FC Basel
Das Meisterteam im Leistungscheck: Der beste FC Basel aller Zeiten?

Der grosse Erfolg des FC Basel in der vergangenen Saison basiert auf dem guten Zusammenhalt der Mannschaft. Jeder Spieler trug zum Triumphzug bei, den der FCB in der Super League hinlegte. Die bz unterzieht das Meisterteam dem Leistungscheck.

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Die bz unterzieht das FC Basel Meisterteam dem Leistungscheck: 25, Individualisten, vereint zu einem harmonischen und erfolgreichen Gefüge
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Yann Sommer: 31 Einsätze (Super League), 2790 Spielminuten, 30 Gegentore. Sein Aufstieg zur Nummer 1 verlief nahtlos. War immer da, wenn es ihn brauchte. Seine Paraden hielten den Schaden des missratenen Saisonstarts in Grenzen. Avancierte im Cupfinal mit zwei Penaltysafes zum Matchwinner.
Massimo Colomba: 2 Einsätze, 180 Spielminuten, 1 Gegentor. Zeigte im Dezember beim 1:0-Heimsieg gegen Luzern, wie wichtig ein guter Ersatzgoalie ist. Seine lange Karriere als Aktiver geht zu Ende, Colomba übernimmt das Amt des Goalietrainers vom scheidenden Romain Crevoisier.
Marcel Herzog: 1 Einsatz, 90 Spielminuten, 3 Gegentore. Ein Einsatz gegen GC, ansonsten mehrheitlich auf der Tribüne. Seine sportlichen Qualitäten waren weniger gefragt als die menschlichen. Heiko Vogel bezeichnet ihn als einen grossen Teamplayer, der neben dem Platz viel Einfluss hat. Wechselt nach St. Gallen.
Joo Ho Park: 26 Einsätze, 2159 Spielminuten, 0 Tore. Kam im Sommer als zweiter Linksverteidiger hinter Kay Voser. Als dieser sich schwer verletzte, spielte Park. Und er spielte immer. Er ist der Dauerläufer beim FC Basel. Verlässlich in der Defensivarbeit, mit Steigerungspotenzial nach vorne.
Philipp Degen: 9 Einsätze, 743 Spielminuten, 1 Tor. Nach Odyssee und langen Verletzungspausen landete er im Herbst wieder in Basel. Will in der nächsten Saison richtig angreifen und sich den Stammplatz erobern. Bleibt er verschont von Blessuren, ist auch die Nationalmannschaft wieder ein Thema.
Arlind Ajeti: 1 Einsatz, 23 Spielminuten, 0 Tore. Schnupperte Profiluft in seiner Premierensaison im Kader der ersten Mannschaft. Kam im November zu einem Kurzeinsatz gegen Thun, ansonsten spielte er in der U21. War in der Rückrunde lange verletzt. Er ist ein Versprechen für die Zukunft.
Aleksandar Dragovic: 28 Einsätze, 2501 Spielminuten, 1 Tor. Der erst 21-jährige Österreicher agierte in der Innenverteidigung überzeugend, behauptete sich auch in der Champions League. Kein Wunder, wird er von Topklubs gejagt. Bleibt er, ist er nächste Saison der Nachfolger von Abraham als Abwehrchef.
Kay Voser: 6 Einsätze, 468 Spielminuten, 0 Tore. Konnte in seinen Einsätzen zu Saisonbeginn nicht kaschieren, dass der FCB eine grosse Nummer für ihn ist. Dann warf ihn eine Knöchelverletzung aus der Bahn, von der er bis heute nicht genesen ist. Auch er will im neuen Jahr zeigen, warum er beim Ligakrösus spielt.
David Abraham: 23 Einsätze, 2018 Spielminuten, 3 Tore. Der absolute Abwehrchef und dazu ein absoluter Sieggarant: Spielte er 90 Minuten, ging der FCB in der Super League nie als Verlierer vom Feld. Würde er auf dem Feld mehr sprechen, wäre er ein geborener Captain. Wechselt wohl nach Hamburg.
Genseric Kusunga: 6 Einsätze, 314 Spielminuten, 0 Tore. 2010 als hoffnungsvolles Abwehrtalent von Servette geholt, blieb er seither vieles schuldig. Wenn er spielen darf, bringt er sich mit kapitalen Fehlern – zuletzt in Genf – oft selbst um den Lohn. Gehört zu den wenigen Verlierern der Saison.
Markus Steinhöfer: 29 Einsätze, 2592 Spielminuten, 1 Tor. Ein dankbarer Spieler. Agiert sicher, ohne grossen Schnick-Schnack. Entgegen den Voraussagen vieler produzierte er auch in der Offensive viel Brauchbares. Wie Park auf links geht ihm auf der rechten Abwehrseite scheinbar nie die Puste aus.
Radoslav Kovac: 15 Einsätze, 1241 Spielminuten, 0 Tore. Sollte der neue Abwehrchef werden, da der Abgang von Abraham im letzten Sommer drohte. Dann blieb Letzterer und Kovac wurde zum Reservisten. Zeigte 2012 bessere Leistungen als im Herbst. Ihm ist hoch anzurechnen, wie er seine Rolle akzeptierte
Benjamin Huggel: 23 Einsätze, 1960 Spielminuten, 4 Tore. In der Vorrunde dank seiner physischen Präsenz und Führungsqualitäten einer der wichtigsten Spieler. Nachdem er sich im Winter zum Aufhören entschied, brachte Vogel ihn nicht mehr regelmässig. Noch einmal ganz wichtig im Cupfinal, als er zum 1:0 einköpfelte.
Gilles Yapi: 14 Einsätze, 859 Spielminuten, 0 Tore. Riss sich im zweiten Saisonspiel gegen Xamax das Kreuzband und verpasste so die ganze Vorrunde. Sein Startelf-Comeback gegen Servette war hervorragend. Am Ball ist der feingliedrige Ivorer eine Klasse für sich; was ihm fehlt, ist die Torgefahr.
Scott Chipperfield: 6 Einsätze, 135 Spielminuten, 0 Tore Gehört wegen vieler Verletzungen zu den Pechvögeln der Saison, seiner letzten von elf in Basel. Hatte in Lissabon seine Sternstunde, als er das 1:1 von Huggel mustergültig vorbereitete. Mit ihm verlässt ein Grosser den FC Basel.
Valentin Stocker: 14 Einsätze, 826 Spielminuten, 4 Tore. Hat nach der schweren Knieverletzung noch Anlaufschwierigkeiten. Zwar machte er nach der Genesung einige gute Spiele als Joker, doch als Titular konnte er noch nicht überzeugen. Die Vorbereitung auf die neue Saison wird ihn auf des Level der Kollegen heben.
Xherdan Shaqiri: 31 Einsätze, 2314 Spielminuten, 9 Tore. Der Mann für das Spektakel. Erzielte «nur» acht Tore, diese aber auf sehenswerte Weise (z.B. der Seitfallzieher in Luzern). «Shaq» war der Individualist im FCB-Gefüge, der immer wieder Spiele entschied. Seine Fussstapfen für Nachfolger Salah sind riesig.
Fabian Frei: 31 Einsätze, 1750 Spielminuten, 4 Tore. Licht in der Vorrunde, mehr Schatten in der Rückrunde. So lässt sich seine Saison zusammenfassen. Im Herbst spülte ihn die Erfolgswelle sogar in die Nationalmannschaft. Die Winterpause unterbrach seinen Lauf, seither ist er einer von vielen.
Cabral: 20 Einsätze, 976 Spielminuten, 1 Tor. Im Gegensatz zu Shaqiri ist er der Mann fürs Grobe. Hat das Ballgefühl nicht erfunden, ist dafür umso stärker als Abräumer. In dieser Saison stand ihm meist Huggel vor der Nase, in der neuen darf er auf mehr Einsätze hoffen. Auch Cabral ist ein pflegeleichter Spieler.
Stephan Andrist: 24 (7 für Thun) Einsätze, 552 Spielminuten, 6 (4) Tore. Der FCB kaufte ihn nach wenigen Spieltagen dem FC Thun weg. War ein Wunschspieler von Ex-Trainer Thorsten Fink, der ihm mehr Einsatzzeiten als Heiko Vogel gab. Ein ruhiger, eher scheuer Typ. Zu scheu für den Grossklub FC Basel?
Granit Xhaka: 24 Einsätze, 1597 Spielminuten, 1 Tor. Er übernahm Yapis Spielmacherposition im defensiven Mittelfeld. Von da an wurde endgültig klar, welch riesiges Talent er ist. Mit 19 Jahren war er diese Saison das Herz der Basler Mannschaft. Gladbach ist der nächste und kluge Schritt auf dem Weg nach oben.
Marco Streller: 30 Einsätze, 2498 Spielminuten, 13 Tore. So wertvoll wie in diesem Jahr war der Captain noch nie. Immer anspielbar, nur schwer vom Ball zu trennen und daraus folgend der beste Vorlagengeber der Schweiz. Wird nach Huggels Rücktritt als Führungsfigur noch wichtiger sein.
Alexander Frei: 31 Einsätze, 2640 Spielminuten, 24 Tore. 24 Tore in 30 Spielen, zum zweiten Mal in Folge Torschützenkönig der Super League, die Lebensversicherung des FC Basel. Da sind weitere Worte überflüssig. . .
Jacques Zoua: 26 Einsätze, 1555 Spielminuten, 7 Tore. «Zoua, Zoua, Zoua» tönt es von den Rängen, wenn der Publikumsliebling aus Kamerun trifft. War in dieser Saison der perfekte Joker, mit ihm erhielt das Spiel neuen Schwung. Am stärksten als Stürmer, doch dort sind Alex Frei und Streller gesetzt.
Kwang Ryong Pak: 12 Einsätze, 245 Spielminuten, 1 Tor. Der erste Nordkoreaner in der Super League hatte eine unauffällige Saison. Bis zum 4. April 2012, als er sein erstes und bisher einziges Tor in Lausanne erzielte. Hat beste körperliche Voraussetzungen für einen Stürmer. Kann sich hinter den Arrivierten optimal entwickeln.

Die bz unterzieht das FC Basel Meisterteam dem Leistungscheck: 25, Individualisten, vereint zu einem harmonischen und erfolgreichen Gefüge

Keystone

Die Mannschaft des FC Basel ist in Höchstform. Kein Zweifel, was der FCB leistet und geleistet hat ist grosse Klasse. Der 15. Meistertitel ist hoch verdient und auch die erneute Sicherung des Doubles ist dem Basler Club nicht so schnell nachgemacht.

Auch wenn der Cup-Final zur Zitterpartie mutierte, die Erfolgsserie des FCB mit der Niederlage gegen Servette abriss und die Krönung vor der offiziellen Meisterfeier misslang, kann Basel stolz auf seine Mannschaft sein.

Ein Geben und Nehmen

Das Team hat einen starken Zusammenhalt. Die Fans schätzen die Authentizität, die die Spieler auf dem Feld und auch privat ausstrahlen. Dies liegt zu einem grossen Teil auch an Trainer Heiko Vogel. Der Deutsche mit den roten Haaren und dem guten Humor hat die Mannschaft noch mehr zusammengeschweisst und sie gleichzeitig auf dem Boden gehalten.

Denn nach der ausserordentlich erfolgreichen Saison 2011/2012 hätten die Spieler auch abheben und das eigentlich Wichtige im Basler Fussball vergessen können: Die Stadt steht hinter ihrem FCB und das Team nimmt diese Unterstützung mit viel Wertschätzung entgegen. (swn/zam)