Stadtentwicklung
Das neue Einfallstor zur Stadt: So wertet der Baloise-Park den Basler Bahnhof auf

Dieser kompakte Jahrhundertbau prägt das neue Stadtbild am Basler Bahnhof.

Andreas Schwald
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Drei neue Giganten, eng beieinander: Das Hochhaus von Miller&Maranta, das Baloise-Ausbildungszentrum von Valerio Olgiati und der neue Hauptsitz des Konzerns von Diener&Diener (von links).
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Wieder ein neues Hochhaus, wieder ein neuer Blick über die Stadt am Rheinknie.
Baloise-Park

Drei neue Giganten, eng beieinander: Das Hochhaus von Miller&Maranta, das Baloise-Ausbildungszentrum von Valerio Olgiati und der neue Hauptsitz des Konzerns von Diener&Diener (von links).

Kenneth Nars

Lange haben die Baufirmen nicht mehr Zeit. Im Frühsommer dieses Jahres soll der Baloise-Park eröffnet werden. Es ist der Jahrhundertbau einer Versicherung, die den Namen ihrer Mutterstadt trägt, und ihres Verwaltungsratspräsidenten Andreas Burckhardt. Die drei sich eng aneinander schmiegenden Bauten dreier Architekten markieren das neue Einfallstor zur Stadt am Rheinknie. Die dichte Bebauung hat ihren Zweck: Sie schafft Kompaktheit und lässt Raum für je eine Piazza vor und hinter dem Hochhaus.

Entworfen wurden die Bauten von drei Schweizer Büros. Das Hochhaus der Basler Miller&Maranta, der neue Hauptsitz an der Nauenstrasse von Diener&Diener – ebenfalls aus Basel – sowie das Ausbildungszentrum des Bündners Valerio Olgiati. Baulich sind alle drei eine Herausforderung: Während Olgiati mit seinen exakten Sichtbeton-Strukturen den beteiligten Firmen eine sprichwörtliche Uhrmacherpräzision abverlangte, simuliert Roger Diener einen venezianischen Palazzo. Vorne opulent, hinten schlicht und dazu ein optischer Trick: Dank der Fassadenstruktur wirkt das Haus vierstöckig, obwohl es doppelt so gross ist. Der Turm von Quintus Miller wiederum mutet im Gegensatz zum benachbarten BIZ-Turm und dem Meret-Oppenheim-Hochhaus nicht nur filigran an, er ist von innen auch atemberaubend hell. Bis in den 16. Stock wird er vom Mövenpick-Hotel betrieben. Alles darüber wird vermietet, auch das oberste Geschoss mit 360-Grad-Aussicht. Baloise wird dort keine Büroflächen beziehen, der Turm soll ein Anlageobjekt bleiben.

Rund 350 Millionen Franken verbaut der Konzern; allein der Turm mit seinen über 260 Hotelzimmern kostet 150 Millionen Franken. Dafür entsteht Raum für 1300 Arbeitsplätze. Das sind rund 700 weniger als im Roche-Turm Bau 1, der sich von den oberen Hotelgeschossen bestens betrachten lässt.

«Diese Lage hat grosses Potenzial»

Reto Kocher, Direktor des neuen Basler Mövenpick-Hotels, äussert sich im Interview zu Potenzial und Zielen am Standort Bahnhof Basel.

Herr Kocher, das Mövenpick-Hotel soll 5-Sterne-Standard haben, doch als eigentliches Fünfsternehotel wollen Sie es nicht bezeichnen – was wird es denn nun?

Reto Kocher: Wir sehen uns als modernes Businesshotel im Premiumsegment. Wie viele andere internationale Ketten richten wir uns nicht mehr an die eigentliche Sterne-Klassifizierung.

Wer gehört zur Zielgruppe?

Wir sind ein Hotel für alle. Natürlich werden Geschäftsreisende einen grossen Teil ausmachen. Ergänzt werden diese Gäste durch Kongress- und Messebesucher, aber auch durch den Freizeittourismus. Basler Fasnacht, Swiss Indoors, Baloise Session, Basel Tattoo: Reisende aus diesem Segment werden wir sicher auch ansprechen, denn das sind wertvolle Events für die Stadt und ihre Umgebung. Das Basel Tattoo zum Beispiel ist während der Sommermonate wichtig für die Stadt.

Sie waren als Managing Director schon beim Grand Hotel Les Trois tätig, jetzt sind sie am Bahnhof: Wie fühlt sich dieser Wechsel an?

Die Zeit im Trois Rois am Rhein war wunderschön und spannend. Hier am Bahnhof befinden wir uns jetzt quasi im Business District, sind sehr gut auch an den Flughafen angebunden. Das ist schon etwas anderes, hat aber seine Standortvorteile.

Das Trois Rois spielt sternemässig zumindest in derselben Kategorie. Ist das Mövenpick-Hotel eine Ergänzung oder Konkurrenz?

Ich habe den Eindruck, dass sich beide in Basel gut ergänzen werden. Das Trois Rois ist eine Institution, ein Grand Hotel mit langer Geschichte. Es gehört einfach zu Basel. Wir aber bieten ein differenziertes, modernes Produkt mit hohem Standard. Das fehlte bisher.

Wie verankern Sie sich lokal?

Es ist uns wichtig, dass sich alle bei uns im Hotel willkommen fühlen. Besonders und gerade auch die lokalen Bevölkerung. Dieser Ort an dieser Lage ist so stark besucht von Tausenden, die hier arbeiten, wohnen und pendeln. Wir wollen alle diese Menschen aus der direkten Umgebung mit unseren Konzepten ansprechen und sie bewirten.

Basel hat zurzeit eine spezielle Ausgangslage: Das traditionelle Messegeschäft ist angeschlagen, dafür boomen Kongresse. Wie beurteilen Sie das Potenzial am Standort?

Das Potenzial ist vorhanden. Wir ersetzen ja auch Volumen, das mit dem Hilton-Rückbau verschwunden ist. Man darf nicht ausser Acht lassen, dass das Messegeschäft immer noch stark ist. Die Pharma-Branche ist ein grosser Treiber, sie haben die Kongresse erwähnt und eben: Auch Events spielen eine grosse Rolle.