Corona-Virus

Das Nähkästchen in der Quarantäne: Die besten Plaudereien – garantiert distanziert

Unzählige Male haben prominente Persönlichkeiten der Region ihre Gesprächsstichwörter aus der hölzernen Box gezogen. Nun muss das Interview-Format pausieren.

Unzählige Male haben prominente Persönlichkeiten der Region ihre Gesprächsstichwörter aus der hölzernen Box gezogen. Nun muss das Interview-Format pausieren.

In den kommenden Wochen wird unsere beliebte Interviewserie gestoppt. Hier als Trösterli ein paar Highlights der vergangenen drei Jahre, seit es die Serie gibt.

Die Corona-Krise zwingt das Nähkästchen zu einer Pause. Seit drei Jahren entlockt es Prominenten aus der Region Geheimnisse, überraschende Erkenntnisse und Weisheiten. Wir blicken auf Höhepunkte zurück – und freuen uns bereits darauf, wenn das Nähkästchen wieder in Aktion tritt.

Normalerweise ist es ein Einfaches, eine Person für das Interview zu gewinnen. Nur wenige zierten sich. Zu ihnen gehört Eva Herzog, ehemalige Finanzdirektorin Basel-Stadt, heute SP-Ständerätin. Sie gebe keine privaten Interviews. Deshalb sagte sie dreimal «Nein» – und dann, im Herbst 2018, doch noch «Ja»:

Können Sie über sich selber lachen?

Nicht immer. Dabei ist das sehr wichtig. Es kommt halt auf die Person an, die mich triezt. Wenn die Basis stimmt, diese geprägt ist von gegenseitigem Respekt, ist es für mich kein Problem. Ich lache gerne – und viel.

Andrea Schenker-Wicki, Rektorin Universität Basel: «Den deutschen Rap von heute mag ich nicht, den finde ich eine Katastrophe. Die Texte sind furchtbar.»

Andrea Schenker-Wicki, Rektorin Universität Basel: «Den deutschen Rap von heute mag ich nicht, den finde ich eine Katastrophe. Die Texte sind furchtbar.» 

Diese Aussage dürfte für einige überraschend sein. Sie gelten als sehr ernsthafte Person.

Was die Inhalte meiner Arbeit anbelangt, bin ich das. Es bedeutet aber nicht, dass meine Art allgemein so ist. Beispiel: Während der Schulzeit habe ich oft Faxen gemacht, ich galt als Klassenclown. Aber die Finanzwelt, in der ich mich heute bewege, ist nun mal eine ernsthafte Angelegenheit. Deshalb ist wohl dieses Bild von mir entstanden in der Öffentlichkeit.

Auch Telebasel-Moderator Dani von Wattenwyl hat einen Ruf, dem ihm so gar nicht entspricht, wie er im Interview im April 2019 sagte:

Sie sind 46 Jahre alt. Können Sie überhaupt noch Party machen?

Natürlich nicht mehr so wie früher, aber ich kann schon noch festen. Da wundern sich viele: Sie denken, wer im Fernsehen die Nachrichten liest, der muss konservativ sein. Was auch oft passiert, ist, dass die Leute zu später Stunde zu mir kommen und mir sagen: «Du bist ja gar nicht so unsympathisch und arrogant, wie ich dachte.»

Monika Hungerbühler, Katholische Theologin: «In Bezug auf Genderfragen muss man leider sagen, dass der Papst keine Ahnung hat oder schlecht beraten ist.»

Monika Hungerbühler, Katholische Theologin: «In Bezug auf Genderfragen muss man leider sagen, dass der Papst keine Ahnung hat oder schlecht beraten ist.» 

Was führt dazu, dass man dieses Bild von Ihnen zu haben scheint?

Vielleicht denken die Leute so: Der hat ja kaum was erreicht, ist nur Nachrichtensprecher im Lokalfernsehen, und bildet sich trotzdem was darauf ein.

Andrea Schenker-Wicki eilt derweil ihrem Ruf voraus. Sie heisse «Speedy» in ihrer Studentenverbindung, wie die Rektorin der Uni Basel im März 2019 verriet. Bei ihr müsse immer alles sehr schnell gehen. Zur Ruhe kommt die Zürcherin nur im Zug:

Wie ist das Pendeln zwischen Zürich und Basel für Sie?

Ich vertrage es gut. Am Morgen bereite ich den Tag vor und am Abend auf der Rückfahrt studiere ich Akten oder höre Musik. Das kann ein Violinkonzert von Mozart sein, aber auch Supertramp, die ich sehr liebe. Oder Fleetwood Mac oder die Rolling Stones. Nur den deutschen Rap von heute nicht. Den hört mein Sohn und den finde ich eine Katastrophe. Die Texte sind furchtbar.

Das dürfte Johny Holiday von der Rap-Combo Brandhärd nicht gerne gelesen haben. Im Interview mit ihm ein Jahr zuvor war die Text-Problematik aber bereits ein Thema:

Ihre Töchter sind zwei und vier Jahre alt. Hip-Hop vermittelt ein zuweilen problematisches Frauenbild. Wird das eines Tages zu Diskussionen führen?

Schon möglich. Musik ist heute aber grundsätzlich sexualisiert, nicht nur Hip-Hop.

Werden Sie Ihre Töchter ermutigen, Hip-Hop zu machen?

Ja, wieso nicht? Es braucht als Frau ein dickeres Fell, sicher. Aber das braucht es auch als Mann.

-minu, Basler Stadtoriginal: «Die Kinder der Reichen dieser Stadt wählen heute nicht mehr bürgerlich, sondern links. Weil sie es sich leisten können.»

-minu, Basler Stadtoriginal: «Die Kinder der Reichen dieser Stadt wählen heute nicht mehr bürgerlich, sondern links. Weil sie es sich leisten können.»

Von dem dicken Fell kann Anita Fetz ein Lied singen. Die langjährige Basler Ständerätin (SP) gehörte zu den ersten in der Schweiz, die sich für Frauenrechte einsetzten:

Ist es jetzt für Sie nicht wie ein Schlag ins Gesicht, dass mit Donald Trump ein Sexist US-Präsident ist?

Im Gegenteil! Trump hat die Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung einsetzt, erstarken lassen. Weil Trump ihr den Spiegel vorgehalten hat, dass noch nicht alle Ziele erreicht sind. Er hat einen Politisierungsschub ausgelöst, wie ich ihn seit Jahren nicht mehr erlebt habe.

Das sagte Fetz im Mai 2017. Gleichberechtigung war im Nähkästchen-Interview danach immer wieder ein Thema, auch bei Monika Hungerbühler, katholische Theologin und Gastgeberin der Offenen Kirche Elisabethen. Sie drückte im Dezember 2019 ihren Frust darüber aus, dass eine Frau in der katholischen Kirche strukturell keine Handlungsmacht hat.

Wie gehen Sie damit um?

Ich stecke ich in einem ununterbrochenen Dilemma. Ich hatte immer gute Stellen, konnte viel Schönes tun. Trotzdem ist da eine strukturelle Ungerechtigkeit, die einfach bleibt.

Matthias Suhr, Direktor EuroAirport: «Privat verreise ich gerne und grösstenteils mit der Bahn. Beruflich fliege ich auch nicht viel, nach Paris nehme ich den Zug.»

Matthias Suhr, Direktor EuroAirport: «Privat verreise ich gerne und grösstenteils mit der Bahn. Beruflich fliege ich auch nicht viel, nach Paris nehme ich den Zug.»

Aber irgendwie müssen Sie sich doch zugehörig fühlen?

Ja, wegen der Menschen, die auch kämpfen. Und der Arbeit vor Ort. In der Seelsorge, in Projekten mit Flüchtlingen, mit Armutsbetroffenen. Wir haben immerhin einen Papst, der auf sozialer Ebene fortschrittlich ist. Aber in Bezug auf Sexualität, Geschlechterfragen und Gender muss man leider sagen, dass der Papst entweder keine Ahnung hat oder sehr schlecht beraten ist. Er ist ein typischer lateinamerikanischer Macho.

Mit dem Thema Gleichberechtigung hat sich auch der Basler Couturier Raphael Blechschmidt immer wieder auseinandersetzen müssen. Er habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass er homosexuell sei, sagte er im August 2017. Das habe sicher auch mit seinem guten Umfeld zu tun:

Wie hat es auf Ihr Coming-out reagiert?

Weder Familie noch Freunde oder Bekannte haben sich daran gestört. Das liegt sicher auch daran, dass ich niemals tuntig durch die Welt gehuscht bin. Das ist nicht meine Art, auch nicht jene meines Partners.

Sie sind seit 20 Jahren mit ihm zusammen. Gab es da schon romantische Briefwechsel?

Ja, besonders zu Beginn der Beziehung. Er war oft auf Konzerttournee, ich habe ihn schrecklich vermisst. Da habe ich meine ganzen Gefühle aufs Papier gebracht. Man sollte die Handschrift allgemein mehr pflegen. Ich verschicke hie und da handgeschriebene Dankeskarten oder Einladungen an meine Kundinnen. Das macht Eindruck.

Tanja Soland, Finanzdirektorin Basel-Stadt: «Fotos von mir sind nicht so toll. Wenn ich fotografiert werde, bin ich deshalb immer ziemlich angespannt.»

Tanja Soland, Finanzdirektorin Basel-Stadt: «Fotos von mir sind nicht so toll. Wenn ich fotografiert werde, bin ich deshalb immer ziemlich angespannt.» 

Einen Brief oder eine Karte von Hand zu schreiben, braucht allerdings Zeit. Etwas, das Kulturunternehmer und Floss-Kapitän Tino Krattiger Ende Juli 2017 definitiv nicht hatte:

Was ist der grösste Luxus für Sie?

Zeit. Nichts tun, sinnieren.

Das sagen doch alle.

In meinem Falle stimmt es. Ich hetze so oft durchs Leben. Nur September und Oktober nehme ich frei, vereinbare keine Termine. Dann ziehe ich mich zurück und bin nicht fremdbestimmt.

Das Zeitbudget der Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter ist auch knapp bemessen. Im allerersten Nähkästchen-Interview vom 4. März 2017 sprach die Biel-Benkemerin über Eitelkeit:

Sind sie eitel?

Um stundenlang vor dem Spiegel zu stehen, habe ich keine Zeit. Ich gehe nur vier Mal im Jahr zum Coiffeur, auch wenn ich mir das gerne öfter gönnen würde. Meine Hände sind auch nie maniküriert. Das lohnt sich nicht, da ich viel im Garten arbeite. Ich würde mich als selbstbewusst bezeichnen. Das muss man als Bundesparlamentarierin unbedingt sein.

Wie meinen Sie das?

Es ist leider immer noch so, dass Politikerinnen oftmals auf ihr Äusseres reduziert werden. Dass also nicht über Inhalte, sondern über den Kleidungsstil geredet oder gar gelästert wird. Dabei könnte man sich viel mehr über den Stil der Männer das Maul zerreissen.

Karli Odermatt, FCB-Legende: «Ich war hübsch. Man kannte uns, wollte uns überall dabei haben. Das ist auch ein Grund, weshalb ich geschieden bin.»

Karli Odermatt, FCB-Legende: «Ich war hübsch. Man kannte uns, wollte uns überall dabei haben. Das ist auch ein Grund, weshalb ich geschieden bin.» 

Was sind die grössten männlichen Fashion-Fauxpas in Bern?

Das reicht von ausgebeulten Anzügen aus dem Bestellkatalog über zu breite Schulterpolster bis hin zu Kurzarmhemden. Letztere sind ein absolutes No-Go! Hemden müssen langärmlig sein, und wenn es draussen warm ist, krempelt man die Ärmel hoch.

Die SP-Politikerin Tanja Soland wiederum, die neue Finanzdirektorin Basel-Stadt, outete sich im April 2017 als damalige Grossrätin als ziemlich fotografie-scheu:

Wann haben Sie letztmals Ihren eigenen Namen gegoogelt?

Das ist länger her. Aber ich habe es auch schon getan. Es war etwas erschreckend.

Wie bitte?

Es geht um Bilder. Fotos von mir sind einfach nicht so toll. Wenn ich fotografiert werde, bin ich immer ziemlich angespannt. Das sieht man dann wohl.

Als ein Mann mit weniger Berührungsängsten ist Solands Regierungskollege Hans-Peter Wessels bekannt. Im Interiew vom September 2018 überraschte er mit seiner sensiblen Seite:

Was macht eine gute Freundschaft aus?

Blindes Vertrauen. Dass man sich in seiner Andersartigkeit akzeptiert. Auch mal den anderen kritisieren darf, ohne etwas Schlimmes befürchten zu müssen.

Haben Sie viele enge Freunde?

Es sind eher wenige, dafür langjährige Freundschaften. Gewiss, ich kenne viele Leute und komme mit den meisten gut aus. Aber man darf das Private nicht mit dem Beruflichen verwechseln. Diesbezüglich war ich von Anfang an vorsichtig. Und deshalb wurde ich auch nie enttäuscht.

Bo Katzman, Baselbieter Musiker: «Ich bin manchmal fast zu grosszügig. Man kann mich leicht ausnutzen. Die Erfahrung hat mich vorsichtiger gemacht.»

Bo Katzman, Baselbieter Musiker: «Ich bin manchmal fast zu grosszügig. Man kann mich leicht ausnutzen. Die Erfahrung hat mich vorsichtiger gemacht.»

Enttäuschungen hat derweil der Baselbieter Musiker Bo Katzman mehr als genug erfahren müssen, wie er im September 2017 andeutete:

Sind Sie ein grosszügiger Mensch?

Ja. Manchmal fast zu grosszügig – man kann mich leicht ausnutzen. Die Erfahrung hat mich vorsichtiger gemacht.

In Bezug auf Freundschaften?

Genau. Deshalb sind immaterielle Geschenke wie ehrliche Freundschaften das Wichtigste für mich.
Für FCB-Legende Karli Odermatt wiederum scheint seine Familie die heilige Kuh zu sein – die alte und die neue:

Wie schwer war es, als Starspieler, den alle kennen, treu zu sein?

Junggeselle und Fussballer, das ist eine schwierige Geschichte. Ich war auch noch hübsch: gross, blond, blaue Augen. Man kannte uns, wollte uns überall dabei haben. Das ist auch ein Grund, weshalb ich geschieden bin. Meine erste Frau mochte den Rummel nicht. Aber ich pflege bis heute eine sensationelle Verbindung zu meiner ersten Familie. Meine Töchter verstehen sich bestens mit den beiden Söhnen aus zweiter Ehe.

Odermatt traf sich mit uns im Oktober 2019 zum Nähkästchen-Stelldichein. Bereits im April 2018 gab sich ein anderer Ex-FCB-Star die Ehre: Benjamin Huggel. Dabei kam heraus, dass er als Jugendlicher in einer Punk-Band Bass gespielt hatte.

Anita Fetz, Alt Ständerätin Basel-Stadt: «US-Präsident Donald Trump hat die Bewegung, die sich für Gleichberechtigung einsetzt, erstarken lassen.»

Anita Fetz, Alt Ständerätin Basel-Stadt: «US-Präsident Donald Trump hat die Bewegung, die sich für Gleichberechtigung einsetzt, erstarken lassen.»

Was stellen Sie sich schöner vor: In einem vollen Fussballstadion ein Tor zu schiessen oder als Rockmusiker auf der Bühne zu stehen?

Das Gefühl, ein selber geschriebenes Lied zu spielen, das Tausende mitsingen, das muss mega sein. Aber ein Tor zu schiessen ist auch sehr toll. Ich kann’s nicht vergleichen, da ich nur das Eine erlebt habe.

Besuchen Sie heute ab und zu Konzerte?

Selten. Mitten in Menschenmengen fühle ich mich unwohl. Ich werde halt immer noch von vielen erkannt. Kommt dazu, dass ich mit meiner Grösse ein ziemlich unbeliebter Konzertgänger bin, da ich allen die Sicht nehme.

Eine Grösse in der Basler Musikszene ist definitiv Danielle Bürgin. Als Musikchefin von Radio X, DJane und Festivalorganisatorin war es spannend, mit ihr im Sommer 2019 einen kulturellen Blick in die Zukunft zu wagen:

Wie wollen die Leute in ein paar Jahren ausgehen?

Gerade Junge äussern mir gegenüber den Wunsch nach familiärer Atmosphäre. Die Leute wollen Intimität, sich zu etwas bekennen – Teil einer Community sein. Deshalb funktionieren kleinere Lokale und Bars so gut in Basel.

Szene-Gastronomin Cécile Grieder, die Betreiberin der Grenzwert-Bar, fand derweil im Juni 2018 klare Worte zu lärmgeplagten Anwohnern:

Was gefällt Ihnen an der Basler Gastro- und Clubszene?

Dass das Leben zunehmend «uff dr Gass» stattfindet. In diesem Zusammenhang verstehe ich die Boulevard- Öffnungszeiten bis 22 respektive 23 Uhr nicht. Das hat für mich nichts mit einer Stadt zu tun – ein gewisser Pegel gehört zum Stadtleben.

Hans-Peter Wessels, Basler Bau- und Verkehrsdirektor: «Ich kenne viele Leute, komme mit den meisten gut aus. Aber man darf Privates nicht mit Beruflichem verwechseln.»

Hans-Peter Wessels, Basler Bau- und Verkehrsdirektor: «Ich kenne viele Leute, komme mit den meisten gut aus. Aber man darf Privates nicht mit Beruflichem verwechseln.»

Apropos Pegel: Was gibt es Besseres, als zum Feierabend ein gutes Glas Wein zu trinken? Hier kommt der Baselbieter Winzer Urs Jauslin ins Spiel, der im April 2017 das Interview gab:

Nicht zuletzt wegen Ihres Weltmeistertitels mit dem Pinot Noir Hohle Gasse gelten Sie als Star unter Schweizer Winzern. Wie steht es um junge Talente in der Region?

Die neue Generation ist sehr vielversprechend, etwa in Aesch oder Therwil. Die Weinregion Baselland hätte viel mehr Beachtung verdient. Sie weist nämlich eine der besten Rebenlagen in der Deutschschweiz auf. Das könnte man im Landschafts-Marketing mehr berücksichtigen und entsprechend bewerben.

Dani von Wattenwyl, Aushängeschild von Telebasel: «Vielleicht denken die Leute über mich: Der hat ja kaum etwas erreicht und bildet sich trotzdem etwas darauf ein.»

Dani von Wattenwyl, Aushängeschild von Telebasel: «Vielleicht denken die Leute über mich: Der hat ja kaum etwas erreicht und bildet sich trotzdem etwas darauf ein.»

Christoph Jenzer von Jenzer Fleisch und Feinkost versteht so Einiges von Marketing. Er bringt seine Goldwürste mit grossem Erfolg an die Frau und den Mann. Und überraschte uns im Herbst 2019 damit, dass er sich sehr viele Gedanken ums Klima mache:

Die Sorge ums Klima ist allgegenwärtig. Und damit der Vorwurf, Fleisch zu essen belaste das Klima.
Wenn man nur den Fleischkonsumenten die Schuld gibt, ist das falsch. Man sollte zuerst im eigenen Gärtchen rechen. Ich war im vergangenen Jahr in Malaysia in den Ferien – da gibt es riesige Palmölplantagen, wofür unsäglich grosse Flächen Regenwald abgeholzt wurden. Nur, damit wir hier unser Pflanzenfett bekommen. Das ist ökologischer Blödsinn.

Natürlich war das serbelnde Klima auch bei Matthias Suhr, dem Direktor des Euro-Airports, ein Thema. Und damit sein ökologischer Fussabdruck:

Wie oft sind Sie mit dem Flugzeug unterwegs?

Beruflich nicht viel. Ich habe oft in Paris zu tun, da nehme ich den Zug, weil die Bahnhöfe mitten in der Stadt liegen. Privat verreise ich gerne mit der Bahn.

Das stärkere Klimabewusstsein machte sich in den kantonalen Wahlen vom vergangenen Herbst bemerkbar. -minu hat das kommen sehen:

Basel ist noch mehr nach links gerutscht. Hat Dich das überrascht?

Nein, gar nicht. Die Kinder der ganz Reichen dieser Stadt wählen heute nicht mehr bürgerlich, sondern links. WEIL SIE ES SICH LEISTEN KÖNNEN. Wenigstens gehen die Jungen wählen. Mir ist das lieber als die träge Masse, die dies versäumt. Ich kenne so viele Leute, die «wäffele» ständig gegen die Regierung, gegen links – und dann verpassen sie den Wahltermin.

«Wäffele» –. das tun die Schnitzelbänggler Basels mit Vorliebe. Mit dem Mann hinter dem «Spitzbueb» haben wir vor wenigen Wochen darüber sinniert, wo die Grenzen der Satire liegen:

Was darf man heute überhaupt noch? Die Leute scheinen empfindlicher geworden zu sein.

Das sehe ich nicht so. Vielmehr ist ihr Humor differenzierter. Mit einem Blondinen- oder Schwobenwitz bringst Du heute keinen mehr zum Lachen.

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