Breitequartier
Das Rhybadhysli wurde bereits drei Mal gerettet – von den Breitlemern

Das Rhybadhysli Breite hat eine bewegte Geschichte. Überlebt hat es nur dank seiner Anwohner. Denn ganze drei Mal sollte das Rheinbad geschlossen werden. Und drei Mal konnten die Breitlemer eine Lösung finden.

Muriel Mercier
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In den 1930er-Jahren war der Andrang im Hysli so gross, dass Schichtwechsel eingeführt wurden.

In den 1930er-Jahren war der Andrang im Hysli so gross, dass Schichtwechsel eingeführt wurden.

ZVG: Staatsarchiv Basel

Für viele Basler ist das Rhybadhysli Breite ihr Zuhause während der Sommermonate. Auf den Holzbrettern liegen, sich im Rhein abkühlen und am frühen Abend auf der Terrasse ein Glas Wein geniessen. Jeden Tag treffen sich Jung und Alt in der kleinen Badi direkt unterhalb des Birsköpfli.

Der Stellenwert des Badhysli ist bei den Breitlemern sehr hoch, sagt Pächter Hugo Buser. Es gebe Leute, die extra wegen des Hysli hierher gezogen seien. Für diese wäre der Sommer kein richtiger Sommer mehr, gäbe es den grossen Steg über dem Wasser nicht.

Dass er heute noch steht, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Geschichte ist lang – kurze Variante: Ab den 1970er-Jahren sollte das Rheinbad Breite drei Mal abgerissen werden. Vor dem Abbruch bewahrt haben es die Anwohner.

Eröffnet wurde das Hysli 1898. Sechs Jahre zuvor stellten der freisinnige Volksverein St. Alban, der Quartierverein Breite und der Verein des äusseren St. Alban-Quartiers das Begehren über eine Schwimmanstalt im Rhein auf der Höhe der Breite an den Grossen Rat.

Verschiedene Kreise plädierten für ein Rheinbad im Kleinbasel oder bevorzugten eine weitere Badeanstalt neben der Mittleren Brücke, unterhalb der alten Universität. Gegen die zweite Variante wurde das Argument ins Feld geführt, der Lärm verunmögliche Vorlesungen. Trotzdem wurde das Rheinbad Breite endlich ermöglicht. Der Baukredit über 150'000 Franken wurde gesprochen und die Badeanstalt 1897 gebaut.

Und zwar so: zwei Schwimmbecken mit verstellbarem Boden – einmal für Schwimmer und einmal für Nichtschwimmer. Umgeben war das Hysli von einem Lattenzaun, damit kein Passant reinschauen konnte. Gebadet wurde nach Geschlechtern getrennt.

Schichtwechsel wird eingeläutet

Das Baden im Rhein entwickelte sich damals schon zum Volkssport. Im Jahr 1929 wurde das Hysli erweitert, 1946 war das Erziehungsdepartement gar gezwungen, Schulklassen das Schwimmen im offenen Rhein zu verbieten. Der Andrang war trotzdem so gross, dass eine Glocke installiert werden musste, die zum Schichtwechsel aufforderte.

Doch dann schrieb das Rhybadhysli plötzlich rote Zahlen: In Zeiten der Hochkonjunktur wurde in der Landwirtschaft massiv gedüngt, was das Wasser belastete. Sinkende Schwimmerzahlen und anstehende Unterhaltsarbeiten veranlassten den Regierungsrat im Jahr 1973 zum Beschluss, das Rheinbad Breite zu schliessen. Der Verein Rheinbad Breite verhinderte dies.

1986 stand das Hysli erneut vor dem Aus. Und ein letztes Mal drohte ihm der Abbruch, das war Anfang der 1990er-Jahre: Die prekäre finanzielle Lage des Kantons veranlasste den Basler Regierungsrat, dieses per Ende 1992 ersatzlos abzureissen.

Er hatte aber die Rechnung ohne die passionierten Badhysli-Gänger gemacht, erinnert sich Alfred Ziltener. Er war Mitglied des Vorstands Verein Rhybadhysli Breite und lancierte Anfang 1991 eine Petition. «Innerhalb von vier Wochen hatten 10'000 Personen unterschrieben.» Der Grosse Rat hat die Petition einstimmig an den Regierungsrat weitergegeben. Doch dieser war aufgrund der desolaten finanziellen Lage immer noch gegen die Weiterführung des kleinen Bads.

Private spendeten Gelder

Also versuchte der Verein rund um Ziltener, Geld aus privaten Mitteln zu bekommen. Die Basler Sophie-und-Karl-Binding-Stiftung steuerte einen ansehnlichen Betrag bei – das Eis war gebrochen. Auch die Christoph Merian Stiftung, die E. E. Zunft zu Rebleuten und die GGG stiegen ins Boot.

Ziltener und seine Kollegen setzten sich in den 1990er-Jahren erstens wegen des Baulichen für das Hysli ein: ein Metallbau mit Holzkonstruktion. Zweitens: «Das Rhybadhysli Breite war bei den Baslern so verankert, es war ihr Zuhause.»

Am 3. September 1994 nahm es seinen Betrieb wieder auf. Seither lockt das Badhysli nicht nur zum Sonnenbaden, sondern im Restaurant Veronica werden die Gäste auch verpflegt. Im Herbst 2006 wurde das Badhysli erneut renoviert und seit 2010 bietet es gar einen Saunabetrieb an. «Die Bewohner haben das Rhybadhysli gerettet», ist Hugo Buser, der seit zehn Jahren Pächter ist, überzeugt. Und freut sich darüber.