Basler Medien

Das neue Basler Online-Medium: Eine Vision mit unklaren Konturen und noch ohne Macher

Das sind die Köpfe hinter dem neuen Basler Online-Medium.

Das sind die Köpfe hinter dem neuen Basler Online-Medium.

Die Basler Stiftung für Medienvielfalt hat entschieden. Nicht ein neues «Stadtmagazin», das von der verbliebenen Redaktion der eingestellten «Tageswoche» entwickelt worden ist, sondern ein neues Online-Medium unbekannten Namens wird die kommenden drei Jahre mit jährlich einer Million Franken unterstützt.

Andreas Miescher, Präsident des Stiftungsrats, sagt, das Gremium habe sich den Entscheid lange und sorgfältig überlegt, doch schliesslich habe es das leichter zugängliche und eher zukunftsträchtige Online-Medium dem weniger für ein breites Publikum bestimmten Printmedium vorgezogen. Keine Rolle hat offenkundig ein drittes Projekt gespielt, das sich ebenfalls um die mäzenatischen Mittel der Geldgeberin Beatrice Oeri beworben hatte.

Der Entscheid wurde den Parteien am Montagnachmittag eröffnet und per Medienmitteilung um 19 Uhr verbreitet. Doch auch am Tag danach sind die Konturen des neuen Mediums unscharf, das den Medienplatz Basel beleben soll. Bekannt sind zwar die Männer im Hintergrund, die sich als Väter des Mediums werden vorstellen können, sollte es Erfolg haben. Unbekannt ist jedoch sowohl, wer die eigentliche journalistische und verlegerische Arbeit vollbringen soll, als auch, wie die finanziellen Rahmenbedingungen des Mediums sein werden.

Das Erbe für «Rettet Basel»

Als Gründungsvater wirkte im Hintergrund der Kulturaktivist und Schriftsteller Guy Krneta, der schon die Aktion «Rettet Basel» ins Leben gerufen hatte und nach der Einstellung der «Tageswoche» sogleich den Verein Medienzukunft Basel gründete, der kurz vor Weihnachten Erbansprüche für die Stiftungsmillionen anmeldete.

Als Konzepter engagierte Krneta Matthias Zehnder, einen Medienwissenschafter und Publizisten, der die Coop-Zeitung wie auch die bz als Chefredaktor führte. Zehnder hatte eine «Leerstelle» geortet: Das Medium werde den Bewohnern der Region zum Frühstück auf dem Tablet alle relevanten Themen servieren. Operativ werde er nicht aktiv werden, sagt Zehnder, der hauptberuflich die Kommunikation der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt betreut.

Gleiches gilt für Hansi Voigt, der «Watson» gründete, nun für eine Online-Plattform unabhängiger Medien weibelt und dazu den schweizerischen Verband Medien mit Zukunft mitinitiierte. Sein Interesse gilt der Vernetzung des Basler Projekts mit gleichartigen Initiativen in anderen Regionen.

Die Stiftung auf Distanz

Miescher ist mit der Stiftung für Medienvielfalt lediglich Geldgeber. Anders als bei der «Tageswoche», die der Stiftung gehörte, wird sie sich nicht an der Firma beteiligen, die das neue Medium herausgeben wird. Noch bescheidener als bei der «Tageswoche» wird entsprechend die Verantwortung der Stiftung beim neuen Medium sein, dafür gönnt sie sich mit Gabi Mächler neu eine Geschäftsführerin.

In teilaktiver Rolle ist einzig Manuel Bertschi. Der Basler Jurist hat als Geschäftsführer des Vereins Fairmedia gearbeitet, eine Gründung von Krneta und des Basler SP-Nationalrats Beat Jans. Sie erfolgte im Nachgang zu aggressiven Berichten der «Basler Zeitung» und verfolgt mit mässigem Erfolg das Ziel, potenzielle Medienopfer zu beraten. Bertschi, der jüngst bei der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard angeheuert hat, ist Präsident des Vereins Medienzukunft Basel, dem künftigen Förderverein des neuen Mediums, und deshalb sein offizieller Sprecher.

Auf konkrete Fragen hat Bertschi keine konkreten Antworten: Das Budget des neuen Mediums bleibt so unbekannt wie der Personalbestand. Vor den eidgenössischen Wahlen im Herbst soll jedoch gestartet werden. Vielleicht erfolge der Start auch über einen einfachen Newsletter. Denn darüber, wie der Online-Auftritt aussehen soll, bestehen noch keine Vorstellungen, sagt Voigt.

Bertschi spricht von einem «Vollangebot», das schrittweise aufgebaut werden soll. Einige Medienschaffende hätten ihr Interesse angemeldet oder seien angefragt worden, jedoch in ungekündigter Stellung und deshalb nicht kommunizierbar. Gesucht ist zudem eine Geschäftsführung. Diese hat die Firma aufzubauen, die dereinst das Medium verantworten wird, ausserdem soll sie bei weiteren Stiftungen und über Crowdfunding die zusätzlichen Mittel einwerben, die für einen Durchstart vonnöten sind. Denn die Stiftungsmillion allein wird nicht reichen.

Eine halbe Million obendrauf

In Eile und unter Druck sind die Männer im Hintergrund nicht. Auf den einen oder anderen Monat kommt es nicht an, bestätigt Stiftungspräsident Miescher. Und Geld ist seit dem Stiftungsentscheid vorhanden, wie Miescher bestätigt: Zusätzlich zu den jährlichen Betriebsmitteln von einer Million überweist die Stiftung eine Anschubfinanzierung in der Höhe von einer halben Million.

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Das letzte Zucken der «Tageswoche» – ein Magazin in den Startlöchern

Es fehlte nur eine Kleinigkeit, sonst steht alles bereit. Das Konzept des «Stadtmagazins» ist ausformuliert. Monatlich soll es mit hintergründigen Geschichten aufwarten. Das Team, bestehend aus ehemaligen «Tageswoche»-Redaktoren, ist motiviert und mischt sich als politische und gesellschaftliche Influencer auf den Social-Media-Kanälen tagesaktuell in Debatten ein.

Bis zuletzt stand die Erwartung, dass die Stiftung Medienvielfalt nicht nur die Projektphase des «Stadtmagazins» finanzieren würde, sondern auch das Magazin selbst. Doch daraus wird nun nichts. Die eine Million jährlich hat die Stiftung anderweitig vergeben. Das «Stadtmagazin» bleibt damit Projekt, dabei fehlte nur diese Kleinigkeit. Ausser, es erbarmt sich eine andere Stiftung und macht das Geld locker. Das Team stünde bereit.

Autor

Christian Mensch

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