Altlasten

Das Rosental-Areal ist eine teure Wundertüte

Der Neuerwerb mit dunkler Vorgeschichte: Das Rosentalareal.

Der Neuerwerb mit dunkler Vorgeschichte: Das Rosentalareal.

Das Rosental-Areal, das der Kanton Basel-Stadt eben erst für eine unbekannte, aber sicher dreistellige Millionensumme erworben hat, ist mit Altlasten reich bestückt.

Gerne wird der kantonale Immobilienbesitz als das «Tafelsilber» des Kantons bezeichnet. Und das 47 000 Quadratmeter grosse Rosentalareal, das die Regierung diesem Tafelsilber hinzugefügt hat, ist alleine seiner Grösse wegen mindestens eine grosse Sauciere in diesem Gedeck. Doch ist es wirklich glänzendes Silber? Oder aufgrund der Belastung durch die Jahrhunderte dauernde Nutzung durch die chemische Industrie übel verschmutztes und beschlagenes Altmetall?

Darauf liesse die Aussage von Peter Donath, dem ehemaligen Beauftragten für Altlasten bei der Ciba, schliessen, die er in einem Interview mit der bz machte: «Sie wussten einfach nicht mehr, wohin mit dem Abfall. Roland Studer von der Ciba hat mir sogar gesagt, einmal hätten sie nachts im Rosentalgelände in Basel den Boden aufgemacht und die Abfälle dort vergraben.» Und auf die Nachfrage, ob das denn inzwischen saniert worden sei, meinte er: «Nein, wahrscheinlich ist das vergessen. Ich weiss nicht, wo im Areal das war. Wenn man wüsste, wo, würde man vielleicht noch etwas finden.»

Bereits Studie gemacht

Beim Amt für Umwelt- und Energie (AUE), das sich mit den Altlasten befassen muss, weiss man um die Problematik. Für das Rosentalareal gibt es eine Altlastenbeurteilung. Und die kommt zum Schluss, es lägen derzeit keine wirklich gefährlichen Erkenntnisse vor. Demnach wurden fünf Messgeräte für das Grundwasser installiert, die keine Werte zeigten, die auch nur annähernd an Grenzwerte herankämen. Allerdings seien keine «direkte Untersuchungen des Untergrundes auf Belastungs-Hotspots» durchgeführt worden.

Matthias Nabholz, der Leiter des AUE, sagt zur bz: «Wir wissen nicht im Detail, was alles zum Vorschein kommen wird.» Deshalb ordnet das Amt in seiner Studie auch an: «Vor Baumassnahmen ist daher ein Entsorgungskonzept für den Bauperimeter zu erstellen, in dem das genaue Ausmass der Untergrundbelastung untersucht und die Entsorgungswege festzulegen sind.»

Nachfolge-Firmen in der Pflicht

Bezahlen müsste gemäss der Altlastenverordnung solche Massnahmen der Verursacher, also die Firmen, die hier seit den 1860er-Jahren wirtschafteten, oder ihre Rechtsnachfolgerinnen. So wie die Novartis derzeit Gelände der ehemaligen Ciba-Geigy aufräumt.

Es sind insbesondere die frühen Jahre der Nutzung, die Sorgen bereiten, wurden doch damals Anilinfarben mit dem Arsenikverfahren hergestellt, bei dem riesige Mengen des Giftes Arsen verwendet wurden. Die erste Firma, die hier stand, die J.J. Müller und Cie, ging Konkurs, weil sie Entschädigungen bezahlen musste, nachdem sie Arsen in den Goldbach und den Riehenteich geleitet hatte – daran erkrankten im Kleinbasel mehrere Personen schwer.

«Die Mengen und der Einsatz der im Verlauf der Jahrzehnte verwendeten Chemikalien und Substanzen sind sehr variabel und nicht mehr nachvollziehbar», protokolliert das AUE. Es sei im Verlauf der Jahrzehnte auch immer wieder zu Explosionen und Bränden gekommen, bei denen kontaminiertes Löschwasser im Erdreich versickerte. «Eigentliche Chemikalienhavarien sind jedoch nicht bekannt», so das AUE in seinem Bericht weiter.

Viele Unbekannte

Die grösste Unbekannte dürften also Nacht- und Nebelaktionen wie die von Donath erwähnte sein. Und Aufschüttungen auf dem Areal, wenn beispielsweise Keller mit Material vom Grundstück aufgefüllt wurden. Das AUE hat das Gelände in seinem Altlastenkataster grundsätzlich als «belastet» aufgeführt. Es sei bis anhin weder als sanierungs- noch als überwachungsbedürftig eingestuft worden, von der Kontrolle des Grundwassers abgesehen.

Nun allerdings, da über Bauprojekte nachgedacht werde, müsse man wesentlich genauer untersuchen, sagt Nabholz. Und in der Studie wird bereits jetzt vorgeschrieben, dass bei Bauten, für die das Grundwasser abgesenkt werden müsse, das gepumpte Grundwasser analysiert werden müsse, bevor man es ableiten dürfe.

Was auch immer der Kanton auf dem Gelände bauen will – eines steht jetzt schon fest: Es dürfte mehr Zeit und Geld benötigen, als an einem anderen, unbelasteten Standort.

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Autor

Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

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