebt wird.

Den Leuten, die den Cliquen auf Schritt und Tritt folgen, ist die Vorfreude in die Gesichter geschrieben. Dutzende stehen Spalier und filmen die Szenerie. Die Tambouren warten aber noch zu Hause. Einzig die Regentropfen trommeln auf meinen Regenschirm. Meine Kollegen in der – fast – komplett fasnachtsverrückten Redaktion hatten recht: Die Fasnacht muss man vor Ort selbst erleben. Da kann ich mich vorher nicht «einlesen», was unter uns gesagt für grosses Gelächter gesorgt hat. Verständlich: Es gibt zum Ladäärne-Ypfiffe leider nicht so viel Literatur.

Aber Spass beiseite. Obwohl – der Spass beginnt für viele ja nun erst recht. Die Laternen stehen bereit, die Pfyffer haben sich eingestimmt, und die Leute scheinen vorbereitet zu sein. Die feuchtfröhliche Romanze kann auch für Fasnachts-Neulinge kommen.