Basler Bühne

Das Phantom der Musical-Stadt Basel: Vom Basler Broadway geträumt – geblieben ist nichts

Mit dem Kauf des Musical Theaters gehört dem Kanton eine weitere Bühne. Jetzt muss die Stadt nicht nur einen Verwendungszweck für die neue Veranstaltungs-Immobilie im Portfolio finden, sondern im Falle eines dramaturgischen Weiterbetriebs auch eine umfassende Sanierung planen und finanzieren.

Was waren das für Zeiten! Damals, als Basel davon träumte, eine Musical-Weltstadt zu werden. Es war 1995 und ein Welthit lief im tiefsten Kleinbasel. Das «Phantom der Oper», das Mega-Musical von Andrew Lloyd Webber, sollte rund zwei Jahre lang für frenetischen Applaus im neuen Musical Theater Basel sorgen. In der Hauptrolle ein Baselbieter: Florian Schneider sang und spielte das Phantom, die Rolle seines Lebens.

Doch der Jubel wurde jäh unterbrochen. 1997 überwarfen sich die Produktionsfirma des Phantoms, «The Really Useful Theater Company», mit der damaligen Messe Basel über die Weiterführung der Verträge. Die britische Firma kündigte an, 308 Mitarbeitende des Musical Theaters zu entlassen – trotz des «Grosserfolgs, der in der Schweiz seinesgleichen sucht». Warum die Produzenten derart in Schieflage gerieten, blieb selbst der Messe als Vermieterin schleierhaft. Dafür schlug der damalige Basler Gewerbedirektor, Messe-Verwaltungsrat und Nationalrat Christoph Eymann (LDP) erfolglos vor, dass Basel eine eigene Produktionsgesellschaft gründen soll.

Die Ernüchterung nach der ersten Euphorie

Kurz vor der Jahrtausendwende erschienen wieder hoffnungsvolle Schlagzeilen. «Musical Theater: Rosige Zukunft» schrieb die «Basler Zeitung» 1999 zu einem Bericht des Regierungsrats. Die Einnahmen des Phantoms sowie der Produktion «Crazy for you» hätten allein per Billettsteuer 9,91 Millionen Franken in die Staatskasse gespült und damit den Investitionsbeitrag des Kantons an den Bau des Theaters von zehn Millionen Franken praktisch kompensiert. Dazu seien durch die insgesamt 770'000 Besucher weitere rund 12 Millionen Franken in Basel umgesetzt worden, von denen der Kanton via Steuern ebenfalls profitierte. Im gleichen Jahr übernahm die Zürcher Freddy Burger Management Group das Bühnengeschäft.

Nach der Jahrtausendwende harzte es. Die Messe, die 2009 in der MCH Group AG aufging, blieb Eigentümerin. Für das Unternehmen gehörte das Showbusiness nie zum Kerngeschäft. Den Betrieb überliess die Messe Freddy Burger. Die jährliche Besucherzahl des Hauses bewegte sich seither im Schnitt um die 120'000 pro Jahr, mit wenigen Ausnahmen. 2003 trug das von Thomas Dürrs Act Enterainment produzierte Musical «Fame» nochmals zu guten Zahlen bei, die Grenze von 200'000 im Jahr schaffte das Theater aber nicht. Erst 2015 kam der nächste Kracher: Dank «The Lion King» kamen in jenem Jahr 387'000 Personen ins Musical Theater. Das Musical «Cats», das 2016 folgte, konnte den Grosserfolg nicht ansatzweise wiederholen.

Jetzt, fünf Jahre nach der Löwenproduktion und 25 Jahre nach der Eröffnung ist die MCH Group AG das Theater los. Die Einwohnergemeinde der Stadt Basel, die bisherige Baurechtsgeberin, hat das Haus mit den 1567 Zuschauerplätzen und fünf Bars im Foyer gekauft, zusammen mit der Halle 3 der Messe. Zuletzt bespielte vor allem die Basler Casino-Gesellschaft das Musical Theater. Sie hatte den Saal seit 2016 für jeweils acht Monate im Jahr wegen Umbaus des Stadt-Casinos gemietet, zieht diesen Sommer aber wieder zurück an den Barfüsserplatz. Die akustische Umrüstung für klassische Konzerte im Saal wird zurückgebaut.

Über die städtischen Pläne ist auch das Freddy Burger Management als Hausherr nicht im Bild. «Wir werden dahingehend noch das Gespräch mit den neuen Eigentümern suchen», sagt Angelo Stamera von der Geschäftsleitung. Da sich an den laufenden Verträgen bis auf den Namen des Eigentümers nichts ändere, werde man «weiterhin an einer attraktiven Programmierung arbeiten».

Stamera signalisiert deutliches Interesse am Weiterbetrieb des Musical Theaters. Auch Christoph Bosshardt, Vizedirektor von Basel Tourismus, sagt: «Musicals sind ein wichtiger Bestandteil des kulturellen und damit auch des touristischen Angebots. Bei Städtetouristen sind sie beliebt. Ein attraktiver Spielplan ist somit auch im Interesse von Basel Tourismus.» Das Potenzial hänge nicht zwingend mit der Eigentümerschaft zusammen: «Es ist wahrscheinlich für eine Stadt mit der Grösse und dem Einzugsgebiet von Basel nicht realistisch, dass jedes Jahr Produktionen in der Grössenordnung von Lion King geholt werden können.»

Was die Stadt mit dem Haus vorhat, bleibt offen. Die Abteilung Kultur des Kantons spielte beim Zukauf keine Rolle, wie es auf Anfrage heisst. Während in den kommenden zehn Jahren auf dem Areal der Halle 3 bis zu 200 Wohnungen entstehen sollen, hat der Kanton mit dem Theater keine Pläne, wie Rolf Borner von Immobilien Basel-Stadt bereits sagte. Klar hingegen ist, dass das Theater einer gründlichen Sanierung bedarf. Die geht dann wieder zu Lasten der neuen Eigentümerin: Der Stadt und damit des Kantons Basel-Stadt.

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