Nationalrat

Das Phänomen Sibel Arslan – die Panaschierkönigin mit glänzendem Resultat

Sibel Arslan (Basta) wurde als drittbeste im Kanton Basel-Stadt wieder in den Nationalrat gewählt.

Sibel Arslan (Basta) wurde als drittbeste im Kanton Basel-Stadt wieder in den Nationalrat gewählt.

Die lange als Wackelkandidatin gehandelte Sibel Arslan (Basta) holte in Basel das drittbeste Nationalrats-Resultat. Die SP half tüchtig mit. Die bislang als Glücksfall gehandelte Nationalrätin sitzt mit dem Ergebnis fest im Sattel.

An sich passt Nationalrätin Sibel Arslan gar nicht ins klassische Basler Parteisystem. Als Mitglied der kleinen Partei Basta gilt sie als noch linker als die SP, als Mitglied des Grünen Bündnisses – der Zusammenarbeit der Grünen mit der Basta – ist sie aber auch keine eigentliche Grüne.

Und doch hat die kurdischstämmige Baslerin dank der Unterstützung all dieser Parteien am Wahlsonntag mit 13'582 Stimmen das drittbeste Resultat der gewählten Nationalrätinnen und Nationalräte geschafft: Hinter Beat Jans und Eva Herzog (beide SP) – und noch vor dem bürgerlichen Christoph Eymann (LDP). Arslan holte fast doppelt so viele Stimmen wie vor vier Jahren, als sie überraschend den Sitz von CVP-Nationalrat Markus Lehmann fürs Grüne Bündnis zurückeroberte.

Erst kleingeschrieben, jetzt fester im Sattel als je zuvor

Nun sitzt die in Basel vier Jahre lang als Wackelkandidatin bezeichnete Politikerin fester im Sattel als je zuvor – vor allem dank der Basler SP. Von den 13 582 Stimmen für Arslan stammten 3996 von SP-Wählern, die ihren Namen ein- oder zweimal auf die Liste der Sozialdemokraten schrieben. Das nennt sich Panaschieren und brachte Arslan allein aus diesem Lager gut fast 30 Prozent ihrer Stimmen ein. Das ist nochmals eine deutliche Steigerung gegenüber den Wahlen 2015. Faktisch konnte Arslan ihre SP-Stimmen damit beinahe verdoppeln.

Am Tag nach der Wiederwahl ist Arslan noch benommen vom Resultat; für tiefergehende Analysen hatte man noch keine Zeit. Die Kleinschreiberei, die Häme, das Listenverbindungsglück, «und dass stattdessen die eigentliche Arbeit dabei nicht gewürdigt wird»: Das, sagt Arslan rückblickend, «war schon auch verletzend». Dass sie sich im Wahlkampf mit der linksliberalen «Operation Libero» verbündete, wurde als weiteres Indiz einer Zitterpartie und möglichen Abwahl gedeutet.

Neben der sehr aktiven Kampagne «#sibelbleibt», die aus dem Grünen Bündnis entstanden war, bildete sich dazu kurz vor den Wahlen eine von Privaten lancierte Initiative namens «Sibels Freundinnen und Freunde». Letztere etwa mobilisierte zusätzlich durch Aktivitäten wie öffentliches Kleberdrucken und Aktionen auf Social Media. Die Volksnähe zeitigte Erfolg: Ein überparteilicher Wahl-Brunch, der am Wahlsonntagmorgen im Unternehmen Mitte durchgeführt wurde, resultierte in einem teilnehmerstarken Marsch von der Gerbergasse bis zum Rathaus, darunter auch Verteter von Arslans Unterstützern. Was zu einer noch längeren Schlange vor der Urne führte, sodass das Wahllokal erst mit Verzögerung schliessen konnte.

Die Frau, die eine Bewegung repräsentiert

Und dann ist da noch der Faktor Klima. Der Basler Campaigner Daniel Graf, der die Kampagne «#sibelbleibt» aus der Nähe beobachtete, sagt, Arslan verkörpere den Typus der «Bewegungspolitiker». Diese Politiker profitieren nicht von gefestigten Strukturen und starken Finanzen, sondern von ihrem ausgeprägten persönlichen Netzwerk und Mobilisierungspotenzial.

Dahingehend sei auch der Einfluss der Klimadebatte unterschätzt worden: «Diese Mobilisierung hat die Gesellschaft erfasst», schlussfolgert Graf. «Parteien wie die Grünen und auch die Basta tragen zwar ihren Teil dazu bei, haben strukturell aber nicht die notwendige gesellschaftliche Durchdringung, die ein solches Resultat ermöglicht.»

Meistgesehen

Artboard 1