Jubiläum
Das Rathaus ist ein Prunkbau der weltlichen Herren

Die Einweihung des Basler Rathauses jährt sich zum 500. Mal. Am Wochenende steigt die grosse Feier. Das Rathaus besteht aus drei Teilen, die alle schon vieles erlebt haben.

Nicolas Drechsler
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Das Basler Rathaus, das Haus zum Pfaueneck und der Marktplatz um 1860.

Das Basler Rathaus, das Haus zum Pfaueneck und der Marktplatz um 1860.

ZVG: Staatsarchiv Basel-Stadt (Bild VI)

Das Basler Rathaus besteht grundsätzlich aus drei Teilen: dem zentralen Gebäude aus den Jahren 1501–14 mit den Bogentoren und dem Türmchen, dessen Erweiterung nach links von 1606 und dem rechten Teil mit dem Turm und dem neuen Hinterhaus mit dem Ratssaal, der zwischen 1898 und 1904 entstand. Aus dieser langen und verschlungenen Baugeschichte pickte sich die Basler Regierung ein Datum als «Geburtstag» heraus und feiert ihn am kommenden Samstag: Der älteste Teil wurde vor 500 Jahren eingeweiht.

Vor 1501 stand am Ort des heutigen Rathauses bereits ein Rats- und Richtgebäude, dieses war nach dem Erdbeben von 1356 gebaut worden. Doch dieses Gebäude vermochte den wachsenden Ansprüchen der Basler Oberschicht nicht mehr zu genügen. Die Ratsherren hatten sich im Laufe der letzten Jahrhunderte seit dem Erwerb der Markthoheit 1256 immer mehr Rechte vom chronisch klammen Fürstbischof erkauft. Nun wollten sie dem Prunkbau des Bischofs auf dem Münsterhügel ein Symbol der irdischen Macht entgegensetzen.

Das Ende der Neutralität

Nachdem Basel in den Burgunderfeldzügen 1474–77 mit den Eidgenossen zusammengespannt hatte, gab es in der Stadt eine Partei, die den «Schweizern» gegenüber freundlich gesinnt war. Sie verlangte die Abkehr von der lange gelebten Neutralität der Stadt. Grosse Teile der Oberschicht hielten aber nach wie vor zum Reich. Erst nachdem die Habsburger im Schwabenkrieg 1499 – auf der anderen Seite der Grenze als «greulich Schweitzerkrieg» bekannt – und insbesondere bei der Schlacht bei Dornach ordentlich auf den Deckel bekommen hatten, wuchs der Drang hin zum südlichen Nachbarn.

Die Stadt blieb noch zwei Jahre lang mehr oder weniger neutral und trat dann der Eidgenossenschaft bei. Daran erinnert noch heute am Rathaus eine Inschrift, die allerdings am jüngsten Teil des Gebäudes angebracht ist, am Turm oder genauer am kleinen Balkon über dem ehemaligen Polizeiposten: «Hie Schweiz – Grund und Boden». Mit diesem Satz begrüssten die Basler die Gesandten der Eidgenossenschaft.

Der Beitritt zum Bund ist auch das grosse Thema im 1901–04 gebauten Saal des Grossen Rates. Das grosse Panoramagemälde zeigt den Einzug der Eidgenossen am Heinrichstag, dem 13. Juli 1501.

Doch damit nicht genug der Anspielungen. An der Rathausfassade ist eine weitere, wohl legendäre Episode jenes Tages abgebildet: Eine alte Frau sitzt unter einem offenen Stadttor an ihrem Spinnrad. An jenem Tag vor 513 Jahren sollen die Basler die Waffenknechte von den Toren abgezogen und durch alte Frauen ersetzt haben. Eine Geste, die zeigen sollte, dass sich die Basler im neuen Bunde absolut sicher fühlten.

Sandstein gewordene Geschichte

Ansonsten weisen viele der Inschriften und Bilder am und im Rathaus auf zwei grosse Einflüsse hin: den Humanismus, der die klassischen Philosophen des Altertums und den Idealstaat der römischen Republik bewunderte. Und daneben die tief verwurzelte Religiosität der Bevölkerung. Hier fand kurz nach der Fertigstellung des Rathauses ein zentraler Umbruch statt: die Reformation. Ihr musste im Wappen der goldene Bischofsstab weichen und wurde durch den schwarzen Baslerstab ersetzt.

Doch wer genau hinschaut, findet im Rathaus noch den einen oder anderen glänzenden Stab, der den Augen und dem Pinsel der Reformatoren entging. Die Madonnenstatuen der Stadt wurden in Statuen der Justitia verwandelt, auch jene am Rathaus. Das Wachstum der Stadt, die Festigung der staatlichen und politischen Strukturen brachte einen ersten Um- und Erweiterungsbau des Rathauses Ende des 17. Jahrhunderts mit sich. Und viel später den tief greifenderen Neubau des Hinterhauses und des Turms um 1900.