«Irgendwie finde ich das neue Drämmli komisch, aber irgendwie auch voll schön». Eine Gruppe Schulkinder diskutiert auf dem Heimweg ins Neubad über das neue Flexity-Tram. Ist das echtes Holz oder Plastik? Im hinteren Teil des Trams geht ein Geklopfe los. Fazit: So kann sich nur echtes Holz anhören. Einige Schulkinder fahren extra ein paar Stationen weiter — wenn sie schon mal im neuen Tram sitzen, dann wollen sie nicht gleich wieder aussteigen.

Nicht nur bei den Jungen hat das neue Tram heute für Gesprächsstoff gesorgt. Der «Basilisk», wie das erste Tram der Flexity-Flotte heisst, transportierte auf der Linie 8 erstmals Fahrgäste von der Neuweilerstrasse nach Kleinhüningen und wieder zurück. Die meisten Fahrgäste inspizieren den modernen Fahrgastraum ganz genau. Einige eingefleischte Tram-Fans machten gar Fotos vom «Basilisk».

Zurück zu den Wurzeln

Das Fahrgefühl ist definitiv ein anderes: weniger rumpelig, mehr Beinfreiheit. Einer der offensichtlichsten Unterschiede ist das helle Holz — ja, es ist Holz — der Sitzbänke. Das Material wird an der Decke wieder aufgenommen. Nachdem in den früheren Trams der Kunststoff dominierte, gehen die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) zurück zu den Wurzeln. Das hat seine Gründe. Vor der Planung der neuen Trams führten die BVB eine Umfrage durch. Zwei von drei Fahrgästen stimmten damals für Holz und gegen Polstersitze. Bei vielen dürfte das eine Frage der Hygiene gewesen sein. Die Polstersitze saugen wie ein Schwamm all das auf, auf dem man nicht sitzen möchte. Anders die Holzbänke — bei denen reicht nun ein einfacher Putzlappen zur Reinigung. Dass die Sitze etwas härter sind als die alten, muss man hinnehmen.

Die erste Fahrt mit dem neuen Flexity-Tram.

Die erste Fahrt mit dem neuen Flexity-Tram.

Beim Design der neuen Wagen wurde bewusst auf das Spiel «Tradition trifft Moderne» eingegangen. Inspirieren liessen sich die Designer durch die Oldtimer-Trams. Ansonsten dominieren helle Farben den Fahrgastraum. «Es ist jetzt wie im Zug», sagt ein Fahrgast. Der «Basilisk» von innen erinnert tatsächlich an die S-Bahn.

Noch wirkt alles klinisch sauber, aber schon bald dürften die ersten Sitze mit Malereien versehen sein. «Wir hoffen jetzt, dass die Leute mehr Sorge geben, wenn alles neu ist», sagt Kilian Mattenhofer, der den «Basilisken» am Montagmorgen chauffiert hat. Nicht nur für die Fahrgäste ist es ein neues Fahrerlebnis, sondern auch für die Chauffeure. «Am Anfang ist es für jeden Fahrer Gewohnheitssache. Es ist schön, aber nicht unbedingt einfacher. Die anderen Trams kennt man halt auswendig», sagt Mattenhofer.

Kamera statt Seitenspiegel

Bei der Planung wurden auch die Fahrer miteinbezogen. Im Fahrerraum läuft jetzt vieles über Touchscreen. Das ganze Tram ist mit Kameras versehen — der Chauffeur sieht genau, was in jedem Teil des Trams passiert. Das ist nützlich, wenn beispielsweise der Knopf für Rollstuhlfahrende gedrückt wird. Dann sieht der Fahrer gleich, ob tatsächlich jemand Hilfe braucht. Ausserdem verfügt das Tram über eine Rückfahrkamera sowie Kameras anstelle von Seitenspiegeln.

Der Schalthebel beim Chauffeur schlägt Alarm, sobald er nicht mehr berührt wird — eine Art Anwesenheitskontrolle für den Fahrer. Mattenhofer sieht klare Vorteile: «Punkto Sicherheit ist das Tram sehr gut.» Noch kenne er nicht alle Funktionen, das Benutzerhandbuch des neuen Trams sei lang. Mehrmals schon wurde fälschlicherweise von Passagieren der SOS-Knopf gedrückt, dieser befindet sich direkt neben dem kleineren Halteknopf. Im tatsächlichen Notfall könnte dann der Fahrer mit dem Fahrgast telefonieren. Noch befindet sich das Tram in einer Art Testphase, Fahrer und Fahrgäste werden bezüglich Anpassungen noch befragt.

Ende November wird ein zweites Fahrzeug auf der Linie 14 verkehren. Die Flexity-Flotte wird bis 2017 ausgebaut. Dann sollen alle 61 bestellten Fahrzeuge im Einsatz sein. Diese entsprechen zudem der EU-Norm, was ihnen künftig die Fahrt nach Deutschland und Frankreich ermöglichen soll. Im Dezember wird das Tram 8 erstmals nach Weil am Rhein fahren.