Kultur
Das lange Warten auf das Kulturleitbild

Das Basler Kulturleitbild ist eine schwierige Geburt. Die Veröffentlichung wurde auf nach den Sommerferien 2011 angekündet. Dann auf Mitte Oktober. Dann auf Januar 2012. Das Warten geht weiter.

Andreas Maurer
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Guy Morin. niz

Guy Morin. niz

Nachdem der vor einem Jahr präsentierte Entwurf von vielen Seiten verrissen worden war, ist es leise geworden um das umstrittene Papier. Guy Morins Präsidialdepartement hat die Arbeit inzwischen erledigt.

«Das Kulturleitbild ist fertig geschrieben und liegt in Prüfung beim Finanzdepartement», sagt Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur. Alle budgetrelevanten Fragen müssten vor der Gesamtprüfung durch die Regierung vom Finanzdepartement angeschaut werden, begründet Bischof. Auf ein neues Erscheinungsdatum möchte er sich nicht festlegen: «Ich hoffe persönlich auf eine möglichst baldige Veröffentlichung und erwarte daher die Rückmeldung des Finanzdepartements und der Regierung mit grossem Interesse.»

Zusatzarbeit für die Abteilung Kultur

Die Frage, ob seine Abteilung Kultur überlastet sei, bezeichnet Bischof als «unsinnige Unterstellung». Das Verfassen eines seriösen Kulturleitbilds bedeute eine Zusatzarbeit, «für die in der Abteilung absolut keine Ressourcen vorgesehen sind», betont er. Die Beteiligten müssten sich dafür freischaufeln.

Die Kulturkommission des Grossen Rats hat bei Bischof immer wieder nachgefragt, wann das gross angekündete Werk endlich erscheint. «Wir wurden immer wieder vertröstet», berichtet Präsidentin Christine Heuss (FDP). Obwohl ihre Partei für die Regierungswahlen das Präsidialdepartement im Visier hat, hält sie sich mit Kritik zurück. Sie erwartet, dass die Qualität dank der langen Bearbeitung dafür besonders gut wird.

Nur die SVP übt Kritik

Am kritischsten äussert sich ihr SVP-Kommissionkollege Oskar Herzig: «Die Verzögerung ist absolut unverständlich. Eine Katastrophe.» Zudem ärgert er sich darüber, dass die Kulturkommission das Leitbild nicht wie angekündet vorab ansehen darf.

Heuss sieht das anders: «Das ist okay. Es handelt sich ja um ein Papier der Regierung.» Im Gegensatz zu Heuss ist Herzig pessimistisch: «Das Kulturleitbild kostet zwar einen Haufen Geld, ich befürchte aber, dass wir das Resultat nicht brauchen werden können.» Er kündet eine besonders kritische Prüfung an: «Schliesslich befinden wir uns in einem Wahljahr.»

Komplette Überarbeitung gefordert

Weshalb die Überarbeitung so lange dauert, wird unterschiedlich beurteilt. «Ich gehe davon aus, dass das Leitbild komplett überarbeitet wird. Ich erwarte etwas völlig Neues», sagt Heidi Mück (Basta). Martina Bernasconi (GLP) vermutet interne Differenzen zwischen Departements- und Abteilungschef: «Philippe Bischof muss möglicherweise ausgleichen, was Guy Morin aus dem Bauch heraus machen will.» Da Bischof einen engen Kontakt zur Kulturszene pflege, könne er korrigierend eingreifen.

Oswald Inglin (CVP) hingegen tippt als Ursache vor allem auf den Wechsel des Kulturbeauftragten von Michael Koechlin zu Philippe Bischof per 1. Januar 2011: «Koechlin hat seinen Job auch wegen des Kulturleitbilds aufgegeben. Es ist sinnvoll, dass sich Bischof Zeit genommen hat.»