Es war ein Dolchstoss in die Herzen der Kleinbasler Wirte, als das Schnitzelbank-Comité verkündete: «Wir singen 2014 nur im Grossbasel.» Einzig im Café Spitz, wo Radio SRF seine Fasnachts-CD aufnimmt, treten diese Schnitzelbänkler auf – für andere Lokale reiche die Zeit nicht mehr, sagen sie. Das Café befindet sich am Kopf der Mittleren Brücke und somit alles andere als im tiefen Kleinbasel.

Der Entscheid des Schnitzelbank-Comités ist eine weitere Episode in einem Drama, das bereits einige Jahre dauert und «Das langsame Sterben der Kleinbasler Fasnacht» heissen könnte. Wie konnte es so weit kommen? Warum bevorzugen Fasnächtler, auch Kleinbasler, das Grossbasel?

Aufruf zum Gässlen im Kleinbasel

Christoph Brogle, Obmann der Velo-Waggis-Clique Schrubberli ’ 99, zuckt mit den Schultern. «Möglicherweise liegt es daran, dass es keinen Knotenpunkt gibt.» Im Grossbasel treffe man sich beim Hotel Basel, überhaupt spiele sich dort ein grosser Teil der Fasnacht ab. Auch seine Clique ziehe es ins Grossbasel, obwohl sich ihr Depot am Riehenring beim Messeplatz befindet. «Aber dort ist nichts mehr los», sagt Brogle. Das war einmal anders: «Als wir anfingen, kamen wir kaum vom Fleck, überall blieben wir hängen.» Und jetzt? Einzig Beizen wie das «Schafeck» seien noch gut gefüllt. Wie das Café Spitz befindet sich auch diese Beiz in der Nähe des Grossbasels.

Im hinteren Teil des Kleinbasels aber – tote Hose. Einen offensichtlichen Grund gibt es dafür nicht: Das Restaurant Hahn an der Hammerstrasse gilt als Fasnachtsbeiz, genauso wie der «Rheinfelderhof» an der Clarastrasse. Das Problem sind nicht die Beizen als solche, sondern das, was vor ihren Türen passiert: wenig.

Das soll sich jetzt ändern: «Es wäre schön, wenn wir am Montagabend wieder vermehrt im Kleinbasel unterwegs wären», schreibt Andreas Kurz, Obmann der Stamm-Clique der Vereinigten Basler Fasnachtsgesellschaft (VKB), in einem Aufruf an Kleinbasler Cliquen. Gegenüber der bz sagt er: «Die Fasnacht im Kleinbasel ist nicht vom Aussterben bedroht, trotzdem ist es an der Zeit, etwas zur Belebung des Kleinbasels zu tun.»

Die Reaktionen der Cliquen seien «durchs Band positiv», sagt Kurz. «Der Tenor ist: Wir wollen es probieren.» Urs Schwald, Obmann der Alten Garde der Fasnachtsgesellschaft Olympia, hat gehandelt – und mit seinen Leuten abgesprochen, dass man dem Aufruf folgen werde und mehr als nur einen «Riemen» mache. Auch er beobachtet mit Sorge, wie das Kleinbasel vernachlässigt wird, wenn nicht gerade der Cortège stattfindet. «Einzelne Fasnächtler fragen sich, weshalb sie im Kleinbasel herumstolpern sollen, wenn es im Grossbasel abgeht.» Und: «Grossbasler Cliquen ins Kleinbasel zu bewegen, ist noch schwieriger.» Dabei habe das Kleinbasel seinen Reiz. Der Morgestraich etwa sei romantischer, sagt Schwald.

Noch leidenschaftlicher schwärmt der Schnitzelbänkler und Präsident der Interessengemeinschaft Kleinbasel (IGK) Peter Winiker: «Bei uns ist die Fasnacht lockerer und fröhlicher.» Er habe schon öfters Auswärtige, die von der «Grossbasler Melancholie» enttäuscht gewesen seien, ins Kleinbasel geschickt. Und: «Sie waren begeistert!» Winiker hat ausserdem den Eindruck, dass vor allem eine Spaltung zwischen Guggen und Cliquen im Gang sei – mehr als eine Spaltung von Gross- und Kleinbasel.

Offenbar ist beides der Fall, denn das Kleinbasel ist nach wie vor Hochburg der Guggen. Winiker hofft, dass der VKB-Aufruf Wirkung zeigt und sowohl Cliquen, als auch Publikum zurück ins Kleinbasel lockt. «Letztlich machen doch alle nur Fasnacht.»