Bachletten/Gotthelf

Das lange Warten auf den Deckel über der Elsässerbahn

Der Zug verschwindet beim Morgartenring in Richtung Elsass im Tunnel.

Der Zug verschwindet beim Morgartenring in Richtung Elsass im Tunnel.

Die Idee ist bestechend: Seit über 100 Jahren durchschneidet die Elsässerbahn das Gotthelf- und Bachlettenquartier. Auf einer Überdeckung der tief liegenden Bahnlinie könnte man wohnen – doch die grosse Bedeutung der Bahnlinie bremst das Projekt.

Auf der Überdeckung könnten Wohnungen und Grünflächen entstehen. Das würde die Anwohner zusätzlich vom Lärm entlasten.

Schon 1955 Thema für Landesring

Bereits 1955 hatte der Landesring der Unabhängigen eine Volksinitiative eingereicht, die – um die Russ-, Rauch- und Lärmimmissionen einzudämmen – eine Überdeckung der Bahnstrecke verlangte. Zwischen Helvetiaplatz und Oberwilerstrasse sollte ein durchgehender Grüngürtel mit Spazierwegen, Ruheplätzen und Kinderspielplätzen entstehen, wie aus dem Anzug «Überdeckung der Elsässerbahn vorantreiben» von Emmanuel Ullmann vom September 2007 hervorgeht.

Über die Initiative sei erst 1993 abgestimmt worden. Sie «wurde mit über 75 % Nein-Stimmen wuchtig verworfen – nicht zuletzt aus Kostengründen und weil seit 1957 die Bahnstrecke elektrifiziert war», heisst es im Anzug weiter.

Das hielt Ullmann nicht davon ab, die erneute Prüfung des Überdeckungsprojekts zu fordern, auch weil der Regierungsrat selber in einem Ratschlag zur Teilrevision des Zonenplans schon 2004 die Reaktivierung des Vorhabens in Aussicht stellte. Voraussetzung dafür sei allerdings die Klärung der Bahnprojekte auf der Strecke.

Da die SBB ihre Entwicklungspläne im Rahmenplan Basel im Mai 2013 vorlegte, konnte der Regierungsrat im August 2013 abschliessend zum Anzug Stellung nehmen. Daraus ging hervor, dass der Elsässerbahn im Rahmenplan weiterhin «eine zentrale Rolle» zukomme, da der Personen- und Güterverkehr von und nach Frankreich und in die Beneluxstaaten über diese Achse führe.

Mehrverkehr wegen Neat

Schon heute ist die Strecke Basel – Mulhouse mit täglich 130 Zügen stark befahren. Mit der Eröffnung der Neat (Neue Eisenbahn-Alpentransversale) werden zusätzliche Güterzüge kommen, und auch der geplante Schienenanschluss des Euro-Airports (EAP) wird für weitere neue S-Bahn-Frequenzen sorgen. Um Letzteren aber umfassend in das S-Bahn-Netz zu integrieren, braucht es einen Ausbau der Elsässerbahn auf vier Gleise oder – alternativ – das sogenannte Y des Herzstücks Regio-S-Bahn.

Die unterirdische Verbindung zwischen Bahnhof Basel SBB und Badischem Bahnhof würde von der Haltestelle unter dem Marktplatz durch eine Abzweigung in Richtung Bahnhof St.  Johann ergänzt. Obwohl der Ausbau der Elsässerbahn auf vier Gleise wegen der immensen Bauarbeiten im dicht besiedelten Quartier kaum realistisch erscheint, sieht der kantonale Richtplan die Sicherung des Trassees dafür vor. Es bleiben also viele offene Fragen.

Überdeckung schränkt SBB ein

Das weiss auch die Regierung. In ihrer Stellungnahme heisst es zwar: «Eine Überdeckung der Elsässerbahn wäre aus städtebaulicher Sicht und insbesondere auch mit Blick auf die Wohnqualität (Stichworte Lärm, Freiraum) wünschenswert. Gleichzeitig aber betont sie: «Die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Verkehrs von und nach Frankreich ist von nationalem Interesse. Eine vorzeitig Überdeckung der Elsässerbahn schränkt die Handlungsmöglichkeiten der SBB stark ein.»

Erst mit dem Entscheid über die weitere Entwicklung der Bahninfrastruktur, insbesondere zugunsten des Y-Astes des Herzstücks, sei es «möglich und zweckmässig, die Überdeckung weiter zu vertiefen.» Für die betroffenen Quartiere heisst es also: weiter warten.

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