Veranstaltungen am Wochenende
Das Naturhistorische Museum Basel: Wo Totes lebendig werden soll

Präparatoren gewähren im Naturhistorischen Museum Basel Einblick in einen Beruf, der irgendwo zwischen Handwerk und Kunst schwebt.

Oliver Spiess
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Alisa M. Hecke und Julian Rauter sprachen mit unzähligen Präparierenden über ihr Verhältnis zu ihrer Tätigkeit.

Alisa M. Hecke und Julian Rauter sprachen mit unzähligen Präparierenden über ihr Verhältnis zu ihrer Tätigkeit.

Gustav Franz

«Landläufig heisst es Ausstopfen, aber eigentlich ist es Kunst.» Diese Menschen schaffen Werke, die von unzähligen Leuten jahrelang bestaunt werden. Die Rede ist von Präparatorinnen und Präparatoren, die Tierkörper für die Nachwelt erhalten, das Zitat stammt von der Theatermacherin Alisa M. Hecke. Sie bespielt seit gestern einen Teil des Naturhistorischen Museums Basel mit ihrem Kollegen Julian Rauter.

Gemeinsam geben sie Einblick in eine Tätigkeit, die kunstvoller ist, als sie vielleicht zu sein scheint.
Angefangen hat die Recherche der beiden Theaterschaffenden vor etwa drei Jahren in der Präparationssammlung eines Museums.

Sie waren fasziniert von der Gratwanderung zwischen Leben und Tod, welche die Präparierenden bei jedem Werk von neuem bestreiten: Obwohl die Tiere tot sind, sollen sie eine möglichst starke Lebendigkeit ausstrahlen. Nicht viel anders als im Theater, wo fingierte Geschichten und Personen real werden sollen, fanden die beiden Kunstschaffenden und machten sich auf eine Tour durch die Museen Deutschlands und der Schweiz.

Die Kunst, die von persönlichen Handschriften nichts wissen will

An die Arbeit machten sich Hecke und Rauter mit einer These: «Die Tierpräparation ist eine Kulturpraxis, die versucht, sich dem Verfall und dem Vergessen zu widersetzen.» Bestätigt hat sich diese schnell; unterstrichen wird sie auch in der Aussage einer Präparatorin aus Düdingen: «Wir wollen alles, alles erhalten – nicht für ein Leben danach, aber für die Zukunft.» Die Präparate seien aber nicht nur Objekte der Erinnerung, sie stünden gleichsam für den Verlust, wie Rauter betont. Auch in Basel seien jetzt schon ausgestorbene Tierarten zu sehen, es stelle sich nur die Frage: Welche anderen Arten werden in Zukunft ebenfalls nur noch als ausgestopfte Erinnerungen existieren?

Das sind Fragen, die sich Alwin Probst, Chefpräparator im Naturhistorischen Museum, während des Arbeitens nicht stellt. Dann zähle nämlich vor allem eines: Das Präparat müsse so realistisch aussehen wie möglich. Dies ist es auch, was jene Kunstform so speziell macht. Gefragt sind keine persönlichen Handschriften oder das schönste Modell, es zählt einzig die möglichst exakte Übereinstimmung mit der Wirklichkeit. Doch an die Perfektion komme niemand heran.

Deshalb würde Probst es auch nie wagen, ein ganz bestimmtes Tier wie etwa eine Hauskatze zu präparieren: «Ein Bauer kann jede einzelne seiner Kühe unterscheiden», sagt er. Aber für jemanden, der diese Tiere nicht tagein, tagaus sehe, sei dies unmöglich: «Dafür haben wir Menschen einfach den Blick nicht.»

Präparierte Tiere als Zeugen des Zeitgeistes

So klar das Ideal der Präparierenden ist, so verschieden sind die Wahrnehmungen. An Präparaten lasse sich auch immer das Verhältnis zwischen den Tieren und den Menschen der jeweiligen Zeit ablesen, erzählt Probst. So seien früher Adler in möglichst furchteinflössender Haltung dargestellt worden: «Als wollten sie gleich ein Baby fressen», schmunzelt der Präparator.

Und diese so vermittelten Bilder hätten natürlich wiederum einen Einfluss auf die Vorstellungen, welche die Menschen sich von diesen Tieren machen: «Unser Höhlenbär in Basel ist wohl für eine gesamte Basler Generation das Sinnbild schlechthin für diese Art», so Probst.

Nach all den Interviews, die Hecke und Rauter für ihre Audioinstallation mit unzähligen Präparierenden über ihr persönliches Verhältnis zu ihrer Tätigkeit geführt haben, sind sie schon fast selbst Expertin und Experte: «Manchmal unterhalten wir uns jetzt in Präparatorzitaten», sagt Hecke und lacht.

Audioinstallation L/Imitation of Life

Ab Freitag, 25.9.2020, bis Sonntag, 29.11.2020, dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr, Eintritt ab fünf Franken, Naturhistorisches Museum Basel

www.nmbs.ch

Die Veranstaltungstipps der bz-Redaktion

Ludwig Tieck, Des Lebens Überfluss

Ludwig Tieck, Des Lebens Überfluss

zvg

Der leidige Überfluss des Lebens

Die Tochter eines adeligen Mannes vereint sich gegen dessen Willen mit einem mittellosen Diplomaten, um vor den Zwängen der Gesellschaft in die Selbstgenügsamkeit zu flüchten. «Des Lebens Überfluss» des deutschen Autors Ludwig Tieck ging in die Literaturgeschichte ein und wird heute Freitag von Volker Ranisch inszeniert.

Freitag 19.30 Uhr, Dichtermuseum, ab 10 Franken

www.dichtermuseum.ch

Kulturfestival auf dem Dreispitz

Kulturfestival auf dem Dreispitz

zvg

Kulturfestival auf dem Dreispitz

Zum neunten Mal laden 14 Basler und Baselbieter Kulturinstitutionen zur Oslonight auf dem Dreispitz. Das Gebiet rund um die Oslo-Strasse wird zum Kulturfestival-Gelände, ab 16 Uhr können diverse Ausstellungen, Performances, Führungen und Workshops besucht werden. Im Club Elysia steigt ab 23 Uhr die grosse Afterparty.

Samstag ab 16 Uhr, Dreispitz, Eintritt frei

www.oslonight.ch

Kulturscheune zu Gast bei Bruder Klaus

Kulturscheune zu Gast bei Bruder Klaus

zvg

Kulturscheune zu Gast bei Bruder Klaus

Marcelo Nisinman und Maja Lisac Barroso treten heute im Rahmen von «Kulturscheune zu Gast bei Bruder Klaus» auf. Sie bespielen mit Saxofon und dem Akkordeon verwandten Bandoneon die Kirche Bruder Klaus. Das Duo steht für eine immer wieder Regeln brechende Fusion aus Kammermusik, Tango und Barockmusik.

Freitag 20.30 Uhr, Bruder-Klaus-Kirche, ab 20 Franken

www.kulturscheune.ch

Läufelfinger Gips-Union

Läufelfinger Gips-Union

zvg

Erinnerungen an die Läufelfinger Gipsi

Seit 2019 ist mit der Gipsgrube in Zeglingen die letzte ihrer Sorte in der Region Basel aufgefüllt worden. Der Gipsabbau hat hier eine lange Geschichte: Schon im 15. Jahrhundert wurde in Zeglingen abgebaut. 1904 übernahm die Läufelfinger Gips-Union den Abbau. Das Silo12 blickt in seiner Ausstellung auf diese Tradition zurück.

Sonntag ab 11 Uhr, Silo12, Eintritt frei

www.silo12.ch

Carlos Martínez

Carlos Martínez

zvg

Pantomimischer Streifzug durch die Zeit

Im Theater Palazzo tritt der spanische Pantomime Carlos Martínez auf. Das Jubiläumsprogramm «Time to Celebrate» zur 25-jährigen Bühnenpräsenz ist in zwei Teile gegliedert: Im ersten Teil stellt der Künstler seine bekanntesten Stücke vor, in der zweiten Hälfte begibt er sich humoristisch auf einen philosophischen Streifzug zum Thema Zeit.

Freitag 20 Uhr, Theater Palazzo, ab 15 Franken

www.palazzo.ch

Literaturspur

Literaturspur

zvg

Den Basler Einflüssen des Dada auf der Spur

Als Wiege des Dadaismus gilt Zürich, wo sich ab 1916 eine Gegenströmung zur damals konventionellen Kunst formierte. Inspirieren liess sich Mitbegründer Hugo Ball aber auch in Basel. Deshalb lädt der Verein Literaturspur zu einem literarischen Spaziergang durch Basel, der Treffpunkt wird nach Anmeldung bekannt gegeben.

Samstag 17 Uhr, Basel, 30 Franken

www.literaturspur.ch

Der grosse Marsch

Der grosse Marsch

zvg

Auflehnung gegen die Unmöglichkeit

Es ist seine zehnte Inszenierung, mit der das Basler Unitheater die Lysbüchelhalle bespielt. «Der grosse Marsch» thematisiert die Unmöglichkeiten, die uns das Leben vermeintlich in den Weg legt. «Scheinbar undurchführbare Regieanweisungen» unterstreichen das Konzept der Bühne als Ort, an dem Wirklichkeit und Fiktion kollidieren.

Freitag und Samstag 20 Uhr, Lysbüchelhalle, ab 15 Franken

www.unitheater.ch

«Räumliche Transparenz»

«Räumliche Transparenz»

«Räumliche Transparenz»

Die Transparenzen des Raumes

Welchen Einfluss hat das Licht auf unsere Wahrnehmung des Raumes? Wie transparent ist das, was wir zu sehen glauben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Künstlerin Marguerite Hersberger in ihrer Ausstellung «Räumliche Transparenz». An der heutigen Vernissage wird die Malerin und Plastikerin selbst vor Ort sein.

Freitag bis Sonntag ab 14 Uhr, Rappazmuseum, Eintritt frei

www.rappazmuseum.ch

Barfüsserkirche

Barfüsserkirche

Nicole Nars-Zimmer

Hommage an den Letzten seiner Art

Der 2020 gegründete Basler Musikverein «Rerenaissance» hat sich die «Wiederbelebung der frühen Musik», der Renaissance, zum Ziel gesetzt. So organisiert er jeden letzten Sonntag im Monat ein stündiges Konzert. Diesen Sonntag ehren sie den letzten Spruchsänger der Geschichte, Michel Beheim, der in den 1470er-Jahren verstarb.

Sonntag 17.15 Uhr, Barfüsserkirche, Kollekte

www.rerenaissance.ch

Exotic Sissach

Exotic Sissach

Exotic Sissach

Offene Tür zu exotischen Vögeln

Fast seit sechzig Jahren existiert der Vogelverein «Exotic Sissach», seit fünf Jahrzehnten steht die grosse Voliere am Ufer der Ergolz bei der Sissacher Allmend. Diesen Sonntag können die über 300 Vögel, die 20 verschiedenen Arten angehören, am Herbstfest beschaut werden. Zudem werden Konzerte und Festwirtschaft angeboten.

Sonntag ab 11 Uhr, Exotic, Eintritt frei

www.exotic-sissach.club

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