Musik-Theater
Das nächste Lied ist nur für Dich

Was passiert, wenn fünf Männer über Liebe reden? Die Regisseure Phil Hayes und Christophe Jaquet performen in der Kaserne Basel. Ihre Vorstellung ist weder ein Konzert noch ein Theater geworden.

Elena Manuel
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Alain Borek, Phil Hayes und Christophe Jaquet besingen die Liebe.

Alain Borek, Phil Hayes und Christophe Jaquet besingen die Liebe.

ZVG/Nik Spoerri

Nach dem mitreissenden Refrain wird es ruhig. Leise betritt der Frontsänger den Bühnenrand. Er stellt sich vor das Mikrofon und zeigt mit ausgestrecktem Finger in die Zuschauermenge: «Das nächste Lied ist nur für Dich.» Und Bäm! Sie rocken weiter. Die Frau in der ersten Reihe ist hellrot geworden. Mit solchen Ansagen sorgen Stars für feuchte Höschen.

Musiker kennen unzählige Strategien, um ihre Fans zu bezirzen. Ein alter Hase im Geschäft macht das so: Auf der Abschiedstournee erzählt er dem Publikum, dass er zum letzten Mal ein Konzert geben wird. Heute, hier und jetzt. Die Zuschauer sollen diesen exklusiven Moment feiern. Ein allerletztes Mal. Der Clou: Er sagt das jeden Abend, während der ganzen Tournee.

Was zunächst echt und einzigartig wirkt, entpuppt sich schnell als erfolgreiche Marketing-Strategie. Jeder Blick und Flirt mit dem Publikum ist inszeniert. Und dennoch fallen alle darauf rein. Oder sie geben sich gutmütig der Illusion hin. Es ist eine wahre Kunst, diesen «einen Moment» zu performen, in dem es nur um das Hier und Jetzt geht. Phil Hayes ist davon fasziniert — eine Faszination, die sich in mehreren seiner Regiearbeiten abzeichnet. Zuletzt war sein Stück «Legends & Rumours» in der Kaserne Basel zu Gast. Nun ist seine neuste Regiearbeit in Basel zu sehen.

Zusammen mit dem Lausanner Regisseur Christophe Jaquet und drei weiteren Performern entstand das neue Werk «Love & Happiness». Es ist weder ein Konzert noch ein Theater geworden. Wohl eher eine musikalische Performance. Ein Wettbewerb um Glaubwürdigkeit und Rederecht.

Für die Recherche zum Stück haben die beiden Regisseure viel über folgende Fragen diskutiert: Wie erzeugt man einen authentischen Moment auf der Bühne? Wie wirkt der Text eines Liedes besonders wahr? Bedarf es einer guten Geschichte, oder reicht eine tragende Melodie? Wie verändert eine berührende Ansage die Wahrnehmung der Zuschauer? Sind sie danach näher am Bühnengeschehen? Oder eher weniger überzeugt?

Als thematischer Aufhänger dienen ihnen die Liebe und das Glück. Ob das wohl gut geht, wenn Männer über Liebe sprechen? «Es war schwierig», sagt Phil Hayes. «Männer in unserem Alter reden nicht oft über Liebe, schon gar nicht wenn Männer unter Männern sind.» Auch wenn das Thema unangenehm persönlich ist, zeigen sich die fünf grosszügig. Es gibt keine territorialen Machtkämpfe oder Schlägereien um Groupies. Auch keine nachgestellten Sexszenen im Stück, erklärt Hayes. Es geht um die ganz persönlichen Geschichten der Performer. Ohne Persiflage und Ironie berichten sie mutig aus ihrem Gefühlsleben. Dabei verfolgt jeder eine eigene Strategie. Der amerikanische Musiker Christian Gibbs verpackt seine Geheimnisse zum Beispiel so: «This is a song about a friend of mine». Der Schauspieler Alain Borek so: «Ich habe geträumt, dass...».

Warum sie genau dieses Thema gewählt haben, lässt sich vielleicht damit erklären: Liebe hat mit Wahrheit zu tun. Liebe ist unberechenbar und vielseitig. Liebe kann nur im Augenblick sein, im Hier und Jetzt. Liebe ist somit das perfekte Sinnbild für Glaubwürdigkeit. Das ideale Thema um Illusion, Inszenierung und Wahrhaftigkeit gegeneinander auszuspielen.

Diese Woche wird Phil Hayes in der Kaserne Basel das Mikrofon zur Hand nehmen. Er wird leise den Bühnenrand betreten und dem Publikum in die Augen schauen. Er wird alles geben, denn vermutlich ist es das letzte Mal. Denn wer weiss. Wer weiss, was morgen kommt. Wer weiss, was uns das Leben noch so bringt. Vielleicht sind es Liebe und Glück.

Vorstellungsdaten: 23. und 24. April jeweils um 20 Uhr, in der Kaserne Basel.