Wahlen Basel-Stadt
Das Rennen um das Regierungpräsidium ist völlig offen

Baschi Dürr und Elisabeth Ackermann liegen nahe beieinander. Lagen nach der ersten Wahlumfrage noch 14 Prozent zwischen den beiden, sind es mittlerweile nur noch vier.

Jonas Hoskyn
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Zwischen Elisabeth Ackermann und Baschi Dürr wird es knapp

Zwischen Elisabeth Ackermann und Baschi Dürr wird es knapp

Nicole Nars-Zimmer niz

Noch vor einem Monat sah es so aus, als ob das Rennen um das Basler Regierungspräsidium bereits entschieden wäre. FDP-Kandidat Baschi Dürr führte in der ersten Wahlumfrage mit komfortablen 44 Prozent. Seine Kontrahentin Elisabeth Ackermann (Grüne) landete mit nur 30 Prozent überraschend abgeschlagen auf dem zweiten Platz. Das magere Abschneiden von Ackermann war für die Linke die wohl grösste Enttäuschung bei der ersten Umfrage. Doch mittlerweile scheint sich das Blatt gewendet zu haben. Ackermann hat innerhalb eines Monats sieben Prozentpunkte dazugewonnen, Dürr dagegen hat gleichzeitig drei Prozentpunkte eingebüsst. Dies zeigt die zweite Umfrage, die das Forschungsinstituts Sotomo im Auftrag der bz und «Tageswoche» erstellt hat. Damit ist die Differenz auf gerade mal vier Prozentpunkte zusammengeschrumpft.

Und für den amtierenden Sicherheitsdirektor könnte es noch dicker kommen. Seit einigen Tagen wird sein Departement von zwei Affären durchgeschüttelt, die ihn Stimmen kosten dürften. Zuerst wurde bekannt, dass 23 Kaderangestellte des Justiz- und Sicherheitsdepartements seit Jahren mit einem persönlichen Dienstwagen ausgestattet sind, obwohl dies laut dem kantonalem Reglement untersagt ist. Die Fahrzeuge werden regelmässig für private Fahrten verwendet, was ebenfalls nicht erlaubt ist. Dazu kommt, dass die Missstände intern schon länger bekannt sind.

Affären dürften Stimmen kosten

Die Dienstwagenaffäre geriet in den letzten Tagen jedoch sogar beinahe in Vergessenheit, als ein Sex-Skandal aufflog. Ein Basler Polizist steht im Verdacht, eine stark betrunkene Kollegin in der Freizeit sexuell massiv belästigt zu haben. Ein weiteres Mitglied des Polizeikorps hat das Ganze offenbar mit dem Handy gefilmt. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dem Straftatbestand der Schändung. Im Gegensatz zur Dienstwagen-Affäre kann in diesem Fall Dürr nicht direkt in die Verantwortung genommen werden. Trotzdem dürfte das Ganze nicht schadlos am Departementsvorsteher vorbeigehen.

Die Dienstwagen-Affäre ist höchstens minim in die aktuelle Umfrage eingeflossen, der Sex-Skandal noch gar nicht. «Es ist sicherlich ein unglückliches Timing», sagt Dürr. «Im Vordergrund muss nun stehen, dass wir die Probleme lösen – unabhängig von den Wahlen.» Zur Aufholjagd von Ackermann meint Dürr nur: «Ein Rennen ist nie gelaufen vor dem letzten Tag.»

Ackermann bisher ohne Skandale

Ein weiterer Punkt ist, dass beide Kandidaten ihre politischen Vorstellungen vom Regierungspräsidium erst in den letzten Wochen genauer ausformuliert haben. Dürr schreckte dabei viele Kulturinteressierte mit der Idee auf, die staatlichen Museen zu privatisieren. Seine Auslagerungsideen dürften ihn einiges an Sympathie gekostet haben.

Ackermann auf der anderen Seite hat es bisher geschafft, den Wahlkampf ohne jegliche Skandale oder Affären zu bestehen. Die Grüne mag eher zurückhaltend auftreten, gleichzeitig bietet sie ihren politischen Gegnern aber kaum Angriffsfläche. Kommt hinzu, dass sie bei der ersten Umfrage, die zu einem sehr frühen Zeitpunkt durchgeführt worden war, gegen einen Bisherigen punkto Bekanntheitsgrad klar im Nachteil war. Mittlerweile konnte sie dieses Handicap verkleinern. Nicht zuletzt wächst die Unterstützung für Ackermann beim politischen Partner SP. Rund zehn Prozent mehr Sozialdemokraten geben an, die Grüne wählen zu wollen. «Ich habe immer geglaubt, dass es am Ende eng und erst in einem zweiten Wahlgang entschieden wird», sagt Ackermann. «Das Rennen ist jetzt völlig offen.»

Ihre Hoffnungen definitiv begraben kann die Grünliberale Martina Bernasconi. Sie stagniert bei mageren acht Prozent. Allerdings ist es gut möglich, dass aufgrund ihrer Kandidatur weder Dürr noch Ackermann im ersten Wahlgang das absolute Mehr (50 Prozent) schaffen werden und deshalb auch diese Frage erst Ende November entschieden wird.