Schaufahren
Das neue Basler Rheinschiff ist noch mini

Im Eglisee war ein Modell des Schiffs zu sehen, das die Basler Personenschifffahrt anschaffen will.

Lea Salzgeber
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Modell Unser Schiff
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Modellbauer Theo MAurer

Modell Unser Schiff

zVg

Modellbauer Theo Maurer ist stolz auf sein neustes Werk. Im Auftrag der Basler Personenschifffahrt sei er «wie im Mittelalter» vorgegangen. Noch bevor das neue Rheinschiff überhaupt in Bau ist, hat er anhand der Pläne ein Holzmodell im Massstab 1:40 angefertigt. Eine Spezialität Maurers. «Ich baue gern Schiffe, die es nicht gibt», sagt der gelernte Uhrmacher. Er meint damit Modelle, für die keine vorgefertigten Bausätze existieren.

Mehr als 1300 Stunden Arbeit

Der Aufwand dafür ist enorm. Über 1300 Stunden hat Maurer bereits in den Bau investiert. Er ist noch nicht fertig. Alleine das Abschleifen des Rumpfs dauerte mehrere Wochen. Wenn er aufzählt, welche Details an dem rund 1,75 Meter langen Schiff noch fehlen, wird klar, wie viel Wert er auf die originalgetreue Ausführung legt. So will er neben Korbstühlen und Tischen auf Deck auch noch den im Original vorgesehenen Lift für Rollstuhlfahrer einbauen.

Die Liebe zum Detail scheint essenziell für die Faszination Modellbau. Das bestätigt auch der Präsident des Basler Modell-Schiffbau-Clubs, Gustav Albiez, der das alljährliche internationale Schaufahren im Gartenbad mitorganisiert. Bereits als Siebenjähriger hat er mit dem Modellbau begonnen und seither Hunderte von Stunden in das aufwendige Hobby investiert. Heute ist der Elektroniker beim Bau von Segelbooten im Miniaturformat angelangt. Sie kommen ohne Motor aus und lassen sich durch den elektronischen Zug an Seilen fernsteuern.

Albiez kennt sich auch mit Schiffen im Originalformat aus und war bereits auf einigen Segeltörns. Er stellt dabei keine Ausnahme dar, wie Modellbauer Wolfgang Hansen zeigt: «Ich bin auf Schiffen gross geworden», sagt er. Hansen ist an der Nordsee aufgewachsen und war früher selber Besitzer eines Schiffes im Grossformat. An diesem Wochenende stellt er seine imposanten Nachbildungen von historischen Segelschiffen aus. Darunter eine Mini-Replika der Jacht des deutschen Kaisers von 1908 – sie habe ihn ganze 8000 Stunden Arbeit gekostet.

Auch fahren müssen sie

Neben der möglichst genauen Nachbildung ist den Modellbauern wichtig, dass ihre Schiffe auch fahrtüchtig sind. So demonstriert Theo Maurer am Samstag beim Schaufahren, wie sich sein Modell des Rheinschiffs mit dem Projektnamen «Unser Schiff» auf dem Wasser verhält. Im Schwimmbecken des Frauenbads Eglisee gleitet das Boot mühelos über das chlorierte Wasser. Wie dereinst das Original verfügt das Schiff über drei Motoren und ist laut Maurer nicht einfach zu steuern. Davon merkt man als Zuschauer aber nichts.

Bis das Vorbild für Maurers Modell seine Runden auf dem Rhein dreht, soll es noch bis zum Frühling 2018 dauern. Der Bau soll erst im März des nächsten Jahres im österreichischen Linz beginnen. Mit 70 Meter Länge wird die Originalversion der am Wochenende gezeigten Miniatur das grösste Schiff der Basler Personenschifffahrt sein.