Für die einen heisst er immer noch Jäggi. Für die anderen Thalia und für die, die mit der Zeit gingen, zumindest für kurze Zeit Orell Füssli: Der ehemals grösste Buchladen von Basel mit zwei Eingängen an der Falknerstrasse, einem an der Freien Strasse und einen am Pfluggässlein.

Seit dem Umzug von Orell Füssli in den ehemaligen Schuhladen von Voegele in der Freien ist die aus ursprünglich drei Gebäuden zusammengesetzte, riesige Ladenfläche leer – und dieser Tage endgültig Geschichte.

Denn der gesamte Laden wird derzeit komplett zurückgebaut, zurück in drei einzelne Häuser. Somit gibt es neu zwei Läden an der Falknerstrasse und einen an der Freien Strasse. Auch der Durchbruch zwischen den Gebäuden existiert nicht mehr.

Mega-Läden sind nicht mehr gefragt

Damit sind die Eigentümer der Häuser, zwei auswärtige Immobilienfirmen und eine aus Birsfelden, den Zeichen der Zeit gefolgt: Mega-Läden sind nicht mehr gefragt, je kleiner die Ladenfläche, desto einfacher sind sie zu vermieten. Damit vermehrt sich auch gleich die Anzahl Läden in der Innenstadt: Aus einem grossen können drei kleinere Geschäfte werden.

An der Falknerstrasse, wo einst der Eingang zur Papeterie-Abteilung war, ist bereits die Skater- und Boarder-Ladenkette «Blue Tomato» eingezogen. An der Freien Strasse wird derzeit noch gebaut. Und die grösste verbliebene Ladenfläche, im Haus mit der ausladenden Glasfassade an der Falknerstrasse, ist bereits zur Vermietung ausgeschrieben.

Vermittelt werden die Flächen nicht von lokalen Firmen, sondern von grossen Zürcher Liegenschaftsspezialisten im Retail-Bereich. Für die Freie Strasse ist die H&B Real Estate zuständig, für die verbliebene Liegenschaft an der Falknerstrasse die Firma CBRE, ein Platzhirsch der Szene. Patrica Kunz, die dort für die Vermittlung der Ladenfläche an der Falknerstrasse 11 zuständig ist, bestätigt gegenüber der bz, dass die Suche nach einem Mieter nach wie vor läuft.

Möglichst ebenerdig und eingeschossig

Obwohl die Fläche mit 1250 Quadratmetern immer noch verhältnismässig gross ist, mangle es nicht an Interessenten. Einige Bewerber hätten aber immer noch den alten Buchladen-Grundriss vor Augen, sagt sie. Doch die musste sie enttäuschen: «Der interne Durchgang zum Gebäude an der Freie Strasse 32 wurde geschlossen.»

Einen direkten Zugang zur Freien Strasse hat die Verkaufsfläche im Erdgeschoss aber weiterhin: Durch die Passage, die zum Gebäude gehört. Wer die Nachfolge im prominentesten Teil des ehemaligen Buchladens antritt, könne sie noch nicht sagen. Das Verfahren läuft noch.

Auch Kunz beobachtet den Trend hin zu kleiner werdenden Innenstadt-Geschäftsflächen: «Viele Kunden suchen derzeit nach möglichst ebenerdigen, eingeschossigen Flächen», sagt sie. In Basel wurde das bereits spürbar, nachdem Coop angekündigt hatte, die XXL-Interdiscount-Filiale am Marktplatz zu schliessen. Interdiscount wird eine kleinere Ladenfläche beziehen.

Die Kunden definieren das Angebot

Die Gründe sind vor allem auf ein neues Einkaufsverhalten der Kunden zurückzuführen: Viele Betriebe unterhalten mittlerweile auch Online-Shops, bestellt wird zunehmend günstig im Internet, der Laden dient für viele Bereiche des Detailhandels noch als Ausstellungsraum.

Kunz, die auch an der jährlichen Studie «Retail Switzerland 18/19» von CBRE beteiligt ist, bestätigt damit, was der Basler Verein Pro Innerstadt ebenfalls als Trend feststellt.
Dennoch bleibe der Mix in einer Einkaufszone wie der Innenstadt entscheidend.

Damit relativiert Kunz auch den Begriff des «Lädelisterbens»: Die Anzahl an Läden müsse insgesamt nicht unbedingt weniger werden, wenn sich allein das Angebot ändere. Dafür ist der ehemalige Buchladen bereits heute schon exemplarisch, wie der fertig umgebaute Teil zeigt: Klamotten statt bedrucktes Papier. Gelesen wird deshalb nicht weniger, nur gekauft wird anderswo.

Oder wie es Kunz formuliert: «Wir alle sind Kunden und definieren damit Angebot und Nachfrage.» So direkt, dass vom einst berühmtesten Buchladen Basels nur noch Erinnerungen bleiben – und zumindest vorerst noch eine Glasfassade, hinter der bald anderes angepriesen wird.