Fasnacht
Das Ladärne-Ypfiffe: Faszination! Tradition! Revolution!

Das Ladärne-Ypfiffe irritierte manche Touristen. Aber sie wissen nun: Die Fasnachts-Ouvertüre ist ein Amuse-Bouche – es macht gluschtig, befriedigt aber nicht.

Martina Rutschmann
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Nicht alle Cliquen geben sich beim Einpfeifen die Mühe, ihre Laterne voll und ganz abzudecken – dies zur Freude der vielen Schaulustigen.

Nicht alle Cliquen geben sich beim Einpfeifen die Mühe, ihre Laterne voll und ganz abzudecken – dies zur Freude der vielen Schaulustigen.

Kenneth Nars

Was die wohl denken? Ob sie sich verseggled fühlen? Da sind ja gar keine Tambouren unterwegs! Und auch keine Menschen in bunten Kostümen und mit Larven auf ihren bleichen Wintergesichtern. Und die viel gepriesenen Laternen? Wo die wohl stecken? Und überhaupt: Was sollen diese merkwürdigen weiss oder schwarz oder, in guter Basler Tradition, schwarz-weiss eingepackten Dinger auf den Stäggen?

Die Asiaten sind irritiert. Und das zurecht. Da flimmerten neulich noch Bilder von der Fasnacht über ihre Bildschirme, Bilder von einer Welt, die es gar nicht geben kann in der richtigen Welt, die aber tatsächlich existiert. Faszination! Tradition! Revolution!

Die Unesco hat die Botschaft in die Welt getragen, man hat sie in den letzten Winkeln vernommen, und wer es sich leisten kann, sagt sich: Wenn wir schon nach Europa fliegen, machen wir in Basel halt, einer Stadt, die sonst niemand als Stopover empfiehlt, die jetzt aber plötzlich in den Fokus der Tourismusbranche rückt – und das nicht etwa, weil Shanghai Partner von Basel ist und die «Baselworld» im Sterben liegt, sondern einzig und allein wegen dieses Erbes da, dieser Unesco-Weltkultur.

Ferne Töne und Strickfiguren

Mit Selfie-Sticks ausgerüstet stehen etliche Touristen aus Asien vor dem «Starbucks» in der Freien Strasse. Freudig kucken sie um sich. Aus der Ferne hören sie schrille Töne, Musiker sehen sie aber keine. Ab in den warmen Coffee Shop! Während sie in der Schlange stehen, passiert es: Ein Schissdräggzyygli mit verdeckter Laterne im Vortrab biegt um die Ecke. Das Ladärne-Ypfiffe hat begonnen – und ist gleich wieder fertig. Was bleibt, sind ferne Töne.

Am Rümelinsplatz hingegen läuft sie bereits, die Party vor dem grossen Straich. Die Cliquen kommen aus allen Gassen gepfiffen. Manchen war der Stoff zu schade, den es bräuchte, um die Laterne einzupacken. Den Touristen ist es recht, sie fotografieren, was ihnen vors iPhone kommt. Das ist mal eine Grille auf dem Teller, mal ein Diktator aus Nordkorea.

Wars das jetzt? Der Fremdenführer klärt auf: Das Ladärne-Ypfiffe ist der Anfang, richtig los gehts in der Nacht. Und dann dürfen auch Tambouren dabei sein – nackte Gesichter hingegen sind unerwünscht, ausser passive Gesichter, wozu auch der Tourist zu zählen hat. Fasnacht ist ja kein Scheiaweia-Dings mit Schminke und Strapsen für Jedermann, sondern echte Weltkultur. Wie die Chinesische Mauer und der Taj Mahal. Bloss halt nicht aus Material.

Drum gibts keine Souvenirläden, sondern nur Stände mit Blaggedden und Strickfiguren mit gestreiften Socken und gelbem Haar. Was denkt sich wohl der Tourist? Am besten, er denkt gar nicht, sondern lässt sich einfach treiben.
Richtig erklären kann man die Fasnacht sowieso nicht. Die schönen Bilder, die müssen reichen.