Wirtschaft
Das neue Forschungszentrum von Roche: So wird der Milliardenbau für Basel, der die Weltelite locken soll

Der Grundstein ist gelegt: Das 1,2 Milliarden Franken teure Forschungszentrum von Roche an der Grenzacherstrasse stellt finanziell selbst den Turm-Bau 2 in den Schatten. Ende 2023 soll Eröffnung sein, Platz bietet es für rund 1800 Mitarbeitende.

Andreas Schwald
Merken
Drucken
Teilen
Forschungszentrum Roche
15 Bilder
Roche-CEO Severin Schwan nutzte die Gelegenheit für politische Statements – jetzt, wo er Schweizer Bürger sei, halte er das nicht nur für sein Recht, sondern auch für seine Pflicht.
Der Basler Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP): «Wir wollen Roche ein prosperierendes Umfeld bieten.»
Roche-Forschungsleiter William Pao: «This will be a world class institute.»
«Mir forsche für d'Wält und baue uff Basel»: Ein Spruch für die Ewigkeit. Zumindest, bis die Grundsteinbox wieder freigelegt wird.
Befüllung der Grundsteinbox: Roche-Standortleiter Jürg Erismann mit Geo Adam und Marcus Hablützel.
Die Familie war auch vor Ort: Jörg Duschmalé (links), Mitglied der jüngsten Generation der Eignerfamilien Hoffmann, Oeri und Duschmalé.
Aufwartung der ganz grossen Sorte: Auch drei Basler Regierungsräte waren vor Ort, darunter SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels.
Das unverzichtbare Spatenbild mit Bauherrschaft.
Blick in die unteren Geschosse der Baugrube.
Grundsteinlegung_10
Grundsteinlegung_09
So soll das Nordareal von Roche dereinst aussehen.
Prominent sind die Türme Bau 1 und Bau 2, die Perle aber ist das milliardenteure Forschungszentrum.
Dazu gehören auch zwei Hochhäuser, die im Schatten von Bau 2 stehen.

Forschungszentrum Roche

Kenneth Nars

Über Grundsteinlegungen berichtet diese Zeitung selten. In der Regel handelt es sich dabei um symbolische Akte für Bauwerke, über die ohnehin schon berichtet wird. Wenn sich aber die Familien Hoffmann, Oeri und Duschmalé freudestrahlend und mit Küssen begrüssen, wenn der Chef eines weltweit führenden Konzerns eine launige Rede hält und rund 1,2 Milliarden Franken auf einem verhältnismässig kleinen Fleck im Kleinbasel verbaut werden, verhält es sich etwas anders.

Hier an der Grenzacherstrasse werden Herz und Hirn von Roche neu gebaut. Die Forschungsanlage mit dem etwas sperrigen Namen «pRED Innovation Center» wird eines der weltweit modernsten Forschungszentren, wenn nicht das modernste überhaupt. Vier Gebäude mit Labors und Büros, davon zwei Hochhäuser im Schatten des Bau 2, entstehen dort, wo einst der verhältnismässig bescheidene Bau 74 stand. Entsprechend benutzte Roche-Forschungsleiter William Pao in seinem Grusswort Begriffe wie «world class» und «state of the art»: Gemessen an der Investitionssumme, die fast die Hälfte der gesamten Arealentwicklung verschlingt und mehr als doppelt so hoch ausfällt wie die Baukosten für den höchsten Turm der Schweiz, dürfte das angemessen sein. Derweil werden die Basler vor allem die Fassaden wahrnehmen; der Innenbereich ist den Mitarbeitenden von Roche vorbehalten.

Konzernchef Schwan setzte politische Spitzen

Das Bauvolumen ist trotz geringer Fläche gewaltig. Bereits heute schon wurde auf dem Areal nördlich der Strasse ein Bauvolumen erreicht, das 600 Wohnungen à 100 Quadratmetern Fläche entspricht, wie Roche-Standortleiter Jürg Erismann sagte. Zudem schreite der Bau schneller voran als erwartet: «Es ist also fünf vor zwölf für eine Grundsteinlegung.»

Die Eigentümerfamilie zeigte sich entsprechend begeistert, die Basler Regierung ebenso: Vor Ort waren SP-Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin, SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels und CVP-Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger. Engelberger – ehemals Mitarbeiter des Konzerns – war es auch, der das Grusswort hielt: «Die Investition von Roche ist ein wichtiges Vorhaben, ein kraftvolles Bekenntnis zum Standort Basel.» Die Basler Regierung bekräftige zu diesem Anlass ihren Ehrgeiz, dieser Industrie das bestmögliche, prosperierende Umfeld zu bieten.

Roche-CEO Severin Schwan nutzte in sichtlich gehobener Stimmung die Gelegenheit, einige standortpolitische Spitzen zu setzen. Denn als frisch eingebürgerter Schweizer erachte er es nicht nur als sein Recht, sondern auch als seine Pflicht, sich zu äussern. Die SVP-Begrenzungsinitiative, die im Mai an die Urne kommt? «Sie ist schlicht schädlich», sagte Schwan. Und zur kontroversen Konzernverantwortungsinitiative: «Keine Frage, wir nehmen unsere Verantwortung immer und an jedem Standort wahr.» Was aber überhaupt nicht angehe sei, dass die Schweiz bei einem Ja zu einem «El Dorado für Klagen» werde und «die Unternehmen stets zuerst ihre Unschuld beweisen müssen.»