«Morn alli Trainerhose!» stand auf dem Banner, das die Abschlussklasse G6X beim Eingang des Basler Wirtschaftsgymnasiums (WG) anbrachte. Damit rief sie zu einem Streik gegen die Kleiderordnung der Schule auf, die das Tragen von Sportbekleidung während des Unterrichts verbietet. Prompt kamen zwischen 150 und 200 Schülerinnen und Schüler in Jogginghose zum Unterricht: Die spontane Aktion hatte schnell hohe Wellen geschlagen.

In der morgendlichen grossen Pause forderten neben den Schülern des WG auch jene der Wirtschaftsmittelschule (WMS) und Informatikmittelschule (IMS) eine freie Kleiderwahl – sie alle gehen im gleichen Gebäude zur Schule. «Die meisten haben beim Streik mitgemacht», sagt Maturandin Charlotte der «Schweiz am Wochenende» in der Schulpause. Weil die Abschlussklasse ihr Banner aufgehängt, Flyer verteilt und auf Instagram zum Streik aufgerufen hätte, seien schnell sehr viele Schüler auf die Aktion aufmerksam geworden.

«Ich schliesse die Schule zwar bald ab, aber es ist schon wichtig, dass man so ein Statement macht», sagt die 18-Jährige. «Wir sind ja nicht die Letzten, die hier Matur machen.» Auch Schülerin Tosca findet das Verbot sinnlos: «Dass man deswegen vom Unterricht heimgeschickt wird und nicht einmal im Lager Trainerhosen erlaubt sind, ist unnötig.» Gerade auch, weil an allen anderen Basler Gymnasien Sportbekleidung im Unterricht erlaubt sei.

Den Stein ins Rollen bringen

Die Initianten des Streiks sind zufrieden. «Wir haben heute gezeigt, wie viele Schüler hinter der Forderung stehen», sagt einer der Organisatoren. Dass der Streik medial aufgegriffen wurde, sei für alle Beteiligten eine Überraschung gewesen. «Eigentlich sollte das Thema intern mit der Schulleitung geklärt werden», so der 20-Jährige. Ihnen gehe es lediglich um ihre Entscheidungsfreiheit. Auch habe man den nachfolgenden Klassen gezeigt, was möglich sei, «wenn Schüler sich für ein gemeinsames Ziel einsetzen».

Indes sprechen sich auch einige Schüler gegen den Streik aus. «Wir sind nicht nur ein Gymnasium, sondern auch eine Wirtschaftsmittelschule», sagt eine Gegnerin. Im Gegensatz zu den Gymnasiasten müssten sich die WMS-Berufsschüler professionell präsentieren. Nur einem Teil der Schüler Trainerhosen zu erlauben, sei unfair. «Ausserdem sind wir nicht hier, um zu chillen, sondern, um zu lernen. Für unsere Schule finde ich Jogginghosen zu légère», sagt sie.

Noch am Vortag des Streiks wusste die Schulleitung nichts vom Schülerprotest. Mittlerweile hat man das Thema auf dem Schirm. Das bestätigt Rektor Patrick Langloh. «Es ist das erste Mal, dass diese Maturanden das Thema aufbringen und daher sehe ich keine Grundlage dafür, an der Kleiderordnung etwas zu ändern. Sollte es jedoch zu einem wichtigen Thema in der Schule werden, würden wir dies natürlich entsprechend diskutieren.»