Es muss ein Traum für jeden Club-Betreiber sein: Es kann so laut und so lange gefeiert werden, wie man will, und niemand beklagt sich, dass der Lärm störe. In Bern kennt man das bereits seit zwei Jahren: Möglich macht es ein Konzept zum Nachtleben, welches besagt, dass «Zonen für urbanes Wohnen» bestimmt werden, in der Lärmklagen einzelner Personen nicht zulässig sind. Denn Bern hat erkannt, dass das Nachtleben zur Kultur einer Stadt gehört.

Nicht so in Basel. Letzten Samstag wurde bekannt, dass der Nordstern und der Hinterhof Ende Jahr schliessen müssen (die bz berichtete). Beiden Klubs laufen die Mietverträge ihrer Zwischennutzungen aus. Hinzu kommt die Schliessung der «Garage» im Nachtigallenwäldeli beim «Acqua». Es sei «aus baulichen Gründen nicht mehr möglich, den Betrieb weiterzuführen», wie Betreiber Simon Lutz gegenüber «20 Minuten» sagt. Der Kuppel, die ebenfalls Lutz gehört, droht auch das Aus. Sollte bis Anfang 2017 nicht der längst geforderte Neubau stehen, ist Schluss. Dass gestern auch noch die Schliessung der «Lady Bar» per Frühling 2016 bekannt wurde, ist das Tüpfchen auf dem i. Denn damit machen im Laufe von rund einem Jahr einige der beliebtesten Lokale dicht.

Ein Verlust, den nicht nur Party-Gänger beklagen, sondern auch Philippe Bischof, Leiter Kultur Basel-Stadt: «Es ist natürlich sehr bedauerlich und ein Verlust für das Leben dieser Stadt, dass diese Klubs schliessen müssen.» Doch Bischof hat mit dem Berner Erfolgskonzept eine mögliche Lösung auf dem Tisch: «Es gab bereits letztes Jahr erste Recherchen zu einem Konzept zum Nachtleben, welche das Präsidialdepartement Basel-Stadt veranlasst hat.» Ausgangspunkt sei dort der Vergleich mit Städten wie Bern gewesen, wo solche Konzepte bereits angewandt werden. Denn, auch wenn es ein Zufall sei, dass gleich mehrere Klubs schliessen würden, «würde ein solches Konzept sehr viel Sinn machen. Die Schliessungen belegen meines Erachtens die Dringlichkeit eines solchen Konzeptes.»

Akzeptanz nicht vorhanden

Doch dieses Konzept enthält weit mehr Punkte als nur die Klärung einer geeigneten Zone in der Stadt: «Es beinhaltet auch Regelungen bezüglich Littering, Sicherheit und dem Einholen von Bewilligungen.» Ein wichtiger Teil sei auch die öffentliche Meinungsbildung. «Es geht uns um eine Mentalität, die begrüsst, dass das Nachtleben zu einer Stadt dazugehört und zwar aus kultureller, sozialer und ökonomischer Sicht.» Und genau diese Mentalität geht Basel ab.

Doch auch wenn diese Mentalität existieren würde, wäre das Thema nicht geklärt. Vielmehr ist das Problem, dass die Stadt nicht einfach umgezont werden kann, sondern es dabei «um komplexe Planungs- und Immobilienfragen geht». Eine explizite Lösung hat auch Bischof nicht zur Hand: «Ich weiss auch nicht, wo diese Zone sein soll, der Dreispitz ist zwar auf den ersten Blick ideal, aber je mehr Wohnraum dort entstehen soll, umso grösser könnten die Schwierigkeiten werden.» Anwohner wollen in der Regel keine Lärmstörungen.

Dieses Problem könnte am Hafen umgangen werden: «Dort entstehen demnächst weitere kulturelle Projekte. Deshalb drängt sich dieser Ort auf.» Ob sich aber entsprechende Immobilien und Infrastrukturen anbieten, müsse geprüft werden. Und auch wenn sich tatsächlich Plätze für neue Nachtclubs auf dem Hafen-Areal finden würden, sei eine Lösung von heute auf morgen nicht realisierbar. «Es gilt schon nur zu bedenken, was man punkto Verkehrsaufkommen und Sicherheit zu garantieren hat, wenn so viele Leute gleichzeitig an einen Ort wollen.»

Es gibt Ausnahmen

Während momentan diverse Clubs sterben, gibt es aber doch noch Betreiber, die sich keine Sorgen machen müssen: jene der «Balz» und des «Baltazar». In den Anfangszeiten ebenfalls Zwischennutzungen, konnten sie mittlerweile langfristige Pachtverträge abschliessen. «Das war eine der Bedingungen unsererseits, als wir ein zweites Mal in die Räumlichkeiten zwei Stockwerke weiter oben gezogen sind», sagt Matthias Seitz, Mitglied der Geschäftsleitung der beiden Lokale im Steinenbachgässlein. Das Clubsterben bedauert auch er, der selber immer wieder als Gast in den Nordstern geht: «Es ist sehr schade für den Nightlife-Standort Basel.» Schliesslich würden eine grössere Auswahl Alternativen eine Stadt auch immer attraktiver machen.

Doch bessern wird es sich wohl kaum in absehbarer Zeit, denn was das Konzept zum Nachtleben betrifft, sind schnelle Lösungen nicht zu erwarten. Bischof: «Der nächste Schritt ist, dass wir innerhalb des Departements abklären, wie wir nun konkret vorgehen. Für eine erfolgreiche Umsetzung brauchen wir breite Unterstützung in der Verwaltung und in der Politik, und wie gross diese zurzeit ist, wissen wir noch nicht.» So will er auch keine falschen Hoffnungen schüren. Denn: «Die tatsächliche Umsetzung eines Konzeptes zum Nachtleben ist wohl ein Mehrjahresprojekt.»