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Das Pokémon-Fieber hat Basel erfasst

Obwohl in der Schweiz noch nicht offiziell erhältlich, sind schon hunderte Basler auf virtueller Pokémon-Jagd. Das Smartphone-Spiel «Pokémon Go» bringt Gamer dazu, kilometerweit durch die Strassen zu ziehen.

Rolf Glättli ist ein Spieler der ersten Stunde. Schon über 50 verschiedene Pokémons hat er auf Basels Strassen und Plätzen virtuell eingesammelt – und dabei schon viele Gleichgesinnte getroffen. «Es ist unglaublich, wie das Spiel boomt», sagt der 47-jährige Informatiker. Dies sei umso erstaunlicher, weil das Smartphone-Game «Pokémon Go» erst vor einer Woche lanciert wurde und auf dem Schweizer Markt noch gar nicht offiziell erhältlich sei.

Und tatsächlich: Kaum aufgebrochen, um für die bz so ein virtuelles Fantasie-Tierchen zu fangen, erkennt Glättli auf der Strasse einen anderen Spieler. Nicht, weil er ihn persönlich kennen würde – sondern weil dieser sich auf eine spezielle Art und Weise bewegt und dabei in sein Handy schaut. Denn «Pokémon Go»-Spieler sitzen nicht bewegungslos zu Hause auf dem Sofa, sondern spazieren beim Spielen kilometerweit durch die Strassen.

Pokémon-Fieber ausgebrochen!

Pokémon-Fieber ausgebrochen!

Auch in Zürich jagen Gamer mit Handys Pokémons. Rote Ampeln werden da zur Nebensache und deswegen ist das Spiel der Polizei ein Dorn im Auge.

«Man kriegt einen Blick dafür, wer auch noch spielt», begründet er seine Vermutung, die sich auf Nachfrage als richtig erweist. «Ja, natürlich spiele ich ‹Pokémon Go›», sagt der Unbekannte. Die meisten seiner Kollegen seien dem Pokémon-Fieber verfallen, so der 20-Jährige weiter. Und zieht davon – auf der Suche nach dem nächsten virtuellen Tierchen.

Hunderte Spieler in Basel

Den ersten Fang für die bz macht Glättli nach wenigen Minuten am Rhein. Es ist ein «Quaputzi», ein Wasser-Pokémon. «Die kommen tatsächlich häufig entlang von Gewässern vor», sagt er. Nach einem weiteren Fang – ein «Taubsi» – erreicht Glättli beim Unispital eine sogenannte Arena. Dort haben andere Spieler Pokémons platziert, die das Objekt verteidigen. Von der Anzahl platzierter Pokémons kann Glättli auch auf die Anzahl aktiver Spieler in Basel schliessen, und schätzt, dass es mehrere Hundert sein müssen.

Bei seinem Versuch, die Arena zu erobern, scheitert er jedoch. «Das bewachende Pokémon war stärker als meines, mit dem ich angegriffen habe. Ich hatte keine Chance und muss weitersammeln, um die Fähigkeiten meiner virtuellen Kämpfer zu verbessern.»

Arena beim Bahnhof SBB

Die Arenen sind die eigentlichen Zentren des Spiels und über die ganze Welt verteilt, auch in Basel. Wo genau sich Arenen befinden, lässt sich auch nur durch Stadtrundgänge herausfinden. Oder aber die Arenen-Inhaber weisen die Spieler darauf hin, wie etwa die Messe Basel gestern via Twitter. «Wir sind ein #PokémonGO Gebiet! Unter der City Lounge ist eine Arena. Viel Spass!», schrieben die Verantwortlichen. Beim Bahnhof SBB und bei der Markthalle befinden sich weitere Arenen.

Die Messe Basel macht beim Hype mit.

Entwickelt wurde das Spiel vom Google-Spin-Off «Niantic», die Pokémon-Lizenz kommt von Nintendo. Das Spiel ist gratis, könnte sich aber zu einem Kassenschlager entwickeln, weil Zusatzartikel im Spiel mit echtem Geld erworben werden können. Glättli, der ein eingefleischter Anhänger des vom gleichen Hersteller produzierten Vorgänger-Game «Ingress» ist, sagt: «Das kann sehr gut funktionieren, denn das Spiel ist problemlos kostenlos spielbar und wird durch Käufe zwar erleichtert, der Vorteil gegenüber nichtzahlenden Spielern ist aber nicht so gross, als dass diese keine Chance hätten.»

Ein Milliardengeschäft

Gemäss eines Berichts von Radio SRF hat das Game in der ersten Woche bereits 20 Millionen Dollar Umsatz gemacht, obwohl es erst in den USA, Australien, Neuseeland und seit gestern in Deutschland offiziell erhältlich ist. Wann das Spiel in der Schweiz lanciert wird, ist offen. Glättli vermutet, dass es in den nächsten Tagen so weit sein wird.

Ob es bei einem kurzen Hype bleibt oder ob «Pokémon Go» zu einem langfristigen Erfolg wird, werde vor allem mit der Weiterentwicklung zusammenhängen. Glättli: «Wenn es dereinst möglich sein wird, beim Vorbeigehen mit anderen Spielern direkt zu kämpfen und wenn allgemein die Interaktion zwischen den Spielern vergrössert wird, dann kann das Game tatsächlich ein Massenphänomen werden.»

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