«New Basel»
Das Manhattan am Rhein springt über Grenzen

Es ist in Basel eines der grössten Stadtwicklungsprojekte der letzten Jahrzehnte: Am Hafen im Norden der Stadt soll in 20 bis 30 Jahren ein komplett neues Quartier entstehen – mit bis zu 4000 Einwohnern und ebenso vielen Arbeitsplätzen.

Yen Duong
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Manhattan am Rhein

Manhattan am Rhein

Zur Verfügung gestellt

Bedingung für «New Basel», wie das Projekt im Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) genannt wird, ist die Verlegung des Hafens Klybeck und der Hafenbahn in Abstimmung mit den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH). Als Ersatz sollen die SRH ein neues Hafenbecken 3 auf dem ehemaligen Areal des Badischen Rangierbahnhofs erhalten (die Basellandschaftliche Zeitung berichtete).

Kantonsbaumeister Fritz Schumacher ist Feuer und Flamme für das Projekt: «Wenn man in Basel irgendwo einen Stadtteil des 21. Jahrhunderts bauen kann, dann nur am Hafen», schwärmt er. Seit das Mammutprojekt im Juli vorgestellt wurde, hat sich einiges getan: Neu sind auch die Nachbargemeinden Huningue (F) und Weil (D) in der Hafenplanung involviert. Das Gebiet von «New Basel» weitet sich somit um die nördlich angrenzenden Gebiete von Weil und Huningue bis zur Palmrainbrücke aus. «Beide Gemeinden zeigten nach Vorstellung unseres Projekts grosses Interesse daran, den nächsten Schritt gemeinsam zu planen. Der neue Stadtteil kann auch nur richtig gut funktionieren, wenn man die Infrastruktur aller drei Länder verbindet», sagt Schumacher.

Ein dichtes Nebeneinander

Das Projekt sei sehr wichtig für die trinationale Region. Denn bisher hätte man sich am Dreiländereck eher den Rücken zugedreht und nicht zueinander geschaut. Das wird sich laut Schumacher nun ändern. Bis im März 2011 soll feststehen, wie das grenzüberschreitende Projekt aussehen soll. Fest steht indes bereits, dass die Hafen-Testplanung der holländischen Stararchitekten MVRDV mit den Lokalplanern Philippe Cabane und Martin Josephy ein dichtes Nebeneinander von Gebäuden vorsieht. «Das ist nötig, damit Urbanität entsteht», sagt der Kantonsbaumeister weiter. Neben Hochhäusern sollen auch kleinere Baukörper auf der 700 Meter langen Insel stehen. «Es wird ein Spannungsfeld zwischen höheren und niedrigen Gebäuden erzeugt. Es wird aber immer das Zusammenwirken gesucht.»

Für ihn ist klar, dass der neue Stadtteil von der Vielfalt leben muss. «Es wäre tödlich, wenn wir repetitive Bauten erstellen würden.» So habe man am Hafen in Hamburg mit standardisierten Baukörpern gearbeitet, was bedauerlich sei. «Die exklusive Lage am Rhein benötigt einen entsprechenden architektonischen Auftritt. Die Hafen-Silhouette soll einprägsam und in der übrigen Stadt erkennbar sein.» Noch ist der Stadtteil «New Basel» mit einer Realisierungszeit von bis zu 30 Jahren in weiter Ferne. Es dauert jedoch nicht mehr so lange, bis die ersten Gebäude dort in die Höhe schiessen könnten. So ist die Parzelle neben der Grisard AG bei der Wiese bereits frei und die Migrol baut ihre Tanklager nächstes Jahr zurück. «Das sind grosse Grundstücke. Dort könnten schon im Jahr 2014 die ersten Bauten stehen», meint Schumacher.

Mit dem Verkauf des Restaurants Dreiländereck an die SRH würde zudem Platz für die gewünschte neue Fussgängerbrücke nach Deutschland frei – das BVD hat noch eine zweite neue Brücke im Visier, die nach Huningue führt. Laut Schumacher werden die ersten Projekte auf den drei Grundstücken den städtebaulichen Massstab für das Manhattan am Rhein setzen.

Neue Rheinpromenade

«New Basel» lässt nicht nur die Herzen der Stadtplaner, Architekten und Investoren schneller schlagen, sondern stösst auch in der Bevölkerung auf Begeisterung. Schumacher betont, dass der neue Stadtteil für alle zugänglich sein soll. Erste Massnahmen dafür werden demnächst getroffen. So will das BVD die Klybeck-Insel mit einer neuen Rheinuferpromenade öffnen.

«Das Quartier soll keine Gated Community für reiche Menschen werden. Es sind Wohnungen für alle Schichten vorgesehen.» Auch das Nachtleben soll dort pulsieren. Denn das Wohnen dürfe nicht so dominant werden, dass am Hafen keine anderen Nutzungen mehr möglich seien. Das gelte umgekehrt ebenfalls, meint Fritz Schumacher. «Es braucht immer eine Co-Existenz.»