Pläne
Das Präsidialdepartement liebäugelt mit einem Wegzug des Stadt-Casinos

Es geht einfach nicht vorwärts: Seit das Basler Stimmvolk im Juni 2007 den markanten Stadt-Casino-Neubau der Architektin Zaha Hadid klar bachab geschickt hat, steht die Zukunft des Konzerthauses am Barfüsserplatz in den Sternen.

Yen Duong
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Ob im Stadt-Casino auch in zehn Jahren Konzerte stattfinden werden, ist ungewiss.

Ob im Stadt-Casino auch in zehn Jahren Konzerte stattfinden werden, ist ungewiss.

Nicole Nars-Zimmer

Ein von der Casino-Gesellschaft vorgesehenes Projekt für eine Sanierung und einen Teilumbau des Konzerthauses in der Höhe von 71 Millionen Franken lehnte die Regierung vor einem Jahr ab. Statt der geforderten 35 Millionen Franken will sie nur einen «Minimalbeitrag» für die Sanierung des Musiksaals sowie die dringendsten haustechnischen Massnahmen leisten. Seither herrscht bei der Casino-Gesellschaft Frustration auf der ganzen Linie – geschehen ist nicht viel.

Langsam scheint mehr Licht ins Dunkel zu kommen. Gemäss Recherchen der bz erwägt das Präsidialdepartement von Guy Morin einen Neubau für das Stadt-Casino – dies jedoch nicht am Barfüsserplatz. Auch weil dort die Gastrag bis 2027 Mietrecht geniesst.

Vielmehr soll das Konzerthaus das Publikum klassischer Musik an einen anderen Ort locken. Philippe Bischof, seit kurzem Kulturbeauftragter bei Morin, will sich nicht in die Karten blicken lassen, nur so viel: «Auch ein Neubau kann ein Thema sein und wäre in Zusammenhang mit der allgemeinen Konzertsituation in Basel zu prüfen.»

Casino-Gesellschaft nicht erfreut

Vorstellig wurde das Präsidialdepartement mit dieser Idee bereits bei der Casino-Gesellschaft. «Über einen Neubau an einem anderen Ort wurde diskutiert», sagt Präsident Christoph Gloor und fügt im selben Atemzug an: «Es ist nicht unsere Aufgabe, alternative Standorte zu suchen.»

Auch wenn sich Gloor nicht gross dazu äussern will, ist unüberhörbar: Von einem Umzug hält er nicht viel. «Das Überleben der Casino-Gesellschaft würde infrage gestellt.» Auch sei fraglich, was man aus der Liegenschaft dann machen würde, zumal der Musiksaal denkmalgeschützt sei.

Die Idee eines Neubaus des Musikhauses keimt nicht zum ersten Mal auf: Vor elf Jahren hatte der Basler Architekt Jacques Herzog Visionen für einen Konzertsaal auf dem Kasernenareal. Letzteres dürfte wegen der intensiven Diskussionen über eine Öffnung der Kaserne zum Rhein hin als Standort kaum mehr zur Debatte stehen. Jedoch sind oder werden im Stadtkanton einige potenzielle Areale für ein neues Stadt-Casino frei: Beispielsweise das Dreispitzareal, das Areal beim Brückenkopf der Dreirosenbrücke – dort wollte die Uni Basel ursprünglich einen Campus bauen – oder der Hafen in Kleinhüningen.

Teilrenovation wird abgeklärt

Laut Bischof klärt man derzeit die von der Casino-Gesellschaft beantragte Teilrenovation ab. Letzten Monat stellte die Casino-Kommission der Regierung einen Antrag, sie solle auf ihren Entscheid vom Juni 2010 zurückkommen. «Die Sanierungsfrage wird in den nächsten drei Monaten beantwortet», meint Bischof.

Auch er sieht gewissen Handlungsbedarf: So sei der Musiksaal wegen der Hitze an der Grenze des Zumutbaren. «Das Publikum reklamiert, und das müssen wir ernst nehmen. Wir machen uns intensiv Gedanken über die Zukunft des Stadt-Casinos.» Es stelle sich jedoch die Frage, inwieweit sich eine Investition in eine Teilsanierung lohne. Die Sachlage sei sehr komplex, meint Bischof.