Buchhandlung

Das Narrenschiff ist seit 40 Jahren auf Kurs

Petra Kiefer führt die Buchhandlung an der Steinentorstrasse mit Geist und Leidenschaft.

Petra Kiefer führt die Buchhandlung an der Steinentorstrasse mit Geist und Leidenschaft.

Die Buchhandlung des Schwabe-Verlags feiert ihr Jubiläum in schwierigen Zeiten. Frankenstärke, die Nähe zu Deutschland und das Onlinegeschäft machen dem Buchhandel zu schaffen. Buchhändlerin Petra Kiefer glaubt dennoch an die Zukunft des Narrenschiffs.

Der Duft von Kaffee und Papier liegt in der Luft. Die Buchhandlung Narrenschiff liegt seit ihrem Umzug 2012 an bester Lage an der Steinentorstrasse 11, gleich neben Theater und Schauspielhaus. Petra Kiefer ist stolz auf ihre Buchhandlung. «Wir haben Kunden aus Freiburg und aus Heidelberg, die extra wegen uns nach Basel kommen», schwärmt sie. Hier können sie im hellen Laden verweilen, auf dem Sofa in den Büchern schmökern und einen Kaffee trinken. «Diese Grosszügigkeit wird sehr geschätzt von den Kunden. Am Sortiment haben wir trotz unseres Umzugs überhaupt nichts verändert.»

Angefangen hat das Narrenschiff viel kleiner, 1976 im Hof der Schmiedenzunft. Dort gründete Bernadette Waldis mit der Unterstützung von 13 Gesellschaftern und Darlehensgebern eine Autorenbuchhandlung. Später stiess Grossrätin und Buchhändlerin Beatrice Alder dazu und führte das Geschäft ab 1989, bis sie es im Jahr 2000 an die Schwabe AG verkaufte. Im Jahr 2012 musste das Narrenschiff eine neue Bleibe suchen, weil die GGG die Räume im Schmiedenhof beanspruchte.

«Das Tor zu Schwabe», nennt Kiefer die neue Buchhandlung, idyllisch gelegen an dem kleinen Platz mit den hohen Linden um den Vierlindenbrunnen – zugleich mitten im Rotlichtviertel. «Die Ecke wurde durch Schwabe auch aufgewertet. Aber das gehört halt hier dazu. Die leicht geschürzten Damen fangen ja erst an zu arbeiten, wenn wir aufhören.»

Der älteste Verlag der Welt

Der Schwabe-Verlag hat seinen Hauptsitz gegenüber an der Steinentorstrasse 13, die Druckerei steht in Muttenz. Der Verlag ist der älteste der Welt. Alles begann 1488 im Ackermannshof in der St. Johanns-Vorstadt. Damals gründete der aus Unterfranken stammende Johannes Petri seine Offizin in Basel. Er hatte noch zu Lebzeiten Johannes Gutenbergs in Mainz die Buchdruckerkunst erlernt. Aus der Petrinischen Offizin wurde nach zahlreichen Besitzerwechseln 1868 der Verlag Schwabe. Im Obergeschoss der Steinentorstrasse 11 sind jetzt unter anderem der Zytglogge-Verlag, der Verlag Johannes Petri und das Marketing von Schwabe domiziliert. Das Ladengeschäft im Erdgeschoss dient auch als Repräsentationsraum. Kiefer arbeitet mit zwei Kollegen im Geschäft, im Sommer kommt erstmals eine Auszubildende dazu.

Die Buchhandlung ist auf Geisteswissenschaften spezialisiert. Vor allem Philosophie und Geschichte, aber auch Psychologie, Soziologie, Ethnologie und die Weltreligionen haben ihren Platz. Ein Schwerpunkt liegt ausserdem auf Literatur und Geschichte der Schweiz. «Dieser Schwerpunkt wird vom Publikum wahrgenommen und honoriert», sagt Kiefer.

Eine gut sortierte Lyrikabteilung und eine Auswahl aus dem eigenen Verlagsprogramm ergänzen das Angebot. «Wir pflegen auch eine Backlist, weg vom Mainstream und von Bestsellern, das wird auch sehr geschätzt von den Kunden.»

Seit 35 Jahren Buchhändlerin

Kiefer hat eine Lehre als Buchhändlerin in Badenweiler gemacht. Sie ist seit 35 Jahren Buchhändlerin, in der Buchhandlung Narrenschiff arbeitet sie seit 2008. «Hier arbeiten zu dürfen, ist schon ein wenig eine Ehre», sagt sie.

Dem allgemeinen Wandel im Buchhandel blickt sie trotz Turbulenzen optimistisch entgegen. «Der Buchhandel hatte seine besten Zeiten, als die Leute noch Bücher kaufen mussten.» Heute ist fast alles digital verfügbar, nicht nur der Onlinehandel ist eine Konkurrenz. Fachwissen kann sich jedermann auch aus dem Internet holen. Die Frankenstärke, die Nähe zu Deutschland und das Onlinegeschäft sorgen für eine schwierige Lage auf dem Markt.

«Als die Buchpreisbindung fiel, hat ein erstes Hauen und Stechen auf dem Buchmarkt angefangen», sagt Kiefer. Das müsse man mit Service, guter Auswahl und Freundlichkeit wettmachen. Die Zusammenarbeit mit den anderen unabhängigen Buchhandlungen in Basel schätzt Petra Kiefer. «Man hilft sich aus und pflegt ein kollegiales Verhältnis. Paradoxerweise ist es zwar als Fachbuchhandlung nicht einfach, man kann sich dafür aber auch besser absetzen und positionieren.»

Benannt ist die Buchhandlung übrigens nach dem frühneuzeitlichen Sittengemälde des Basler Humanisten Sebastian Brant aus dem Jahr 1494. Den humanistischen Geist will die Buchhandlung Narrenschiff auch in die Zukunft tragen.

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