Basler Münster
Das Münsterbuch kostet 1,7 Millionen Franken

1000 Jahre nach der Weihung des Heinrichs Münsters ist ein aufwendiges Werk über den Bau geplant. Der Lotteriefonds zahlt daran eine Million Franken.

Tumasch Clalüna
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Die Geschichte des Basler Münsters wird aufgearbeitet. niz

Die Geschichte des Basler Münsters wird aufgearbeitet. niz

Das Basler Münster ist das Wahrzeichen der Stadt. Nicht erst seit gestern, sondern schon fast 1000 Jahre, denn am 11. Oktober 1019 wurde das so genannte Heinrichs Münster geweiht. Von diesem sieht man heute aber nicht mehr viel, abgesehen von einigen Bögen im Kreuzgang und anderen Basiselementen.

Das Münster, wie wir es heute kennen, wurde erst nach dem Erdbeben von 1356 so wiederhergestellt und äusserlich gar im 19. Jahrhundert noch einmal modifiziert, wie der kantonale Denkmalpfleger Daniel Schneller ausführt.

Keine aktualisierte Baugeschichte

Die letzte umfassende «Baugeschichte des Basler Münsters» erschien 1895. Seither klafft eine Lücke in der Geschichte der Schweizer Dombauten. Alle anderen mittelalterlichen Sakralbauten der Schweiz und Basels seien in den letzten Jahren eingehend behandelt worden, nur das Basler Münster, einziger Kaiserdom der Schweiz, sei bislang ausgelassen worden, beklagt Andreas Hindemann, Leiter der Münsterbauhütte. Nicht einmal das Bildmaterial sei systematisch geordnet, geschweige denn wichtige Quellen wie die Rechnungsbücher der Bauhütte veröffentlicht.

Deshalb gilt der grosse Dank dem Lotteriefonds Basel-Stadt, der mit einerMillion Franken die Grundfinanzierung des Münsterbandes garantiert, sowie der «Gesellschaft für Schweizer Kunstgeschichte (GSK)», in deren Reihe «Kulturdenkmäler der Schweiz» der Band erscheinen wird.

Benno Schubiger, Präsident der GSK betont, dass eine Million nach sehr viel Geld klinge. Die Gesamtkosten für eine achtjährige fundierte Aufarbeitung seien aber noch einmal rund eine halbe Million höher (insgesamt 1,7 Millionen), da ein Team von fünf Historikern aus dem In- und Ausland an dem Projekt beteiligt sei.

Was zählt ist die Forschung

Wichtiger als das Buch, das in acht Jahren am 11. Oktober 2019 erscheinen wird, sind aber die Erkenntnisse, welche die Historiker gewinnen werden, betont Baumeister Hindemann. Täglich müssten restauratorische Entscheidungen getroffen werden, für welche der Wissensstand teilweise mangelhaft sei. Die Arbeit der Bauhütte sei eine «Dokumentation im Sinne einer Krankengeschichte». Für historische Grundlagenforschung fehlten bislang Zeit und Geld. Dies ändert sich nun.

Und mit der kunsthistorischen geht auch eine machthistorische Aufarbeitung einher, erweitert der oberste Denkmalpfleger den Erkenntnishorizont. Schliesslich sei das Münster so etwas wie das Versailles von Basel gewesen, als Sitz des Bischofs, im Mittelalter noch Kirchenoberhaupt und Feudalherr.

Auf die Frage, ob eine solche Forschungsarbeit nicht eine Öffnung des gesamten Münsterhügels für eine moderne, urbane Nutzung bedrohe, verweist Denkmalpfleger Schneller auf das Standortmarketing. Jeder Platz solle seine angemessene, individuelle Nutzung erfahren. Den heutigen Kenntnisstand zum Hauptportal des Basler Münsters kann man ab 19.Oktober 2011 im Museum kleines Klingental begutachten.

Der Münsterband

Am 22. November erscheint in Rheinfelden der bereits 119. Band der Reihe Kulturdenkmäler der Schweiz. Damit ist ein Grossteil der Schweizer Kultur-Topografie abgeschlossen, die von der Gesellschaft für Schweizer Kulturgeschichte seit 1927 konsequent betrieben wird. Zu Basel sind in der Reihe bislang sieben Bände erschienen, zuletzt «Altstadt Grossbasel rechts der Birsig» von Martin Möhle. 2015 folgt die linke Seite und 2017 «Mittelalterliche Vorstädte» von Anne Nagel. Sie wird auch die Projektkoordination des Münsterbandes übernehmen.

Dieser wird rund 500 Seiten umfassen und sowohl in gedruckter als auch in elektronischer Form zu erwerben sein.