Wochenkommentar
Das Problem ist nicht das andere Basel

Der Wochenkommentar von bz-Chefredaktor Matthias Zehnder über die Regionalstudie der Credit Suisse und das Stichwort Steuerhölle Stadt.

Matthias Zehnder
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Die Studie der Credit Suisse zeigt, dass die Stadt heute attraktiver ist als das Land.

Die Studie der Credit Suisse zeigt, dass die Stadt heute attraktiver ist als das Land.

Keystone

Diese Woche hat die Credit Suisse ihre Regionalstudie zu den beiden Basel veröffentlicht. Zwar haben Fusionsbefürworter wie -gegner danach sofort Wasser auf ihre Mühlen gemeldet, doch bei Lichte besehen war das bloss Propaganda. Über die Fusion der beiden Halbkantone hat die Studie nämlich wenig Konkretes vermeldet. Wie die Verfassung eines gemeinsamen Kantons aussehen könnte, das weiss zum heutigen Zeitpunkt niemand. Die Forscher der Credit Suisse haben aber eine ganze Reihe interessanter Daten über den Wirtschaftsraum Basel zusammengetragen. Daten, die auch jenseits von Fusionsüberlegungen den beiden Basel gleichermassen zu denken geben sollten.

Stichwort Euro-Airport

Auf der Strasse ist der Flughafen aus den meisten Orten in beiden Basel relativ gut erreichbar. Dennoch wirkt er weniger stimulierend auf die Umgebung als die Flughäfen Zürich und Genf auf ihre Regionen. Laut der Studie liegt das nicht nur an der geringeren Anzahl Flüge ab Basel-Mulhouse, sondern vor allem an der schlechteren Anbindung des EAP an den öffentlichen Verkehr. In Zürich und Genf sind die Flughäfen mit Schnellzügen erreichbar, in Basel müssen die Passagiere auf einen Autobus umsteigen und darin um ihr Gleichgewicht fürchten.

Folgerung: Statt in Sachen Verkehr gegeneinander zu polemisieren, würden die beiden Basel sich besser konsequent für einen Bahnanschluss am Flughafen einsetzen. Die Bahnverbindung hätte auch im Baselbiet eine positive Wirkung.

Stichwort Steuern

Baselbieter polemisieren gerne über die Steuerhölle Stadt. Die Studie der Credit Suisse zeigt jedoch, dass die Stadt heute attraktiver ist als das Land – wenigstens für natürliche Personen: Im Kantonsranking liegt Basel-Stadt heute zwei Ränge vor Baselland. Doch die Städter sollten sich darüber nicht zu sehr freuen. Die Kantone belegen nämlich die Ränge 19 und 21 von 26 Kantonen. Sorgen machen sollte sich dabei vor allem der Landkanton: Während die Stadt mit vielen Zentrumsleistungen einen entsprechenden Gegenwert für die hohen Steuern bietet, sieht es auf dem Land je nach Wohnlage anders aus. Die eigentliche Konkurrenz ist deshalb nicht das jeweils andere Basel, sondern zum Beispiel das Fricktal. Rheinfelden ist per Bahn und Auto etwa gleich weit weg von Basel wie Liestal, steuerlich aber viel günstiger.

Folgerung: Statt sich gegenseitig die Augen auszuhacken, sollten die beiden Basel gemeinsam der ausserbaslerischen Konkurrenz die Stirn zeigen und zum Beispiel Doppelspurigkeiten abbauen.

Die wirklich grossen Probleme beider Basel

Erfreulich an der Studie ist, dass auch die Forscher der Credit Suisse das Potenzial unserer Region erkennen. Die beiden Basel sind die produktivste Region der Schweiz und hätten eine exzellente Ausgangslage für die Zukunft – wenn nicht zwei wuchtige Damoklesschwerter über den Häuptern beider Basel baumeln würden: die Unternehmenssteuerreform III und die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative. Erstere ist eine regeltechnische Herausforderung. Beide Basel sind darauf angewiesen, dass der Bund sich mit der EU auf eine Regelung verständigen kann, mit der die Wirtschaft in der Region weiterleben kann. Die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative wird sehr schwierig. Unsere Region ist auf offene Grenzen und den freien Personenverkehr vital angewiesen. Die ständigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Basel nehmen sich vor diesem Hintergrund aus wie die Streitereien zwischen zwei Schiffspassagieren um eine Aussenkabine, während das Schiff volle Kraft voraus auf einen Eisberg zusteuert.

Wenn dieselben Kreise, die uns die Masseneinwanderungsinitiative eingebrockt haben, an diesem Wochenende auf dem Land Höhenfeuer anzünden und sich auf diese Weise gegen die Stadt wehren wollen, dann inszeniert sich der Brandstifter als Feuerwehr. Die Stadt ist schon seit gut hundertfünfzig Jahren nicht mehr das Problem.