Dem politischen Willen oder auch einem gewissen zeitlichen Zufall geschuldet ist es, dass die basel-städtische Stimmbevölkerung am 19. Mai gleich über zwei sehr wichtige Bauprojekte befinden darf: den gemeinsamen Neubau von Naturhistorischem Museum und Staatsarchiv sowie den Bebauungsplan, der den Weg freimachen würde für das Ozeanium des zoologischen Gartens auf der Heuwaage.

Für seinen Abstimmungskampf hat der Zolli einen lustigen Slogan kreiert: «Basel liegt am Meer». Und welches Bauwerk liegt am nächsten beim Ozean? Richtig, der Leuchtturm. Im Selbstverständnis der Kultur- und Bildungsstadt Basel sollen beide Projekte zu Leuchttürmen werden. Nicht zu architektonischen zwar, dafür sind sie zu funktional gestaltet. Aber zu institutionellen. Von der öffentlichen Hand getragene Leuchtturmprojekte haben es aber genau in dieser Stadt nicht leicht. Basel liegt, allen sommerlichen Mittelmeer-Attitüden und dem Klimawandel zum Trotz, nicht am Meer. Sondern immer noch am ruhig dahinfliessenden und überschaubaren Rhein.

Der pragmatische Lösungsansatz beherrscht das Denken. Es sei hier an zwei aktuelle Kulturprojekte erinnert, die einst grösser gedacht waren oder durchaus grösser hätten sein können – an das Stadt-Casino und den Kasernen-Umbau. Als Beispiel aus der etwas weiteren Vergangenheit mag das Schauspielhaus dienen, das aus Mangel an politischem Mut von einem städtebaulich interessanten Projekt zu einem räumlich stark eingezwängten Schauspielhäuschen geschrumpft wurde. Und wenn einmal, teils mithilfe von privater Seite, grösser geplant und gebaut wurde wie beim Erweiterungsbau des Kunstmuseums oder bei der silbrig funkelnden Messehalle, traten danach ökonomische oder strukturelle Risse auf.

Von Amtes wegen positiv gestimmte Menschen wie Zolli-Direktor Olivier Pagan sehen dem «doppelten» Abstimmungssonntag im Mai zwar gelassen entgegen. Schliesslich handelt es sich ja beim Zolli wie beim Naturhistorischen Museum um zwei in Basel tief verankerte und äusserst beliebte Institutionen. Eine breite politische Mehrheit anerkennt den dringenden Handlungsbedarf beim Naturhistorischen Museum und beim Staatsarchiv. Und selbstverständlich ist es dem Zolli nicht schwergefallen, ein einflussreiches und überparteiliches Unterstützungskomitee zusammenzutrommeln. Alles in trockenen Tüchern also?

Die in Basel latente Skepsis gegen neue (Kultur-)Bauten lässt aufhorchen und sollte den Fürsprechern aufseiten des Museums und des Zolli zu denken geben. Hat das für die Kultur und die Stadtentwicklung zuständige Präsidialdepartement eine Strategie im Hinblick auf den 19. Mai? Was wollen eigentlich die Gegner der Projekte und wer sind sie?

Damit sind wir bei der eigentlichen Herausforderung für die Befürworter: Die beiden Projekte werden, zusammen oder einzeln, mit ökonomischen (zu hohe Baukosten), ökologischen (gegen Energieverbrauch und Tiermissbrauch), stadtentwicklerischen (gegen den Ort), architektonischen (gegen die Gestaltung), politischen (gegen Regierung und Parlament) und generell fortschrittsfeindlichen Argumenten (gegen alles Neue) bekämpft werden.

Entsprechend heterogen zusammengesetzt ist die Gegnerschaft. Es ist zu befürchten, dass dabei einige entscheidende Unterschiede zwischen dem Neubau des Naturhistorischen Museums/Staatsarchivs und dem Ozeanium «vergessen» gehen. Das erste Projekt ist eine schlichte Notwendigkeit. Museum und Archiv leiden unter veralteter Infrastruktur und akuten Platznöten.

Das Ozeanium hingegen ist ein «Nice-to-have», auch wenn dies die Bauherrschaft naturgemäss anders sieht: Einem erfolgreichen Fortbestehen des traditionsreichen zoologischen Gartens am südlichen Stadtrand steht auch ohne neue Wasserwelten an der Heuwaage nichts im Weg. Andererseits wird dieses Projekt rein privat finanziert werden, der Museums- und Archivneubau hingegen kostet die Steuerzahler deutlich über 200 Millionen Franken. Und während städtebaulich an der Heuwaage alles nur besser werden kann als der Status quo, steht der geplante Ort des Museums und Staatsarchivs, der St. Johann-Bahnhof, zur Debatte.

Es wäre für beide Projekte äusserst bedauerlich, wenn sie am jeweils anderen scheitern würden. Die Leuchttürme braucht es – auch wenn Basel noch nicht am Meer liegt.